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Aids: Das Doppelleben mit HIV

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Wahrheit  

Ein Doppelleben mit Haus, Hund und HIV

10.08.2011, 10:18 Uhr | dpa

Aids: Das Doppelleben mit HIV. Aids: Viele HIV-positive Frauen führen ein Doppelleben. (Foto: dpa)

Viele HIV-positive Frauen führen ein Doppelleben - auch Theresa. (Foto: dpa)

Wer an Aids denkt, hat oft Bilder von Schwulen, Prostituierten oder Drogensüchtigen vor Augen – nicht aber nicht von Bankkauffrauen und Lehrerinnen. Denn Frauen, die HIV-positiv sind, sind bei uns unsichtbar und führen aus Scham meistens ein Doppelleben. Theresa ist eine von ihnen.

Die Nachbarn wissen nichts von Theresas HIV-Infektion

An ihrem zweiten Leben liebt Theresa (43), die ihren richtigen Namen nicht in den Medien lesen möchte, die Normalität: Mit ihrem zweiten Mann hat sie in Osthessen gerade ein Haus gebaut. Außerdem haben die beiden einen gemeinsamen kleinen Sohn und einen Hund. Wenn Theresa "gut eingestellt" ist, also die 20 Tabletten am Tag in ihrem Körper wirken, ist das erste Leben, das mit Aids, weit weg. Ihr erster Mann, ein Bluter, hatte in den 80ern verunreinigte Konserven bekommen und sie mit dem Virus angesteckt. Damals war HIV noch ein Todesurteil. "Ich hab' all mein Geld vom Sparbuch abgehoben und wollte noch ein letztes Mal shoppen gehen", erinnert sie sich an den Moment der Diagnose 1989. 1993 hatte Theresa das Vollbild Aids: Sie rang mit dem Tod, bekam eine Art Chemotherapie, verlor ihre blonden Haare und wurde von ihrer Mutter zum Sterben nach Hause geholt - doch sie überlebt.

Dank der Medikamente sieht man Theresa die Krankheit heute nicht mehr an. Die neuen Nachbarn wissen nichts von Theresas Krankheit, sie sollen es auch nicht wissen. "Ich weiß nicht, wie man mit meinem Kind umgehen würde", befürchtet sie. Stattdessen erzählt die Bankkauffrau im Frühruhestand den Nachbarn, dass sie bei einem Arzt arbeitet. In Wahrheit fährt sie alle drei Monate zum HIV-Center der Frankfurter Uni-Klinik, um ihre Blutwerte kontrollieren zu lassen.

"HIV ist in der Gesellschaft angekommen"

Doch Theresa ist nicht die einzige HIV-positive Frau, die ihre Erkrankung aus Angst vor ablehnenden Reaktionen verheimlicht. "HIV ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, nur die Gesellschaft sieht das nicht", sagt Annette Haberl. Sie ist Ärztin am HIV-Center und auf die Betreuung infizierter Schwangerer spezialisiert. Auch Theresa ist bei ihr in Behandlung. Zwar sind in Deutschland nur 18 Prozent Frauen unter den HIV-Infizierten, doch von der Sichtbarkeit aus sind es noch weitaus weniger. "Es könnte die Nachbarin oder die Lehrerin der Kinder sein", sagt Haberl. Angesteckt haben sich die meisten beim Sex ohne Kondom, die Diagnose bekommen viele erst in der Schwangerschaft.

Auch Frauen mit HIV sind attraktiv

Um die Frauen aus ihrer Unsichtbarkeit zu holen, erarbeitete die Ärztin mit 14 Patientinnen und einer Fotografin eine Ausstellung. Der Titel: "Schön sein - Frauenbilder mit HIV". Auf den Fotos posieren die Patientinnen selbst, sie sehen aus wie die attraktive Frau von nebenan. Genau das ist das Ziel der Ausstellung. Denn die Diagnose Aids ist für die oft allein erziehenden Frauen ein Makel, der ihnen das Selbstwertgefühl nimmt. Einige Models zeigen ihre Augen, auch wenn oft nur der engste Familienkreis Bescheid weiß; bei anderen sind die Augen überklebt. Die ästhetischen Bilder hängen auf den Fluren des HIV-Centers, frei für alle Besucher. Auf einem der Bilder ist auch Theresa zu sehen.

Schwangerschaft auch mit HIV möglich

Wer heutzutage HIV früh diagnostiziert und behandelt bekommt, kann eine annähernd so hohe Lebenserwartung wie ein nicht Infizierter haben. Und wenn eine Infektion vor der Schwangerschaft bekannt ist, kann mit der optimalen Therapie das Risiko einer Ansteckung des Kindes auf unter zwei Prozent gesenkt werden. In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 300 Geburten HIV-positiver Mütter - zwischen 30 und 40 davon in Frankfurt. Das dortige Spezialzentrum ist eines der wichtigsten in Deutschland.

Theresa weiß nicht, wie lange es ihr gut geht

Nachdem Theresas erster Mann vor elf Jahren an Aids gestorben war und sie ihren zweiten Mann kennen lernte, bestand das Leben endlich nicht mehr nur aus dieser Krankheit. Es begann, sich leichter anzufühlen. Theresa genießt heute den Moment. Eine Garantie dafür, wie lange es ihr so gut gehen wird, gibt es nicht. Ihr Mann und sie entschieden sich bewusst für ein Kind, auch wenn die Schwangerschaft riskant war, weil Theresa ihre Medikamente absetzen musste und andere nicht gleich anschlugen. Um ihren Mann nicht zu gefährden, schliefen sie mit Kondom miteinander, das Sperma daraus wurde dann künstlich eingeführt. Ihr Sohn ist heute acht Jahre alt, er weiß bisher nur, dass seine Mutter viele Tabletten nehmen muss


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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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