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Aids: HIV-Heimtest birgt mehr Risiken als Chancen

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HIV-Heimtest birgt mehr Risiken als Chancen

10.08.2011, 10:17 Uhr | dapd

Aids: HIV-Heimtest birgt mehr Risiken als Chancen . Aids: HIV-Test für zuhause ist riskant. (Foto: dpa)

HIV-Test sollte man beim Arzt machen lassen. (Foto: dpa)

Kinderleicht soll es sein, sich selbst zu Hause auf HIV zu testen: Einen Tropfen Blut in den Schacht einer Testkassette fallen lassen, anschließend zwei Tropfen Pufferlösung zugeben und bereits nach 15 bis 30 Minuten entscheiden zwei Streifen im Sichtfenster der Testkassette, ob eine HIV-Infektion vorliegt oder nicht. Die sogenannten Heimtests kann jeder mit einem Klick im Internet problemlos bestellen. Doch viele tragen kein CE-Siegel und sind somit für den europäischen Markt nicht zugelassen. Dabei dürfen HIV-Tests in Deutschland seit März 2010 nur noch an Ärzte, ambulante und stationäre Einrichtungen im Gesundheitswesen und an Gesundheitsbehörden abgegeben werden.

Betroffenen scheuen HIV-Test beim Arzt

Trotzdem bieten einige Vertreiber HIV-Heimtests nach wie vor über das Internet an. Ein Unternehmen mit Firmensitz auf den Seychellen fordert Interessente auf seiner Website sogar auf: "Lassen Sie sich nichts von der Regierung und der EU vorschreiben! Kaufen Sie Heimtests wann und wo Sie wollen! Es geht hier um Ihre Gesundheit!" Ein HIV-Heimtest sei absolut anonym, das lange quälende Warten auf das Testergebnis entfalle, heißt es weiter. Und tatsächlich bestätigen einige Betroffene in Foren, dass sie sich scheuen, öffentlich gesehen zu werden, wenn sie sich beispielsweise in den Gesundheitsämtern oder bei den örtlichen Aidshilfen anonym testen lassen.

HIV-Test gehört in professionelle Hände

HIV-Träger, die nichts von ihrer Infektion wissen, können andere Personen anstecken, eine frühzeitige Therapie, die den Krankheitsverlauf verlangsamt, unterbleibt. Ein HIV-Test ist also nur dann sinnvoll, wenn Ärzte oder medizinisches Personal ihn durchführen, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zusammen mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) in einer gemeinsamen Erklärung. Für 2009 wurden dem RKI 2.856 neu diagnostizierte HIV-Infektionen in Deutschland gemeldet. Über die Dunkelziffer der Neuinfektionen lässt sich nur spekulieren: Insgesamt tragen schätzungsweise 67.000 Deutsche den Aids-Erreger in sich.

Testergebnis zuhause oft falsch

"Ohne vernünftige Beratung kann der Heimtest fatale Folgen haben", sagt Christian Hoffmann, Vorsitzender der klinischen Arbeitsgemeinschaft Aids Deutschland (KAAD) in Bonn: "Da sitzt ein Mensch allein zu Hause, macht einen Test und der zeigt fälschlicherweise ein positives Testergebnis. Ich habe schon Leute erlebt, die selbstmordgefährdet waren, nachdem sie mit einer HIV-Infektion konfrontiert wurden." HIV-Heimtests überprüfen meist, ob die Testperson spezifische Antikörper gegen Proteinbestandteile des HI-Virus im Blut, Urin oder im Schleimhautabstrich der Mundhöhle aufweist. Bei einer von etwa 200 Proben schlägt das Testsystem aber ebenfalls Alarm, wenn viele HIV-unspezifische Antikörper im Körper der Testperson herumschwirren. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Testperson sich mit dem Grippevirus oder einem anderen Virus infiziert hat, bei einer Schwangerschaft, nach Impfungen oder bei einer Autoimmunerkrankung. Das passiert zwar auch bei den herkömmlichen Antikörper-Suchtests im Labor, dort wird aber ein reaktives Suchtestergebnis durch einen weiteren sogenannten Bestätigungstest abgesichert.

Ein negativer HIV-Test ersetzt nicht den Safer Sex

Auch ein negatives Testergebnis ist keine Garantie für ungeschützten Geschlechtsverkehr: Erst etwa drei Monaten nach der Ansteckung haben sich genügend Antikörper gegen das Virus gebildet, um ausreichend zuverlässig eine HIV-Infektion ausschließen zu können. Die aktuellen Schnelltests verkürzen die Zeit von der Ansteckung bis zum Nachweis von HIV um lediglich etwa fünf Tage. Negativ kann der Test auch ausfallen, wenn er falsch angewendet wird, denn jeder Schritt vom Piekser bis zur Interpretation des Testergebnisses ist fehleranfällig: Wenn der Finger nach dem Pieks zu sehr gequetscht wird, gelangt beispielsweise mehr Gewebeflüssigkeit statt Blut in die Testkassette. Dadurch werden die vorhandenen Antikörper verdünnt und sind schwerer nachweisbar. Von den mitgelieferten Plastikpipetten rät Armin Schafberger von der Deutschen Aidshilfe sogar ab, weil darin das Blut viel schneller gerinnt als in einer Glaspipette.

CE-Siegel ist keine Garantie

Gegen die im Internet angebotenen nicht CE-markierten HIV-Heimtests können die zuständigen Überwachungsbehörden der Länder nur wenig ausrichten, da die Betreiber im Ausland sitzen. Selbst ein CE-Siegel ist nicht automatisch eine Qualitätsgarantie, weil die Mitgliedsländer die europäischen Richtlinien unterschiedlich auslegen und unabhängige Vergleichsstudien oft fehlen. Mit dem Verbot der HIV-Heimtests in Deutschland ist dem Internethandel zwar kein Riegel vorgeschoben, es ist aber zumindest ein klares Signal, findet Schafberger: "Dadurch wird sich das Problem in Grenzen halten. Mehr kann man nicht machen."

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