Sie sind hier: Home > Gesundheit > Gesund leben >

Ann-Marlene Henning: "Schnell stoßen ist nicht förderlich"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Sexologin Ann-Marlene Henning  

"Schnell stoßen ist nicht förderlich"

29.11.2014, 20:06 Uhr | Nina Bürger

Ann-Marlene Henning: "Schnell stoßen ist nicht förderlich". Eine schnelle Stoßtechnik führt nicht immer auf den Gipfel der Lust.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine schnelle Stoßtechnik führt nicht immer auf den Gipfel der Lust. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Sexologin Ann-Marlene Henning ist seit Beginn der Doku-Serie "Make Love - Liebe kann man lernen" vielen bekannt. Seit Kurzem ist ihr ihr zweites Buch "Make More Love", ein Sex-Ratgeber für Erwachsene, im Handel. Wir haben mit der Sexexpertin über Lust und Erregung ab Mitte 40 gesprochen.
 
t-online.de: Welche Schwierigkeiten kommen im Sexualleben im mittleren Alter auf?
 
Ann-Marlene Henning. (Quelle: Gunnar Meyer)Ann-Marlene Henning. (Quelle: Gunnar Meyer) Ann-Marlene-Henning: Frauen spüren beim Sex ab 50 weniger die Veränderungen. Bei den Männern ist das anders: Die Erektion ist dann nicht mehr so stabil und zuverlässig, wie sie es kennen. Das wirkt sich dann auch auf die Frau aus. Sie merkt, dass er nicht mehr so kann, wie beide es wollen, und das sorgt für Verunsicherung.
 
Wie kommt es dann, dass so viele Männer in dem Alter eine Geliebte haben?

Bei ihm fällt der Testosteronspiegel schon seit Jahren. Das bekommt jetzt Einfluss auf seine Lust und die Erektion. Im Gegensatz zur Ehefrau gibt es bei der Geliebten den Faktor des Neuen. Der Sex ist verboten und spannend, sein Reptiliengehirn wird wieder wach. Bei der Ehefrau aber, mit der er emotional intim ist, fühlt er sich komplett bloßgestellt, wenn er schlapp macht. Die Affäre ist allerdings nur eine Übergangsphase, später klappt es mit ihr auch nicht mehr. Viele nehmen dann Potenzmittel.

Gibt es eine Chance, die Erektionsprobleme in den Griff zu bekommen?

Das erste ist der Körper selbst. Es geht darum, wie Erregung eigentlich funktioniert. Viele Menschen tun beim Sex etwas mit ihrem Körper, was nicht gerade förderlich ist. Und zweitens sollte Mann mit der Partnerin reden, Erektionsstörungen sind ein gemeinsames Problem. Wenn der Mann sich eingesteht, dass es ein Problem gibt und auch darüber redet, kann neue Intimität entstehen.
 
Können Sie ein oder zwei Tipps für Männer geben?
 
Erstens: Lerne deinen Beckenboden kennen. Bis in die reifen Jahre mussten Männer nichts besonderes für ihre Erektion tun, weil sie viel Testosteron hatten. Jetzt müssen sie schauen, dass sie die Durchblutung in ihrem Penis gut steigern können. Wenn der Mann merkt, dass die Erektion wackelt, hilft es, den Beckenboden zu bewegen. Wer aus Sorge zu viel angespannt, klemmt den Penis förmlich ab, wie bei einem abgeknickten Schlauch. Dann ist Schluss mit der guten Durchblutung. Es geht vielmehr um Bewegung.
 
Zweitens: Viele bewegen beim Sex das Becken nicht, sondern stoßen angespannt und schnell. Hier ist das Stichwort: Langsamkeit und mehr Variation. Bis zu dieser Lebensphase lief der Sex schnell und automatisch. Das klappt im Alter meist nicht mehr. Jetzt geht es darum, bewusst den Körper zu spüren, am besten schon beim Masturbieren. Übrigens werden Frauen, genau wie vor der Menopause, immer noch feucht, wenn sie erregt genug sind. Denn dann sind sie unten auch gut durchblutet.

Was ändert sich sonst noch beim Sex?
 
Da passiert etwas im Gehirn und zwar bei beiden. Die Balance zwischen Testosteron und Östrogen ändert sich. Dadurch wird der Mann emotionaler, weicher. Sie wird zielstrebiger und denkt mehr an sich. Plötzlich traut sich die Frau zu sagen: "Ich will jetzt Sex" und fordert ihn beim Mann ein. Der ist dann aber häufig verunsichert, weil dass Mann-Sein nicht mehr so wie früher funktioniert.
 
Das klingt, als würde die gemeinsame Schnittmenge immer kleiner.

Die emotionale Schnittmenge wird sogar größer. Die Männer wollen plötzlich reden, sie wollen mehr Zärtlichkeit und die Frauen mehr Sex. Es gibt Studien, die belegen, dass die Geschlechter sich mit steigendem Alter emotional annähern. Spätestens dann ist es gut zu lernen, mit Nähe und Distanz umzugehen. Das gilt besonders, wenn die Kinder aus dem Haus sind und die Karriere nicht mehr so stressig ist und auf einmal mehr gemeinsame Zeit da ist.

Das heißt, mit den Wechseljahren lässt die Lust bei Frauen nicht nach?

Nein. Untersuchungen zufolge sieht es so aus, dass Frauen mit zunehmendem Alter sogar mehr Lust bekommen. Ihre Eierstöcke produzieren weiterhin Testosteron, nur die weiblichen Hormone fallen deutlich. Das bedeutet eigentlich, das ihr Gehirn männlicher wird.

Macht sie das im Bett experimentierfreudiger?

Ja, absolut. Viele sagen: "Jetzt will ich wissen, wie ein Orgasmus geht" und wollen keine Lust mehr vorspielen. Wichtig dafür ist, die Klitoris und die weibliche Prostata, aber auch den Beckenboden zu kennen. Während sie auf ihm sitzt kann sie anhand der Beckenbewegung spüren, wie es für sie geiler wird.

Wird das in dem neuen Buch so anschaulich erklärt wie in dem ersten?

Genauso. Wir haben ganz tolle Übungen. Das sind circa zwanzig jeweils für Männer und Frauen. Zum Beispiel Blow-Jobs für beide oder Anregungen, den Körper der Frau zu entdecken. Es ist sehr viel und sehr genau. Es ist quasi das "Große ABC der Erregung".

Für die TV-Doku "Make Love" sind neue Folgen in Produktion. Was sind die Themen?

Da habe ich ein Paar Mitte zwanzig, das auf Pornos steht. Es geht um die Wirkung von Sexfilmen. Wie geht es heute einem modernen, gleichberechtigten Paar damit? Das zweite Paar fängt in den Fünfzigern eine neue Beziehung an. Wir schauen, was das mit dem Sex macht. In der dritten Folge geht es um ein Paar um die 40, bei dem er weniger Lust hat als sie.

Das Interview führte Nina Bürger

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige
Arztsuche 
Einen guten Arzt finden

Hier finden Sie Haus- und Fachärzte in Ihrer Nähe. Arztsuche


Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILBabistadouglas.deKlingel.de

 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Meistgesuchte Themen A bis Z

Anzeige
shopping-portal