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Krank durch Sex: Syphilis breitet sich in Deutschland aus

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Beim Sex angesteckt  

Syphilis breitet sich in Deutschland rasant aus

15.12.2015, 07:16 Uhr | Gisela Gross, dpa

Krank durch Sex: Syphilis breitet sich in Deutschland aus. Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis. (Quelle: dpa/PD Dr. Annette Moter/Charité-Universitätsmedizin Berlin)

Syphilis: Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis. (Quelle: PD Dr. Annette Moter/Charité-Universitätsmedizin Berlin/dpa)

Die Geschlechtskrankheit Syphilis ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Seit einigen Jahren steigen die Fallzahlen rasant, vor allem in der Schwulenszene der Großstädte.

Syphilis gilt als "Chamäleon" unter den sexuell übertragbaren Krankheiten: Weil die Symptome oft weder sichtbar noch schmerzhaft sind, bleibt die Bakterieninfektion zunächst häufig unentdeckt.

Umso deutlicher wird die Situation beim Blick auf die Zahl gemeldeter Syphilis-Fälle: Laut Robert Koch-Institut (RKI)  stieg sie 2014 auf einen neuen Höchstwert von 5722 Neudiagnosen. Demnach gibt es seit 2010 einen kontinuierlichen Anstieg. Auch im ersten Halbjahr 2015 hielt der Trend an.

Vor allem Homosexuelle stecken sich an

Die Krankheit ist vorrangig  in der Schwulenszene ein Problem. 84 Prozent der Fälle gehen nach den RKI-Daten vermutlich auf einen sexuellen Kontakt zwischen Männern zurück. 

Syphilis-Brennpunkt Berlin

Hinzu kommt der Faktor Großstadt: Berlin mit seinen zahlreichen Clubs, Saunen und Pornokinos liegt bei den Fallzahlen bundesweit klar vorn. Die Rate der Neuerkrankungen lag dort 2014 bei 31 Fällen je 100.000 Einwohner. In der Hauptstadt erkranken im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr als viermal so viele Menschen wie im bundesweiten Mittel (7,1 je 100.000). Hamburg steht mit 19,7 je 100.000 Einwohner an zweiter Stelle.

Die Fallzahlen bei Geschlechtskrankheiten nehmen generell zu. Die Daten zur meldepflichtigen Syphilis seien der Indikator dafür.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für sexuell übertragbare Krankheiten (DSTIG), Professor Norbert Brockmeyer, vermutet, dass Party-Wochenenden unter Einfluss stimulierender Drogen wie Crystal einer der Gründe für die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten sind. Mit den Drogen sinke das Risikobewusstsein.

Verleiten Dating-Apps zum Leichtsinn?

Doch auch außerhalb der großstädtischen Szene breitet sich die Bakterieninfektion aus: Knapp ein Drittel der Syphilis-Meldungen stammen aus Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern. "Wir vermuten, dass es für Männer leichter geworden ist, durch das Internet beispielsweise, vielleicht auch durch Dating-Apps, andere Männer kennenzulernen", sagt Viviane Bremer. Sie ist beim RKI Expertin für sexuell übertragbare Infektionen. "Gefühlt kennt man sich. Das erschwert die Kondom-Nutzung", sagt Brockmeyer mit Blick auf das "neue Dating-System", bei dem meist ein Nachrichtenaustausch dem ersten Treffen vorausgehe und ein trügerisches Vertrauen schaffe.

Weniger Angst vor Aids - mehr Sex ohne Kondom

Lange war Syphilis in Deutschland kein Thema mehr. Mit der Ausbreitung von Aids und sicheren Sexpraktiken zur Aids-Prävention gingen die Fallzahlen  in den 80er Jahren zurück. Inzwischen lässt sich das HI-Virus mit Medikamenten im Körper so weit zurückdrängen, dass dem Partner auch bei ungeschütztem Sex kaum Ansteckung droht. Manche Experten vermuten, dass sich Syphilis auch deshalb wieder stark ausgebreitet hat. 

Syphilis wird oft zu spät erkannt

Die RKI-Zahlen legten noch ein anderes Problem offen, meint Armin Schafberger, Medizin-Referent bei der Deutschen Aids-Hilfe: "Wir müssen früher diagnostizieren." Nur in etwa einem Drittel der Fälle wurde Syphilis in einer frühen Phase festgestellt. Mindestens einmal jährlich sollten gefährdete Personen zu einem vorbeugenden Test, rät die Aids-Hilfe. Den bezahlt die Kasse allerdings nur, wenn Symptome vorhanden sind.

Erst bei Symptomen zu handeln, hält Schafberger für zu spät - eben weil die Krankheit so oft unbemerkt bleibt. Bei Kontrollen würden oft auch weitere sexuell übertragbare Erreger festgestellt - Chlamydien und Gonokokken etwa. 

Experten: Aufklärung in der Schule wichtig für Prävention

Die Syphilis-Welle rollt in ganz Westeuropa, auch Großbritannien und die USA sind betroffen. "Gerade Berlin ist attraktiv für Männer, die sich hier am Wochenende vergnügen wollen", sagt Bremer. Wie man vorbeugen könnte? Gute, leicht verständliche Kampagnen zum Schutz beim Sex und neue Beratungsansätze sind das eine, glaubt Brockmeyer. Darüber hinaus sei der einzige Weg: "ein freier Umgang mit Aufklärung" - schon in der Schule.

Symptome von Syphilis

Zu den ersten Symptomen von Syphilis zählen Geschwüre im Genitalbereich oder im Mund. Diese sondern eine stark ansteckende Flüssigkeit ab. Bei sexuellen Handlungen kann es so zur Übertragung kommen. Nach dem Abheilen der Geschwüre verläuft die Krankheit in Schüben. Unbehandelt führt Syphilis zu Hautausschlägen und später auch zu Organschäden. Davon kann auch das Gehirn betroffen sein - mit neurologischen Folgen.

Früh erkannt, lässt sich Syphilis mit Penizillin gut behandeln.

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