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Pille für den Mann – ein Selbstversuch

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Nervenbündel im Hormonrausch  

Pille für den Mann – ein Selbstversuch

08.10.2017, 15:10 Uhr | ag

Pille für den Mann – ein Selbstversuch. Die Pille für den Mann – sinnvoll? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/KatarzynaBialasiewicz)

Die Pille für den Mann – sinnvoll? (Quelle: KatarzynaBialasiewicz/Thinkstock by Getty-Images)

"Bekommst du etwa deine Tage?". Diese Frage hat schon manche Frau auf die Palme gebracht. Besonders, wenn diese von ihrem Mann kommt. Dabei will er in diesem Moment etwas ganz anderes sagen: dass er nämlich auf eine Zicke mit prämenstrualem Syndrom (PMS) keine Lust hat. Wie vor allem die Pille die Stimmung und Gefühle beeinflusst, hat ein Mann nun getestet.

Pille für den Mann im Selbstversuch

Da Männer nie erlebt haben, wie stark Hormone das Wohlbefinden beeinflussen können, haben sie wenig Verständnis für Frauen in diesem Ausnahmezustand. Ähnlich ging es dem englischen Journalisten Clint Witchalls – bis er erfuhr, wie es sich anfühlt, wenn Körperchemie verrückt spielt. Anderthalb Jahre lang nahm der 42-jährige Familienvater an einer klinischen Studie zur Pille für den Mann teil – und wurde dadurch zu etwas, das er selbst "hormongebeuteltes Gefühlswrack" nennt. Seine Erlebnisse beschreibt er in dem bei Rowohlt erschienenen Taschenbuch "Die Pille und ich - ein Mann im Selbstversuch".

Hormone per Implantat und Spritze

Witchalls Gründe, sich als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen, waren privater Natur. Als Vater von drei Kindern hatte er seine Familienplanung bereits abgeschlossen. Kondome hasste er und eine Sterilisation kam für ihn nicht in Frage. Hellhörig wurde Witchalls jedoch, als er Im Internet auf eine klinische Studie stieß, für die noch männliche Probanden gesucht wurden. Eine neue hormonelle Verhütungsmethode für den Mann sollte an ihnen getestet werden. Witchalls zögerte nicht lange und meldete sich an. Kurz darauf setzte ihm ein Arzt ein Plastikröhrchen in den Oberarm - denn bei der "Pille für den Mann" handelt es sich nicht, wie der Name sagt, um eine Tablette. Verhütet wird mit einem Röhrchen, das über einen bestimmten Zeitraum Hormone freisetzt und die Spermaproduktion hemmt. Um die Männlichkeit zu erhalten, erhielt der Journalist zusätzlich einmal im Monat eine Testosteron-Spritze.

Aggressiv und wild auf Sex

Die Nebenwirkungen des Hormoncocktails bekam Witchalls in den Folgemonaten mit aller Wucht zu spüren. Er bekam heftige Schweißausbrüche, nahm an Gewicht zu und litt unter extremen Stimmungsschwankungen. Mit Entsetzen beobachtete der Familienvater, dass seine Hoden plötzlich schrumpften und ihm Brüste wuchsen - "scheußliche spitze Titten, wie man sie bei krankhaft fettleibigen Männern sieht." Auch sein Liebesleben veränderte sich: Es schwankte zwischen Dauerlust und sexueller Gleichgültigkeit. Die Stimmungswechsel verliefen dabei in Phasen: Unmittelbar nach der Testosteron-Spritze fühlte sich der Autor aggressiv und war voller Energie. "Vögeln und Kämpfen, das ist alles, woran ich zurzeit denken kann", beschreibt er seinen Zustand. In dieser Phase konnte er vor Unruhe kaum mehr Zeitung lesen, dafür aber unglaublich viel essen ohne zuzunehmen.

Gefühlsduselige Heulsuse

In der Zeit vor der neuen Testosteron-Spritze fühlte sich Witchalls zunehmend unsicher, anhänglich und introvertiert - vergleichbar mit einer Frau im PMS-Stress. Er wurde extrem anschmiegsam, wollte ständig mit seiner Frau Händchen halten und interessierte sich plötzlich für Frauentratsch. Bei rührseligen Filmen brach der 42-jährige schnell in Tränen aus. In diesem Zustand trafen ihn die Worte seiner Ehefrau Samantha besonders tief: "Die Hormone lassen dich langsam zur Frau werden", kommentierte sie das Verhalten ihres Angetrauten. Dieser schwelgte geradezu in Selbstmitleid. Gleichzeitig war er getrieben von der Angst, seiner Frau nicht mehr zu gefallen. "Ich komme mir einfach hässlich vor", jammert Mitchells, der an Bauch und Hüften beachtlich zugelegt hatte.

Der Selbstversuch endet in Depressionen

Tapfer ertrug Witchalls die hormonellen Achterbahnfahrten. Immerhin: Mit der Verhütung klappte es. Nach einem Dreivierteljahr jedoch stürzte der Autor in eine schwere Depression. Er zog sich völlig von seiner Umwelt zurück und redete kaum noch. Das hörte jedoch schlagartig auf, als ihm das Stäbchen aus dem Arm entfernt wurde.

Obwohl Mitchells heftig unter den wechselnden Hormonspiegeln gelitten und damit auch seine Beziehung stark belastet hat, zieht er am Schluss seines Buches ein positives Fazit: "Ich glaube, die Pille für den Mann ist eine großartige Idee, vor allem für monogame Männer in einer festen Beziehung. Ein Drittel aller Männer übernehmen Verantwortung bei der Verhütung, und diese Quote wäre vermutlich höher, wenn es mehr Alternativen gäbe." Eines jedoch steht für ihn fest: Kommt das von ihm getestete Medikament eines Tages auf den Markt, wird er die Finger davon lassen.

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