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Antibabypille: Die Pille wird 50

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Pille  

Die Pille feiert ihren Fünfzigsten

17.08.2010, 13:41 Uhr | dpa , t-online.de

Antibabypille: Die Pille wird 50. Seit 50 Jahren verhüten Frauen mit der Pille . (Foto: imago)

Seit 50 Jahren verhüten Frauen mit der Pille . (Foto: imago)

Vor 50 Jahren kam die erste Pille auf den Markt. Heute nehmen sie weltweit rund 100 Millionen Frauen zur Verhütung. Allerdings gibt es auch eine gegenläufige Tendenz: Denn in den USA und in Indien ist mittlerweile die Sterilisation das Verhütungsmittel der Wahl, um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Und in Afrika betreibt nur ein Viertel aller Frauen Familienplanung. Verhütung von A bis Z.

Erste Pille gab es nur für verheiratete Frauen

Ein Brei aus Datteln, Akazien und Honig diente Frauen im Alten Ägypten zur Schwangerschaftsverhütung. Casanova experimentierte mit einem ganzen Arsenal von Hausmitteln, darunter der Blase von Schafen als Kondom und ausgehöhlten Zitronenhälften die sich Frauen einsetzen sollten. Erst im 20. Jahrhundert entdeckten Forscher ein Hormon, das den Eisprung verhindert und somit Schwangerschaften vorbeugt. Die erste Antibabypille kam vor genau 50 Jahren auf den Markt. Bei
ihrem Verkaufsstart in den USA, am 18. August 1960, wurde Enovid zunächst nur an verheiratete Frauen ausgegeben.

Die Pille: Pionierin der modernen Verhütung

In Deutschland erfolgte die Zulassung im Jahr darauf. Derzeit umfasst das Angebot etwa 200 Präparate. Die Angst vor starken Nebenwirkungen hat sich als weitgehend unbegründet herausgestellt, wie eine umfangreiche Langzeitstudie, die 46 000 Frauen über einen Zeitraum von 40 Jahren beobachtete, belegt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Pillen der ersten Generation über Jahrzehnte hinweg betrachtet weder das Risiko für Krebs noch für Herz- und Kreislaufprobleme erhöht. "Die Pille war von Anfang an unkompliziert und höchstwirksam. Sie ist die Pionierin der modernen Verhütung", erklärt Nuriye Ortayli, die Ärztin und Expertin für reproduktive Gesundheit beim UN-Bevölkerungswerk UNFPA. Weltweit nehmen nach Schätzung des UNFPA etwa 100 Millionen Frauen täglich die winzige Tablette. Das sind knapp neun Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter, also gut eine Milliarde Frauen.

Zu Linderung von Menstruationsbeschwerden

Wie es nach Jahrtausenden komplizierter Verhütungsmethoden zum Durchbruch kam, beschreibt der Chemieprofessor Carl Djerassi sehr lebendig in seinem Buch "This Man's Pill". In Wien aufgewachsen, floh Djerassi vor den Nazis nach Amerika. Gerade 28-jährig gelang ihm die Synthese von Norethindron, einem Stoff mit den Eigenschaften des weiblichen Sexualhormons Progesteron. Der Weg war gebahnt und Djerassi hieß fortan der "Vater" der Pille. Zumindest war er einer
ihrer Väter. Denn zwei andere US-Forscher, Gregory Pincus und John Rock, setzten die Arbeit fort und testeten ihr Mittel seit 1956 klinisch in Puerto Rico. Im Jahr darauf durfte es zur Behandlung "weiblicher
Störungen" verschrieben werden. Noch bevor die erste Pille zur Verhütung auf den Markt kam, hatten tausende Amerikanerinnen sie schon in Gebrauch - offiziell gegen menstruelle Unregelmäßigkeiten.

Ein Drittel aller Frauen betreibt keine Familienplanung

Inzwischen hat die Pille an Popularität eingebüßt. In den USA und Indien ist die Durchtrennung der Eileiter (Tubenligatur) bereits die primäre Verhütungsmethode. Die männliche Sterilisierung (Vasektomie) ist laut Ortayli in Thailand, Neuseeland und Australien sehr populär, trägt insgesamt aber nur mit drei Prozent zur Verhütung bei. Pessare, Spiralen und weibliche Kondome sind mit 15 Prozent dabei. Allerdings betreiben überhaupt nur zwei Drittel der weiblichen Weltbevölkerung im entscheidenden Alter Familienplanung. Laut UNFPA werden jedes Jahr 190 Millionen Frauen schwanger. Fast 50 Millionen entscheiden sich für eine Abtreibung - oft unter sehr schlechten medizinischen Bedingungen. In Afrika verlässt sich die Mehrheit notgedrungen oder auch aus Überzeugung auf traditionelle Methoden. Derzeit hat nur jede vierte Afrikanerin Zugang zur Pille, einer Monatsspritze oder einem Kondom. Vielen Frauen fehle die Information oder das Geld zum Erwerb, andere fürchten, dass sie im Dorf als unfruchtbar und damit wertlos gelten könnten, wenn sie nicht wenigstens jedes zweite Jahr ein Kind zur Welt bringen, bedauert Ortayli.

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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