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Neues U2-Album  

Apples Musik-Geschenk nervt viele Nutzer

12.09.2014, 16:56 Uhr | dpa

Apples Musik-Geschenk nervt viele Nutzer. Tim Cook, Bono und U2 (Quelle: AP/dpa)

Mühsam inszeniert wirkte der Dialog, mit dem Tim Cook und Bono das umstrittene Geschenk ankündigten. (Quelle: AP/dpa)

Apple hat 500 Millionen iTunes-Kunden zur Vorstellung des iPhone 6 das neue Album der irischen Rockband U2 geschenkt – ob sie wollten oder nicht. Das Album "Songs of Innocence" wurde automatisch allen Nutzern in die Mediathek übertragen. In den in sozialen Netzwerken brach ein Sturm der Entrüstung aus.

So läuft das heute: Die Band U2 bringt völlig überraschend ein neues Album heraus – und keiner redet über die Musik, sondern über einen streitbaren Deal mit Apple. So wie "Songs of Innocence" erreichte bisher noch kein Album die Hörer. Apple schenkte es nicht einfach nur einer halben Milliarde seiner Kunden, sondern platzierte es automatisch ungefragt in ihren Mediatheken, egal ob sie U2 mögen oder nicht.

Spott auf Twitter & Co

Entsprechend finden sich Reaktionen und Häme beispielsweise auf Twitter, wo ein Nutzer sagt: "Wusste nicht, dass man als Apple-Kunde jetzt U2 hören MUSS." Eine andere Nutzerin spottet: "U2-Song lud sich von selbst auf iPhone meines Mannes. Jetzt fürchtet er, dass dadurch seine Musik schlecht wird." Andere sind verärgert und schimpfen: "Kann mir bitte jemand verraten, wie ich dieses verdammte U2-Album wieder los werde? " oder "Das neue U2-Album ist ein skandalöser Eingriff in das Leben einer halben Milliarde Menschen."

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Aufgezwungenes Geschenk erntet Kritik

Wahrscheinlich meinten es Apple und U2 nur gut. Bei vielen Kunden und Medien hinterließ die Zwangsbeglückung aber einen faden Beigeschmack. "Ein Geschenk, das an der Haustür liegt, ist eine Sache. Ein Geschenk, das man im Haus hinterlässt, nachdem man sich selbst Zutritt verschafft hat, etwas ganz anderes", fasste das amerikanische Technologieblog "Recode" die Stimmung zusammen.

Ein solcher Direktvertrieb wirkt auf den ersten Blick wie ein Traum für jeden Musiker: Man muss nicht mehr um die Hörer mit Anzeigen und Werbespots werben. Nein, sie wachen morgens einfach mit dem Album auf ihren Geräten auf. Doch die Rock-Veteranen von U2 müssen jetzt auch feststellen, dass sie ihr jüngstes Werk untrennbar mit der Aktion und Apple verknüpft haben. Abgesehen davon, dass die Musik in den Hintergrund gerückt ist, färben die negativen Reaktionen vielleicht auch auf die Wahrnehmung der Songs ab?

Unschuldige Lieder

"Songs of Innocence" (Unschuldige Lieder) klingt ein wenig so, als habe die Band sich nach über 30 Jahren im Geschäft viel Mühe gegeben, allen 500 Millionen Apple-Kunden zu gefallen. Für alte Fans gibt es die typischen Gitarren-Riffs, für jüngere Hörer wurden von angesagten Produzenten elektronische Klänge eingeflochten – und das alles in einem satten Hochglanz-Sound.

Schon der erste Song "The Miracle (of Joey Ramone)", ein Tribut an den 2001 verstorbenen Leadsänger der Ramones, ist unverkennbar U2. Die raue Gitarre von Edge, darüber schwebt die Stimme von Bono. Druckvoll, aber auch so, dass es für einen Apple-Werbespot taugt.

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Persönliches Album blickt in die Vergangenheit

"Wir wollten ein sehr persönliches Album machen", sagte Bono dem Musik-Magazin "Rolling Stone". Die Band habe zwei Jahre an den elf Songs gearbeitet und tief in die eigene Vergangenheit geblickt. So geht es in den Liedern um das Erwachsenwerden im von Konflikten zerrissenen Irland, einen Bombenanschlag in Dublin, und Bono setzt sich mit dem Tod seiner Mutter auseinander.

Aber auf die rohe Energie eines Songs wie "Sunday Bloody Sunday" oder mitten ins Herz schneidende Balladen wie "One" oder "With or Without You" wartet man in dem neuen Album wieder einmal vergebens.

Gratisaktion schlecht für die Musikbranche

Trotz der gewaltigen Zahl von 500 Millionen potenzieller Hörer wird "Songs of Innocence" zunächst kein Chartstürmer sein: Bis Mitte Oktober wird das Album nur an Apple-Kunden verschenkt und soll deshalb nicht berücksichtigt werden. Damit andere Anbieter danach noch das neue U2-Werk anbieten, bekommen sie vom Musikkonzern Universal Music eine ausgebaute Version mit mehreren Live-Songs.

Zugleich machen sich einige in der Musikbranche Sorgen, dass der Präzedenzfall den Wert von Musik in den Augen der Käufer schmälern könnte. "Ich bin mir nicht sicher, dass diese Gratis-Aktion gut für das Geschäft ist", sagte ein ranghoher Manager dem Fachblatt "Billboard".

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