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Uhrenbranche gibt sich betont cool auf Apple Watch

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"Die Uhr hat kein Sex-Appeal"  

Uhrenbranche bleibt bei Apple Watch cool

23.05.2017, 17:39 Uhr | dpa

Uhrenbranche gibt sich betont cool auf Apple Watch. Die neue Smartwatch von Apple. (Quelle: AP/dpa)

Die neue Smartwatch von Apple. (Quelle: AP/dpa)

Pfeifen im Walde oder souveräne Abfuhr? Die Uhren-Branche reagiert betont cool auf die jüngst vorgestellte Apple Watch.

Mit dem Smartphone-Zeitmesser stößt der Elektronik-Konzern auf unbekanntes Terrain vor. Die beiden Giganten LVMH und Swatch reagieren scheinbar gelassen. Uhren-Ikone Jean-Claude Biver, bekannt als der einstige Macher von Hublot, ätzt sogar: "Die Uhr hat kein Sex-Appeal".

Apple steht mit seiner ersten Datenuhr nicht nur vor der Herausforderung, einen Computer am Handgelenk sinnvoll im Alltag unterzubringen. Der erfolgsverwöhnte US-Konzern prescht damit auch ins Revier einer Branche vor, die auf Jahrhunderte an Erfahrung aufbauen kann - die Uhrmacher. Mit dem Top-Modell seiner Apple Watch in 18-Karat-Gold lässt der iPhone-Erfinder keine Zweifel daran, dass er auch den Markt für Luxus-Uhren im Visier hat. Die Platzhirsche dort zeigen sich bisher aber demonstrativ gelassen.

So begrüßte der Chef des Uhren-Riesen Swatch Group, Nicolas Hayek Jr., den neuen Rivalen mit bissiger Ironie. "Ich muss gratulieren", stichelte er am Tag nach der Apple-Präsentation, wie in einem Video beim Schweizer "Tagesanzeiger" zu sehen ist. 

Nun funktionierte Apple das gewohnte Rädchen an der Seite der Uhr eigentlich zu einem Navigations-Werkzeug für das Display seiner Uhr um. Hayek brachte aber dennoch, begleitet von Lachern der Anwesenden, den Rest seiner Pointe ins Ziel: "Ich sage: Wunderbar. Wir fühlen uns da überhaupt nicht benachteiligt."

Supermacht Swatch Group behält die Ruhe

Hayeks Swatch Group ist so etwas wie eine Supermacht im Uhren-Geschäft. Zum Konzern gehören weltbekannte Marken wie Omega mit seiner Moonwatch, Breguet, Longines, Tissot oder Glashütte Original. Ganz zu schweigen von den erschwinglichen Swatch-Uhren und der Flik Flak für Kinder.

"Wir leben nicht im Rhythmus von Cupertino", sagt Hayek mit dieser Marktmacht im Rücken. Vom Kurs des Schweizer Franken komme mehr Druck als von den Smartwatches der Computer-Industrie. "Die Apples, die Samsungs, die LG Electronics, die Sonys - die sind hypernervös." Das habe man gesehen. "Wir sind nicht nervös. Wir wissen, was wir tun."

Hayeks Tirade weckt Erinnerungen daran, wie sich Microsoft-Chef Steve Ballmer einst über das iPhone lustig machte. Das Apple-Handy gab dann die Richtung für die modernen Smartphones vor und trug dazu bei, dass Microsoft sich am Rand des Mobilfunk-Marktes wiederfand. Wiederholt sich die Geschichte? Oder wagt sich Apple in einen fremden Markt, der so sehr von eigenen Regeln bestimmt wird, dass ein Quereinsteiger dort nicht Fuß fassen kann?

Apple gibt sich bei seiner Uhr allerdings noch mehr Mühe als Samsung, LG oder Motorola, den Mini-Computer am Handgelenk zugleich zu einem Mode-Accessoire zu machen. Und der Konzern nistet sich häuslich in dem neuen Geschäft ein. In den vergangenen Monaten wurde ein Dream-Team von Experten zusammengestellt. Der Chef des Modehauses Yves Saint-Laurent, Paul Deneve, verschwand hinter den Kulissen im Rang eines Vizepräsidenten für Sonderprojekte. Aus dem Team von Biver warb Apple den Verkaufschef der Marke TAG Heuer ab. Und jüngst stieß auch der Stardesigner Marc Newson dazu, der in seiner Zeit bei der Firma Ikepod eine Menge Uhren entworfen hatte.

Im Uhren-Geschäft geht es um Mode, Stil, Prestige und Wertigkeit. Die Uhren sind zum Teil auf Generationen ausgelegt, während ein technisches Gerät nach wenigen Jahren veraltet ist. Zugleich ist die Struktur der Branche Apple gar nicht so fremd, wie man annehmen könnte.

So machte das Segment der Uhren zwischen 150 und 1000 Dollar, in das die Apple Watch mit ihrem Startpreis von 350 Dollar fallen dürfte, im vergangenen Jahr ein Fünftel des Marktes aus - lieferte aber ein Drittel der Erlöse. Zugleich entfielen mehr als drei Viertel vom Absatz auf Uhren für weniger als 150 Dollar - eine Klasse, die Apple eh nicht interessieren dürfte. 

Kein Ersatz für edle mechanische Uhren

Unser Fazit: Die Apple Watch wird in der Tat junge, technikbegeisterte Kunden interessieren, die sie als nette Ergänzung oder Ersatz zum iPhone sehen. Der Uhren-Branche, die seit Jahren auf der Retro-Welle schwimmt, erfolgreich den Quarz-Schock der 70er abgeschüttelt hat und immer feinere mechanische Kaliber präsentiert, wird der Elektronik-Zeitmesser aber nichts anhaben.

Ähnlich sieht das auch der neue Chef des Uhren-Herstellers Zenith, der ebenfalls zu LVMH gehört: "Die Apple Watch ist kein Ersatz für edle Zeitmesser. Die Kunden von Zenith suchen technische Performance, Handwerkskunst und Emotion," sagte Aldo Magada auf Anfrage von wanted.de. Verkaufsstart der Apple Watch in den USA soll übrigens Anfang kommenden Jahres sein.

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