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Apple Music startet mit iOS 8.4: Gelingt der Durchbruch?

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Musik mieten statt kaufen  

Sorgt Apple Music für den Durchbruch des Streaming?

30.06.2015, 14:58 Uhr | dpa

Apple Music startet mit iOS 8.4: Gelingt der Durchbruch?. Apple startet seinen Streaming-Service Apple Music am 30. Juni. (Quelle: dpa)

Apple startet seinen Streaming-Service Apple Music am 30. Juni. (Quelle: dpa)

Am Dienstag geht Apple Music durch ein Update auf iOS 8.4 zunächst für alle iPhone- und iPad-Nutzer auf Sendung. Viele Experten trauen Apple aufgrund seines gigantischen Kundenstamms zu, Wegbereiter einer "Streaming-Revolution" zu werden. Das, obwohl Apple erst sehr spät in einen Markt einsteigt, indem sich Konkurrenten – allen voran Spotify – schon einige Jahre erfolgreich engagieren. 

Im Musik-Geschäft bricht eine neue Ära an. "Die nächsten 18 Monate werden radikal verändern, wie die Menschen Musik hören", prognostiziert der Chef des Lautsprecher-Spezialisten Sonos, John MacFarlane.

Das Streaming, bei dem die Musik direkt aus dem Netz abgespielt wird, stehe vor dem Sprung in den Massenmarkt. Und Apple Music werde die Entwicklung entscheidend beschleunigen, ist der Manager überzeugt.

San Francisco 
Apple stellt neuen Musikdienst vor

Tim Cook präsentierte die Neuheit auf der Entwicklerkonferenz. Video

Musikverkäufe gehen zurück

Apple steigt an einem Wendepunkt für die Musik-Industrie ins Streaming-Geschäft ein. Der Verkauf von CDs und Downloads sinkt. Der Erfolg von Bezahl-Abos wird entscheiden, wie viel Geld die Branche in Zukunft erwirtschaftet. Streaming brachte im vergangenen Jahr bereits gut ein Zehntel der weltweiten Branchenerlöse von rund 15 Milliarden Dollar ein – und es ist weiter auf dem Vormarsch.

Zum Start seines Musik-Abos hat Apple einen entscheidenden Vorteil: Der Konzern kann einen Stamm von rund 800 Millionen Kunden vorweisen. Von diesen sind es viele bereits gewohnt, für Musik als Download-Kauf zu zahlen. Der neue Service soll nahtlos mit der bisherigen Musik-App verknüpft werden. 

Gelingt der Wechsel vom Käufer zum "Streamer"?

Apple beschränkt sich diesmal nicht auf seine iPhones, iPads und die eigene Produktwelt, sondern will im Laufe des Jahres auch mit einer Android-App bei der Konkurrenz auf Kundenfang gehen. Natürlich können auch die Besitzer von Mac-Desktops und PC über ein Update von iTunes den neuen Dienst nutzen.

Die entscheidende Frage aus Sicht der Musikindustrie ist nun, ob die heutigen CD- und Download-Käufer sich für kostenpflichtige Abo-Dienste oder Gratis-Musik bei YouTube und einigen Streaming-Angeboten entscheiden. Können die heutigen Verkaufsumsätze in das Zeitalter nach der Netz-Revolution hinübergerettet werden? Oder muss die Branche schmerzhafte Einbußen hinnehmen?

Kostenlos soll verschwinden

"Die großen Musikkonzerne sind der Meinung, dass kostenlose Streaming-Dienste verschwinden müssen. Die Frage ist, wie schnell und auf welche Weise das erreicht wird", sagt ein Branchen-Insider. Dabei hofften sie auch auf die Zugkraft von Apple.

Der Konzern hat bei Apple Music zwar ein werbefinanziertes Internet-Radio, aber keine Gratis-Variante wie der aktuelle Streaming-Marktführer Spotify. Wer nach den drei Monaten Probezeit weiter Musik streamen will, muss ein Abo abschließen und zahlen.

Spotify hat bisher nur 15 Prozent zahlende Kunden

Die Zahlen von Spotify machen zugleich deutlich: Die Mehrheit der Anwender ist bisher bereit, Unannehmlichkeiten durch einen eingeschränkten Funktionsumfang und Werbe-Einblendunden in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür nicht bezahlen müssen. Unter den zuletzt 75 Millionen Nutzern der schwedischen Firma waren nur 20 Millionen zahlende Abo-Kunden.

Zudem holen sich viele Millionen vor allem junge Nutzer die Musik bei Googles Videoplattform YouTube. Das ist heutigen Streaming-Anbietern schon lange ein Dorn im Auge. "YouTube wurde jahrelang von der Musikindustrie massiv gepusht – auch von Künstlern, die ihre Songs nicht für Streaming-Dienste freigegeben haben", kritisiert etwa Thorsten Schliesche, Europachef beim US-Dienst Rhapsody, zu dem auch die Marke "Napster" gehört.

Der Elefant im Musik-Porzellanladen

"Der Elefant im Raum ist de facto YouTube." Die Plattenfirmen und Apple sähen YouTube ebenfalls als großes Hindernis dafür, die Leute dazu zu bringen, für Musik zu bezahlen, ergänzt ein Branchen-Insider, der nicht öffentlich genannt werden will.

Rhapsody-Manager Schliesche zeigt sich überzeugt, dass auch große Apple-Konkurrenten wie Spotify und Napster zulegen werden, wenn der iPhone-Konzern die Aufmerksamkeit auf das Geschäftsmodell insgesamt gelenkt hat. Dagegen würden diejenigen, die schon heute Probleme hätten, noch größere Schwierigkeiten bekommen. "Man muss in dem Geschäft eine gewisse Größe haben, um die Kosten der Plattform auf möglichst viele Kunden umlegen zu können."

Musiker fürchten um ihre Existenz

Die Streaming-Dienste müssen zudem gegen die Existenzängste von Musikern ankämpfen, die befürchten, dass sie nicht mehr über die Runden kommen, wenn die Streaming-Einnahmen heutige Verkaufsumsätze ablösen. "Kurzfristig nimmt man pro Stream weniger als bei der CD ein", räumt der Deutschlandchef des französischen Dienstes Deezer, Michael Krause, ein.

"Langfristig ist es aber so, dass die Künstler jedes Mal vergütet werden, wenn der Song gespielt wird." Musiker müssten dabei viel aktiver als früher im Blickfeld der Fans bleiben. "Wer das akzeptiert, merkt, dass man damit viel mehr Geld verdienen kann."

Apple kassiert doppelt

Zugleich finden es die Streaming-Dienste problematisch, dass sie bei Erlösen auf der Apple-Plattform das Geld mit dem neuen Rivalen teilen müssen. "Apple verlangt von Abo-Käufen über die iPhone-Apps 30 Prozent Umsatzbeteiligung, Monat für Monat. Es ist aus unserer Sicht eine ganz klare Wettbewerbsbenachteiligung", sagt Schliesche. In der Branche werde immer lauter darüber gesprochen. Schließlich kassiert Apple vom Kunden den gleichen Preis.

Apples Verkaufsmodell für Apps und den App Store sichert dem Computer-Konzern auch die Erlösbeteiligung, wenn Anbieter einer App innerhalb ihrer App Dinge wie Abonnements verkaufen. Bucht der Nutzer der Spotify-App also innerhalb der App den zahlungspflichtigen Premiumdienst, verdient auch Apple daran.

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