30.09.2010, 09:07 Uhr | Andreas Lerg
Navipannne: Dieser 'Trampelpfad' bei Bergün entpuppte sich als Sackgasse. (Foto: Central European News)
Endstation alpiner Trampelpfad: Ein Schweizer Kleinbusfahrer folgte den Anweisungen seines Navigationssystems, bis er auf einem schmalen Pfad nahe einem Berggipfel in Bergün/Graubünden ebenso endgültig wie hoffnungslos feststeckte. Der Kleinbus musste schließlich mit einem Schwerlasthubschrauber ausgeflogen werden. Mehr in unserer Foto-Show.
Als Robert Ziegler per Handy seinen Notruf bei der Schweitzer Bergwacht absetze, staunten die Rettungsexperten vermutlich nicht schlecht. Ziegler hatte sich mit seinem Kleinbus an einer Stelle festgefahren, wo eigentlich nur Bergwanderer in stabilem Schuhwerk gipfelwärts streben. Der Fahrer war brav den Anweisungen seines Navigationssystems gefolgt, bis es irgendwann weder vorwärts noch rückwärts ging. Auch die Anweisung "Wenn möglich bitte wenden", wäre völlig sinnlos gewesen, denn der Wagen steckte auf einem unbefestigten Wanderpfad fest, und ein Hinterrad hing bereits über dem Abgrund.
Der Kleinbus war so hoffnungslos festgefahren, dass die Bergwacht den Wagen nur noch mit einem speziellen Schwerlasthelikopter bergen konnten. "Der Fahrer sagte, er habe nirgendwo Hinweisschilder gesehen, dass er auf einem Fußweg unterwegs ist", erklärte ein Sprecher der Rettungsmannschaft der britischen DailyMail. "Aber er muss ein ziemlich guter Fahrer sein, dass er auf einem besseren Ziegenpfad überhaupt so weit gekommen ist." Der 37-jährige Ziegler sagte gegenüber der Polizei aus, dass er sich verfahren hatte und hoffte, sein Navigationssystem würde ihn wieder auf die Hauptstraße zurück bringen.
Solche Navi-Pannen haben meist zwei Ursachen. Eine davon sitzt in Gestalt des Fahrers am Steuer. Verlässt dieser sich blind auf das Navigationssystem und dessen Fahranweisungen, ohne selbst auf die Strecke und Umgebung zu achten, dann passieren Dinge wie in Hamburg. Dort deutete eine Autofahrerin den Abbiegepfeil ihres Navigationssystems falsch und fuhr direkt auf die Schienen anstatt in die Straße neben dem Bahngleis. Die zweite Ursache sind die Navigationsgeräte selbst. Fehler in der Software und besonders im Kartenmaterial sind keine Seltenheit - kein Wunder, wenn man weiß, wie die Karten entstehen. Die Navihersteller kaufen ihre Karten bei Geodatendiensten ein. Diese lassen das gesamte Straßennetz von Messfahrzeugen abfahren, die die Wege exakt erfassen. Die Daten werden dann von den Vermessern mit verschiedenen Attributen versehen, etwa dem Straßentyp. Letztlich kommt hier also wieder der Mensch ins Spiel, und der macht nun mal Fehler. Navteq und Teleatlas, die beiden führenden Geodatendienste, setzen auf die Hilfe ihrer Kunden. Wer eindeutige Fehler in den Karten seines Navis entdeckt, sollte zunächst ermitteln, von welchem Geodatendienst das Material stammt und dann auf der entsprechenden Webseite den Fehler melden.
Quelle: Andreas Lerg
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