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"Android" - Google revolutioniert die Handy-Welt

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"Android" - Google revolutioniert die Handy-Welt

07.11.2007, 18:31 Uhr | www.spiegel.de




Eric Schmidt hatte Bahnbrechendes zu verkünden. Der Konzern hat 33 Mobilfunkhersteller und Netzbetreiber aus aller Welt als Partner gewonnen, sagte der Google-Chef - und bestätigte dann die Gerüchte, die seit Tagen die Netzgemeinde umtrieben: Der Konzern wird ein Handy-Betriebssystem veröffentlichen, das auf Geräten aller möglichen Hersteller laufen soll. Damit greift er Microsofts Konkurrenzprodukt Windows Mobile direkt an. Googles Mobilfunkbündnis heißt "Open Handset Alliance", die zugehörige neue Software Android. Der Konzern und seine 33 Partner versprechen die ersten Telefone mit der Technik für die zweite Jahreshälfte 2008. Die für die Entwicklung von Android-Applikationen notwendige Entwickler-Software wird allerdings schon im Laufe dieser Woche ausgeliefert. Google-Chef Eric Schmidt in einer Telefonkonferenz am Montagabend: "Um das klarzumachen, dies ist nicht die Ankündigung eines gPhone" - eines Rivalen zu Apples iPhone.


Handy-Archiv:

Fotoshow:




Keine Konkurrenz zum iPhone
Schmidt selbst täte sich auch schwer mit einer Konkurrenzstellung zu Apple: Auch dort sitzt er im Aufsichtsrat. Wohl auch darum sein Bekenntnis: "Ich bin ein glücklicher iPhone-Nutzer." Googles Ziel ist viel ambitionierter als das von Apple: "Es geht darum, auf Tausenden verschiedenen Handys präsent zu sein", sagt Schmidt. In der Tat revolutioniert Googles Superallianz die Handy-Welt: "Zu Android gehört ein sehr kräftiger Web-Browser, bei dem man keinen Unterschied mehr zwischen Web und Handy spürt. Alles, was auf einer Webseite läuft und gut aussieht, wird auch auf Android funktionieren." Das soll alle Web-Anwendungen einschließen: von Text über Kommunikation und Social Networking bis hin zu MP3 und Video. Schmidt: "Für Software-Entwickler hat das ganz erhebliche Implikationen." Und nicht nur für die: Für Research in Motion, die mit den Blackberrys die bisher beste mobile E-Mail-Applikation anbieten, dürfte Android eine Bedrohung sein. Für Netzbetreiber und Geräteentwickler hingegen erschließt sich eine neue Welt. Denn Android ist nicht nur eine offene Plattform, sondern tatsächlich Open Source. Schmidt: "Der Hauptunterschied zu anderen Handy-Betriebssystemen ist, dass sich jeder die Software nehmen und sie so verändern kann, wie er will." Prinzipiell bis hin zu einem eigenen, völlig geschlossenen System - so weit geht die Lizenz -, doch das hält Schmidt für "möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich". Denn warum sollte man den Vorteil einer großen offenen Plattform nicht für sich nutzen?


Action auf dem Handy:
Volle Musikpower:
Jetzt wird's bunt:



Web will Google-Ads-Erfolg aufs Handy kopieren
In der Tat hat Google schon einige Schwergewichte unter den Handy-Produzenten in seiner Allianz versammelt: HTC zum Beispiel, bekannt für seine funktionsreichen Smartphones wie den iPhone-Konkurrenten HTC Touch. HTC-Telefone laufen heute unter Microsofts Windows Mobile 6 Professional. Das dürfte sich - zumindest auf einigen Modellen - bald ändern. Zumal die Anforderungen nicht gerade hoch sind. Andy Rubin nannte als Bedingung für Android gerade einmal einen "200-Megahertz-Prozessor". Ansonsten sei alles ganz flexibel. Da das System "alle Formen von Bildschirmen" bediene, sei noch nicht einmal eine spezifische Gerätebauart nötig. Weitere Handy-Hersteller in der Google-Allianz sind LG, Motorola, Samsung und Qualcomm. HTC-Boss Peter Chou lobte in der Telefonkonferenz die Möglichkeiten der neuen Software, sprach davon, das "Geräteportfolio um eine neue Kategorie Mobiltelefone zu erweitern, die den Charakter der Mobilbranche verändern". Details zu exakten Funktionen der Software beschrieben die Sprecher allerdings nicht.




Allianz zwischen Herstellern und Providern
Dass auch Netzbetreiber wie NTT DoCoMo oder T-Mobile mit an Bord sind, erklärt sich allein schon aus der Tatsache, dass Android mehr ist als nur ein gewöhnliches Betriebssystem, sondern eines, dass den Nutzer ganz spezifisch zur Online-Nutzung animieren soll - darauf warten gerade die UMTS-Vermarkter seit Jahren. Und auch die Inhalteanbieter wittern neue Möglichkeiten, um endlich den noch siechen Werbemarkt aufzupäppeln. Android macht auch hier ein Angebot. Eric Schmidt: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir mit Anbietern Partnerschaften eingehen werden, bei denen wir uns die erwirtschafteten Werbeumsätze teilen werden" - wie seit Jahren äußerst erfolgreich im Web. Kein Wunder, dass auch reine Netzhändler wie eBay Teil der Allianz sind. Wie Paul Jacobs vom Handy-Bauer Qualcomm kommentierte: "Die Verschmelzung von Mobil und Internet treibt neue Partnerschaften an." Nicht dabei sind dagegen Microsoft und Apple. Der Frage, ob auch sie angesprochen wurden, wich Google-Mobile-Chef Andy Rubin aus: "Sehr viele wurden gefragt. Die Allianz ist eine offene Plattform. Sie wird offen bleiben für Unternehmen, die ihr beitreten wollen."

So wird das Handy zum Alleskönner:
Wenn Sound nicht reicht:
Zocken bis der Arzt kommt:


Die Branchengiganten sind mit von der Partie
Was Android nun genau dem Mobil-Nutzer bringen wird, wollte keiner der Firmenchefs verraten. Klar ist: Das Linux-basierte Android soll das mobile Internet leichter zugänglich machen. Eine enorme Marktmacht dürften der Allianz die angeschlossenen Netzbetreiber geben: Außer T-Mobile, dem US-Anbieter Sprint, Telecom Italia und dem japanischen Konzern NTT DoCoMo gehört auch China Mobile zur Google Allianz - der größte Mobilfunkanbieter der Welt mit knapp 350 Millionen Kunden. In der Telefonkonferenz erklärt China-Mobile-Vertreter Bill Wang, man werde die Allianz gegenüber Handy-Herstellern offensiv anpreisen: "Wir glauben fest daran, dass eine offene Plattform die beste Möglichkeit bietet, unseren Kunden ein optimales Mobilfunkerlebnis zu bieten." Auch Google-Mitbegründer Sergey Brin sieht da seine Mission. "Vor zehn Jahren", schwelgte Brin in Erinnerungen an andere Gründertage, "saß ich mit Studienkollegen zusammen, und wir entwickelten unglaubliche Dinge. Die Tools, die uns das möglich machten, waren alle Open Source." Sein Geschäftsführer Eric Schmidt beschloss die kollektive Fern-Feier der frisch geschmiedeten Allianz mit einem Aufruf, der in die gleiche Richtung ging: "Android ist in erster Linie eine Entwicklerplattform. Sie sollten nun beginnen, all die Dinge, über die sie immer nur nachgedacht haben, jetzt umzusetzen." Um 2008 dabeizusein, sagte Schmidt, "und den Erfolg zu teilen".



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