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Handy-TV: Was taugt das mobile Mini-Fernsehen wirklich?

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TV-Handys im Vergleich

03.07.2008, 17:13 Uhr | von Matthias Kremp, Spiegel Online

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Das Handy-TV hat hierzulande enorme Startschwierigkeiten. Was kann es eigentlich? (Foto: dpa)Das Handy-TV hat hierzulande enorme Startschwierigkeiten. Was kann es eigentlich? (Foto: dpa)Die Standardfrage ist ungeklärt, Endgeräte kaum verfügbar, Programmangebote mager. Handy-TV soll jetzt endlich durchstarten - versprechen die Vertreter der beiden konkurrierenden Systeme. Aber was taugt das mobile Mini-Fernsehen wirklich? Matthias Kremp hat's ausprobiert.

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Fotoshow: TV-Handys im Überblick
Handy-Ratgeber:

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Kein einheitlicher Standard

Eigentlich hätte es schon zur Fußball-WM 2006 starten sollen. Das hat nicht geklappt. Dann wurde es für die EM 2008 versprochen - und auch das hat nur leidlich funktioniert. Doch jetzt gibt es tatsächlich Angebote, mit denen man das Handy zum Unterwegs-Fernseher machen kann. Einen einheitlichen Standard aber gibt es noch nicht. Noch ringen das digitale Antennenfernsehen DVB-T (Digital Video Broadcasting - Terrestrial) und die Mobilfunk-TV-Technik DVB-H (Digital Video Broadcasting - Handhelds) um den Mobil-TV-Markt.

LG prescht beim DVB-T vor

Damit nicht genug, mangelt es an passenden TV-Handys. In Sachen DVB-T ist der südkoreanische Konzern LG Electronics mit dem HB620T vorgeprescht. DVB-H-Handys gibt es hierzulande dagegen noch gar nicht zu kaufen. Für diesen Systemvergleich musste sich deshalb Nokias N77, das beispielsweise in Italien vertrieben wird, dem koreanischen Konkurrenten stellen.

N77: ein TV-Handy flach wie ein Schokoriegel

Schon optisch sind die beiden Geräte Vertreter ganz unterschiedlicher Handy-Kategorien. Während das LG ein typisches Klapphandy ist, folgt Nokia mit dem N77 dem Chocolate-Bar-Prinzip, bei dem das Gerät flach wie ein Schokoriegel gebaut ist. Bis heute ist dies die Standard-Bauform für Mobiltelefone. Weiter fällt auf, dass das Nokia ohne eine von außen sichtbare Antenne auskommt.

Flexible Antenne

Beim LG hingegen muss zum Fernsehen eine kleine Antenne aus dem Gehäuse gezogen werden. Die allerdings hat es in sich. Ohnehin auf einem Drehgelenk gelagert, kann man sie sehr variabel auf eine optimale Empfangsposition einstellen. Vor allem aber ist sie erstaunlich flexibel. Befürchtungen, der dünne Draht würde arg leicht abbrechen, konnte das Metallteil locker beiseite wischen. Im Test ließ sich die Antennen fast wie Gummi hin- und her biegen, ohne dabei Schaden zu nehmen.

Die Standard-Frage?

Ein Problem teilen sich die beiden Geräte: Ihre Bildschirme sind zu klein, um darauf komfortabel fernzusehen - für das LG-Handy gilt das noch mehr als für das N77. Darunter leiden vor allem Sendungen, die im modernen 16:9-Format ausgestrahlt werden. Sie werden horizontal von denselben schwarzen Balken eingerahmt, die man von alten 4:3-TV-Geräten kennt. Was auf einem großen Fernseher bloß lästig ist, sorgt auf dem LG-Display dafür, dass das Bild noch weiter verkleinert wird. Nokia hat das etwas besser gelöst. Beim N77 wird das TV-Bild standardmäßig um 90 Grad gekippt, also über das Breitformat des Bildschirms angezeigt. Wer mag, kann das auch zurückstellen, sinnvoll erscheint das jedoch nicht.

Nokia setzt auf DVB-H

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Geräten ist jedoch die Empfangstechnologie. Nokia setzt hier auf DVB-H. Und das tun die Finnen aus gutem Grund. In Europa soll DVB-H zum Standard werden, so hat es die EU-Kommission beschlossen. Sogar in das EU-Verzeichnis der Normen und Spezifikationen wurde DVB-H schon eingetragen. In einigen europäischen Ländern ist DVB-H-Fernsehen tatsächlich schon auf Sendung. In den Niederlanden beispielsweise lassen sich immerhin schon zehn TV-Stationen darüber empfangen, in Italien ist DVB-H bereits seit 2006 aktiv.

Startschwierigkeiten bei DVB-H

In Deutschland allerdings hat der EU-Standard noch mit argen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Nachdem es hierzulande noch ein Nord-Süd-Gerangel darum gab, ob man Handy-TV denn nun per DVB-H oder über die konkurrierende DMB-Technik verbreiten solle, schaffte erst die EU-Richtlinie Klarheit. Genützt hat das freilich nichts. Als die Mobilfunkanbieter von der Bundesnetzagentur keinen Zuschlag für den Betrieb eines DVB-H-Netzes bekamen, erlosch deren Interesse an der Technik schlagartig. Statt Ihrer soll sich nun das Konsortium "Mobile 3.0" um den Sendebetrieb kümmern.

Betrieb in vier Großstädten

Viel zu sehen ist davon bisher nicht. Erst im Juni wurde der DVB-H-Betrieb testweise in vier deutschen Großstädten aufgenommen. Hamburg ist eine davon, was den Test ermöglichte: Mit dem Test-Handy waren ARD, ZDF, Deutschland 24 sowie drei Radiosender empfangbar. Den Privatprogrammen von Prosieben, Sat.1, Vox, N24, N-TV und RTL verschloss sich das Gerät dagegen - diese Sender werden verschlüsselt ausgestrahlt, sollen künftig also wohl nur gegen Gebühr empfangbar sein. Da unser Testgerät dafür nicht von Mobile 3.0 freigeschaltet war, blieb der Bildschirm bei diesen Sendern dunkel.

Mit mobilem EPG

Ganz anders sieht es dagegen beim LG-Handy aus. Da es sich aus dem mittlerweile fast deutschlandweit ausgestrahlten Angebot des digitalen Antennen-TV DVB-T bedient, fallen hier keine Extrakosten an. Zudem ist das Programmangebot, zumindest in den Ballungsräumen, deutlich üppiger. Im Vergleich zum DVB-H-Handy fiel allerdings auf, dass die Empfangsqualität deutlich stärker schwankt. Manchmal reicht schon eine Hauswand, um die TV-Übertragung zu unterbinden.

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Elektronische Programmzeitschrift an Bord

Gemein haben beide Handys, dass sie wie ein großer Fernseher auch über eine elektronische Programmzeitschrift, einen EPG, verfügen. So kann man sich einen Überblick über das gerade laufende und kommende TV-Programm machen. Beide Varianten sind als ausreichend zu bezeichnen, können aber nicht gerade Begeisterung auslösen.

Ton nur über Kopfhörer genießbar

Dasselbe gilt für den eigentlichen TV-Genuss am Handybildschirm. Wie beim Musikhören ist der Ton nur mit Kopfhörern erträglich. Damit kann man leben. Fernsehen auf 5 Zentimetern Bilddiagonale allerdings ist eine Herausforderung. Für kurze Filmchen, eine Nachrichtensendung oder ein Musikvideo ist das in Ordnung, ein mobiler Fernsehabend wird damit aber zur Tortur für die Augen.

Es gibt noch viel zu tun...

Den Versuch, während der EM Fußballspiele damit zu verfolgen, machten die Geräte auf unterschiedliche Weise zu unerfreulichen Unterfangen. So hielt das Nokia zwar gut durch und zeigte auch nach einen kompletten Match samt Verlängerung noch mehr als die halbe Akkuladung an. Dafür fing das Bild leicht, aber doch merklich an zu ruckeln. Am LG waren solche Erscheinungen nicht zu beobachten. Dafür hätte man als Hardcore-Outdoor-Mobil-TV-Fan so manches Entscheidungstor verpasst. Der Grund: Im Test schaltete sich das zuvor voll aufgeladene Gerät nach exakt einer Stunde und 56 Minuten wegen Strommangels ab.

DVB-H oder DVB-T?

Die Frage, ob man Handy-TV denn nun abschalten oder einschalten soll, klärt sich damit fast von selbst. Um DVB-H muss man sich derzeit keine Gedanken machen. Das Netz ist zu dünn, das Angebot zu mager, Zukunft und Preise ungewiss. DVB-T hingegen könnte als Handy-TV-Quelle durchaus eine gute Figur machen. Das Angebot ist gut, der Netzausbau wird weiter vorangetrieben und überdies sind alle Programme kostenlos empfangbar.

Handys noch ausbaufähig

Was jetzt noch fehlt, ist ein DVB-T-Handy, mit dem Fernsehen auch Spaß macht. Mit dem HB620T gibt LG zwar die Richtung vor, kann aber in der Umsetzung noch nicht wirklich überzeugen. Was ihm fehlt, sind vor allem ein großer Bildschirm und ein kräftiger Akku. Wenn die Handy-Entwickler das nachliefern, könnte Fernsehen am Handy vielleicht doch noch Spaß machen.

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