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"Hochgeschwindigkeitszüge ohne Schienen"

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"Hochgeschwindigkeitszüge ohne Schienen"

06.08.2008, 19:32 Uhr | Konrad Lischka/SPIEGEL ONLINE, Spiegel Online

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Foto: WikipediaFoto: Wikipedia Dieses Versagerimage wurde der vorab so gefeierte Newton nie los - zu dick, zu dumm und dafür ziemlich teuer. Dabei besserte Apple nach, ein gutes Jahr später erkannten die Newtons dank einer neuen Version des Betriebssystems viel zuverlässiger Handschrift, aber auch ausgeschriebene Druckbuchstaben. Viel zu spät machte die neue Software aus dem Newton dann doch noch einen beinahe brauchbaren Überall-Computer. Beinahe, weil die wichtigste Voraussetzung für echte Mobilität damals noch fehlte. Wie das US-Magazin "Home Office Computing" schon 1994 in einem PDA-Test analysierte: "Die Menschen müssten mit diesen Geräten überall Daten senden und empfangen können (Texte, Faxe, vielleicht auch Audio- und Videodateien), Datenbanken aufrufen und Online-Dienste nutzen können." Die Redakteure erträumten sich da all das, was man dank gut ausgebauter Mobilfunknetze heute mit jedem besseren Smartphone tun kann. Vor 15 Jahre allerdings musste "Home Office Computing" aber bilanzieren: "Leider ist das noch nicht möglich. PDAs sind Hochgeschwindigkeitszüge ohne Schienen."

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Apple war mit dem Newton zu früh dran

Teuer, klobig, klapprig - Apples erster Newton blieb erfolglos, angeblich sollen nur 80.000 der Geräte verkauft worden sein. Die Newtons wurden in den folgenden sechs Jahren zwar deutlich besser, die Verkaufszahlen aber offenbar nicht. Im Februar 1998 ließ der damals als Interim-Chef angetretene Steve Jobs die Produktion einstellen, angeblich wurden 30.000 nicht ausgelieferte Geräte auf einer Apple-Müllhalde entsorgt. Der Newton war einfach zu früh dran. Statt klobiger, teurer Überall-Rechner waren Mitte der Neunziger eher günstige, einfache Digitalnotizbücher gefragt. Das demonstrierte der Palm Pilot, der das PDA-Konzept in ein Massenprodukt verwandelte. Der Grund für den Erfolg: Palm-Erfinder Jeff Hawkins machte ein paar entscheidende Dinge anders als Apple. Hawkins hatte durch Flops mit Tablet-PCs gelernt, dass diese Unterwegscomputer schlicht zu groß und zu teuer waren. Sein Fazit: "Hemdentaschen-Größe".

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Apple gibt 1998 auf

Bei der Entwicklung des Palm Pilot entwarf Hawkins folglich erst das Gehäuse, legte die Größe und die Bedienelemente fest. Danach mussten die Ingenieure die Technik anpassen. Hawkins trug wochenlang ein aus Balsaholz geschnitztes Modell seines Wunsch-PDAs mit sich herum und tat in Konferenzen so, als würde er Termine und Notizen eintragen - so jedenfalls die von ihm immer wieder erzählte Legende. Außerdem verpasste Hawkins dem Palm eine simplere, aber dafür günstigere und zuverlässigere Eingabemethode, als Apples Newton sie hatte: Statt die Handschrift der Besitzer zu lernen, wie es der Newton zumindest theoretisch tat, verlangte der Palm Pilot den Nutzern ein paar Standardschreibweisen ab. Das funktionierte so gut, dass Hawkins Schrifterkennungsprogramm Graffiti als Zusatzprogramm für den Newton recht gefragt war. Als Apple 1998 die Newton-Produktion stoppte, urteilte DER SPIEGEL, jetzt mache Palm niemand "mehr den Rang des coolsten Elektronik-Accessoires streitig. Marktführer waren die PalmPilot-Modelle ohnehin schon."

Und ein paar Jahre später kam das iPhone.

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