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Beirut: Telefonnummer wird für 450.000 Dollar ersteigert

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Luxus in Nahost: Telefonnummer zum Porsche-Preis

10.10.2008, 18:04 Uhr | Spiegel Online

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Auktionshammer (Foto: dpa)Auktionshammer (Foto: dpa)Von Ulrike Putz, Beirut

Superreiche Araber haben ein neues Hobby: Sie sammeln einprägsame Telefonnummern. Bei einer Versteigerung in Beirut zahlte Mona G. 450.000 Dollar für ihre Traumkombination. In einer Region, wo sich viele alles leisten können, sind die Zahlen auf dem Display ein begehrtes Alleinstellungsmerkmal.

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"Die Sieben", sagt Mona G., "die Sieben ist mein Fetisch." Auch Nullen haben es ihr angetan, gibt Mona zu Protokoll - dann entlässt sie die Reporter mit einem hoheitsvollen "Merci". Sie hat jetzt Wichtigeres zu tun.

Es gilt, den Scheck über 450.000 Dollar auszuschreiben, die sie gerade für eine neue Telefonnummer ausgegeben hat. Libanesische Vorwahl und dann 70 70 70 70. "Sie wissen ja, unter welcher Nummer Sie mich in Zukunft erreichen können", scherzt sie noch, dann widmet sie sich ihrem Scheckbuch.

Ein schmuckloser Konferenzsaal im Mövenpick-Hotel, Männer in dunklen Anzügen, die meisten der wenigen Frauen in schwarzen Schleiern: Auf den ersten Blick wirkt die "Platinum-Auktion", zu welcher der libanesische Handynetz-Betreiber MTC-Touch an diesem Abend geladen hat, nicht sehr luxuriös.

Doch dann verklingen die letzten Takte der libanesischen Nationalhymne, und ein Nummern-Girl trägt ein Pappschild herein: 70 88 88 88 steht darauf zu lesen. "Anfangsgebot 60.000 Dollar", verkündet der Auktionator, viele Arme schnellen hoch.

Jetzt ist klar: Die hundert Menschen, die hier versammelt sind, dürften zusammengenommen die Kaufkraft eines prosperierenden Kleinstaates haben.

Es gibt viele Dinge, die auf den Wunschlisten superreicher Araber weit oben stehen: Sonderanfertigungen von Sportwagen, Jagdfalken mit Stammbaum, Edelsteine in Walnussgröße.

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"Was ist besser als eine Platin-Nummer? Viele Nummern!"

Teurer, größer, seltener: Die Luxus-Spirale dreht sich schnell, und gerade noch hochexklusive Errungenschaften machen keinen Spaß mehr, wenn tout Dubai damit aufwarten kann. Genau deshalb sind besondere Telefonnummern beim arabischen Geldadel der letzte Schrei. Jede Nummer kann es nur einmal geben. Wer einmal in eine Zahlenfolge investiert, ist deshalb ein Leben lang davor gefeit, übertrumpft zu werden.

Die Chance, ein Leben lang etwas Einzigartiges sein Eigen zu nennen: Mona hat sie schon lange genutzt. "Was ist besser als eine Platin-Nummer? Viele!", flötete sie vor Beginn der Veranstaltung.

Nummernsammeln sei ihr Hobby, 30 Sim-Karten habe sie schon, sagte die Blondine, deren Gesicht nach vermutlich Dutzenden Schönheitsoperationen zur Fratze erstarrt ist. Sechs davon seien immer aktiv - damit die Louis-Vuitton-Handtasche nicht so viel wiege, habe sie sich Telefone gekauft, in denen zwei Sim-Karten gleichzeitig empfangsbereit sind. "Auch wenn die Apparate nicht sehr elegant oder exklusiv sind. Dieses Modell könnten selbst Sie sich leisten."

Mona ist für die Versteigerung extra aus Abu Dhabi eingeflogen, ihre Konkurrenz ist aus Beirut oder aus Kuweit, Saudi Arabien und Dubai angereist. Alle haben sie 200 Dollar Eintritt gezahlt - genau zwei Drittel des libanesischen Mindestlohns, den der junge Mann verdient, der ihnen heute Abend die Häppchen reicht.

Dass die Golf-Araber sich für libanesische Nummern interessieren, liegt an ihrem Freizeitverhalten: Ein Gutteil der arabischen Oberschicht übersommert Jahr für Jahr im relativ kühlen Zedernstaat. Der Urlaubsbekanntschaft eine Visitenkarte mit Platin-Nummer zu überreichen, scheint das Ferienvergnügen deutlich zu steigern.

Warum sonst sollte der Herr mit den gegelten Haaren gerade 16.000 Dollar für die nicht sehr eindrückliche 70 60 66 06 hingelegt haben?

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"Eine Luxusveranstaltung, die Korruption bekämpft"

"Das muss noch ein bisschen flotter werden, in Khatar haben Liebhaber letztens noch Millionen für ihre Nummern gezahlt", tadelt der Auktionator von seinem Pult herunter.

Das Publikum schmunzelt, einer klatscht begeistert. Es ist der libanesische Minister für Telekommunikation: Mit den Einnahmen des heutigen Abends will er das marode Telefonnetz seines Landes modernisieren. "Das Geld ist sozusagen für einen guten Zweck", hatte er die Bieter vor Beginn der Auktion ermutigt.

30 Nummern mit Schnapszahl-Appeal werden heute Abend versteigert, die Sache zieht sich hin. Am Buffet vor der Tür versammeln sich diejenigen, die schon zugeschlagen haben.

"Warum ich eine solche Nummer will? Weil ich eine Menge Geld habe", sagt Toni mit breitem Grinsen. Er habe auch schon 30.000 Dollar für ein exklusives Nummernschild bezahlt. "Wir Araber lieben es zu protzen. Und wer es sich leisten kann, protzt mit", sagt der Mittvierziger, der sein vieles Geld mit Telekommunikation gemacht hat.

Früher, erzählt Toni, da waren im Libanon gute Nummern noch viel einfacher zu haben: "Wer den Minister oder einen hochrangigen Funktionär kannte, hat eine zugeschustert bekommen", erzählt Toni. Auch ein Umschlag mit 500 Dollar in bar zeigte früher Wirkung. Wohl deshalb tönte der Pressesprecher des Netzbetreibers vor der Auktion, dies sei "eine Luxusveranstaltung, die Korruption bekämpft".

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Handy-Ratgeber:
Handy-Aufladung:

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"Wer so viel Geld für eine Nummer ausgibt, hat sie nicht alle"

Nabil hat sieben, leicht zu merkende Nummern gekauft, für insgesamt 550.000 Dollar. Es ist nicht sein eigenes Geld, sein saudischer Auftraggeber hat per Telefon Anweisungen gegeben. "Ich hatte kein Limit", sagt Nabil, der wie alle hier seinen Nachnamen nicht gedruckt sehen möchte. Sein Klient habe die Nummern nicht zum Privatvergnügen gekauft. "Einprägsame Nummern sind gut fürs Geschäft", sagt er. Je einfacher die Nummer, die Firmen in TV-Spots und auf Plakatwänden angeben, desto höher die Rücklaufquote.

Die Auktion ist zu Ende, der libanesische Netzbetreiber nun um über drei Millionen Dollar reicher. Monas Nummer war die teuerste, die billigste ging für 15.000 Dollar weg.

Einer der Marketing-Strategen von MTC Touch kann sein Glück kaum fassen. "Das hat alle unsere Erwartungen übertroffen", sagt er. So guter Laune ist er, dass er zum ersten Mal an diesem Abend sagt, was er wirklich denkt. Ins Deutsche übersetzt in etwa: "Wer so viel Geld für eine Telefonnummer ausgibt, kann sie nicht mehr alle haben - aber schreiben sie bloß nicht meinen Namen."

Der Marketingmann lacht, herzhaft. "Wissen Sie, was das beste ist?", fragt er die Umstehenden. "Die meisten der Käufer heute Abend sind so prominent, sie telefonieren mit unterdrückten Rufnummern. Verstehen Sie? Niemand wird ihre Nummer sehen."

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