Startseite
Sie sind hier: Home > Digital > Smartphone & Tablet PC >

Japan will Handys aus Schulen verbannen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Japan will Handys aus Schulen verbannen

26.01.2009, 13:15 Uhr | Von Lars Nicolaysen, dpa, dpa

Ein japanisches Mädchen telefoniert mit ihrem Handy. (Foto: Reuters)Ein japanisches Mädchen telefoniert mit ihrem Handy. (Foto: Reuters) Zuerst erpressten sie ihr Opfer. Immer wieder schickten die vier Oberschüler ihrem 18-jährigen Schulkameraden SMS mit Forderungen, umgerechnet Hunderte von Euro herauszurücken. Dann stellten sie ein Nacktfoto ihres Mitschülers ins Internet, samt Namen und der mobilen E-Mail-Adresse des Opfers. Daraufhin bekam der Japaner noch mehr SMS auch von anderen Schülern, die sich über ihn lustig machten. Am Ende sah der 18-Jährige keinen Ausweg mehr und sprang vom Schuldach in den Tod. Der Fall, der vor gut einem Jahr in der Stadt Kobe für Entsetzen sorgte, ist nicht der einzige in Japan, bei dem Handys für Schikanen unter Schülern missbraucht wurden.

#

Handy-Sucht in Japan: Die Droge Mobiltelefon
Testen Sie sich selbst: Sind Sie Handy-süchtig?

#

#

Von Schikanen bis hin zum Selbstmord

Immer wieder sorgen in der Mobilfunkhochburg Japan Fälle für Schlagzeilen, bei denen Handys jugendlichen Tätern wie auch ihren Opfern als Kommunikationsplattform dienen. Die Spanne reicht von Schikanen gegen Schüler und auch Lehrer, Prostitution von Schulmädchen über einschlägige Kontaktseiten im Internet bis zu Anleitungen zum Selbstmord. Jetzt will der Staat handeln und kurzum Mobiltelefone aus den öffentlichen Schulen des Landes verbannen.

#

Aus Japan: Handy in Menschengestalt

#

Bis Ende Januar soll das Handy-Verbot verbreitet sein

Das Erziehungsministerium in Tokio beabsichtigt Medienberichten zufolge, bis Ende Januar die Schulbehörden im ganzen Land darüber zu unterrichten, dass Handys grundsätzlich aus Grundschulen und Mittelschulen zu verschwinden haben. Kritiker bezweifeln jedoch, dass sich die Probleme einfach durch eine staatliche Verfügung ausmerzen lassen. "Auch wenn ich sicher bin, dass ein Kind ein Handy dabei hat, kann ich es ihm doch nicht einfach mit Gewalt wegnehmen. Dann würde mir vorgeworfen, ich würde körperliche Strafen einsetzen", schildert eine Lehrerin aus Osaka in der Zeitung "Asahi Shimbun" das Dilemma.

#

#

Fast jeder Sechzehnjährige hat ein Handy

Nach einer Umfrage des Erziehungsausschusses der Präfektur Tokio unter 11 000 Kindern an öffentlichen Schulen besitzen 33,2 Prozent der Zehnjährigen ein eigenes Mobiltelefon. Bei den 15-Jährigen sind es bereits 73,3 Prozent und bei den 16-Jährigen 95,4 Prozent. Eine andere Studie der Präfektur Osaka ergab, dass unter den 13-Jährigen jeder Sechste mehr als drei Stunden am Tag das Handy benutzt. Unter den 16-Jährigen tut das jeder Dritte. Jeder Sechste unter den 16- Jährigen gab zudem an, täglich mehr als 50 SMS zu verschicken. Ein weiteres Ergebnis der Studie, wonach die Kinder zu Hause umso kürzer lernen, je länger sie sich mit dem Handy beschäftigen, kann da kaum noch verwundern.

#

Handy-Ratgeber:

#

Handys sind fest in der Gesellschaft verankert

In Japan, das laut Experten in der Mobilfunktechnologie Europa zwei bis drei Jahre voraus ist und wo "keitai" (Mobiltelefone) mit Internetzugang aus der Gesellschaft nicht wegzudenken sind, dienen Handys längst nicht mehr nur für Telefonate oder SMS. Mit Handys lassen sich Busse, Bahnen und selbst Taxis bezahlen, kostenlos Fernsehen schauen, Urlaubsreisen buchen, Manga-Comics und ganze Romane lesen. Zu den mobilen Angeboten gehören jedoch auch Pornos, Internetseiten, auf denen sich Selbstmörder zum Gruppensuizid verabreden und «deai-saito» - Seiten, über die Erwachsene oft an Sexkontakte mit Schülerinnen gelangen.

Gesetz wurde verschärft

Jeder zehnte Grundschüler ist nach einer Umfrage mit solchen Inhalten schon einmal in Berührung gekommen. Zwar wurde das Gesetz kürzlich verschärft und Internetbetreiber verpflichtet, Einträge von Kindern unter 18 Jahren zu löschen, die sich zur Prostitution anbieten, wie auch von Erwachsenen, die solche Kinder suchen. Wie effektiv das ist, ist noch nicht klar. Nach Angaben der nationalen Polizeibehörde wurden innerhalb eines Monats nach der Gesetzesänderung mehr als 1600 Internet-Kontaktseiten bei Sicherheitsbehörden gemeldet.

#

Handy-Aufladung:

#

In vielen Schulen sind Handys schon verboten

Als sich der junge Gouverneur von Osaka, Toru Hashimoto, unlängst dafür aussprach, Handys aus den Schulen zu verbannen, sorgte das für Aufsehen. Bislang ist es den Schulen selbst überlassen, wie sie mit dem Problem umgehen. Viele hatten schon zuvor Verbote ausgesprochen, doch ohne großen Erfolg. Japans Kommunikationsminister Kunio Hatoyama findet Hashimotos Vorschlag gut: "Menschen, die stark von e-mails auf Mobiltelefonen abhängig sind, würden ihre Konversationsfähigkeiten verlieren. Es gibt keinen Zweifel, dass Mobiltelefone einen Aspekt haben, der zum Verlust von Menschlichkeit führen könnte", sagte er.

Pläne für Handy-Verbot stark umstritten

Doch nicht jeder ist für ein Handy-Verbot an Schulen. Tokios Gouverneur Shintaro Ishihara findet der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, dass man das den Eltern überlassen sollte. Andere halten Mobiltelefone für nützlich, weil Schulen und Eltern damit ihre Kinder orten und so überprüfen könnten, ob sie sicher seien. Andere wie Professor Shigeki Ito von der Universität Komazawa bezweifeln ohnehin, dass ein Verbot an Schulen groß etwas bringt. Schließlich benutzten die Kinder ihre Handys nach dem Unterricht sowieso weiter.

#

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video



Anzeige
shopping-portal