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Telefonieren ohne zu Sprechen - so funktioniert es

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So funktioniert es: Telefonieren ohne zu Sprechen

16.07.2010, 09:54 Uhr | Lisa Frischer, t-online.de

Telefonieren ohne zu Sprechen - so funktioniert es. Telefonieren ist bald ohne Sprache möglich. Das Karlsruher Institut für Technologie revolutioniert die Kommunikationswelt. (Montage: t-online; Fotos: imago, Deutsche Messe Hannover)

Telefonieren ist bald ohne Sprache möglich. Das Karlsruher Institut für Technologie revolutioniert die Kommunikationswelt. (Montage: t-online; Fotos: imago, Deutsche Messe Hannover)

Paul und Laura sind ein Paar, sehen sich aber nur an Wochenenden, weil sie zu weit voneinander entfernt wohnen. Während der Woche via Handy oder Festnetz telefonieren? Das klappt leider nicht. Denn beide sind stumm. Da könnte sich bald etwas ändern. Professorin Tanja Schultz forscht seit Jahren an der "stillen, aber nicht stummen Kommunikation". Wie auch in unserem Video zur Spracherkennung zu sehen ist, übertragen Elektroden im Gesicht Sprechbewegungen an einen Computer. Dieser übersetzt die Signale und ermöglicht das Telefonieren ohne Sprache. Auf der CeBIT 2010 wurde das Verfahren bereits präsentiert und hat hohe Wellen geschlagen. Die Innovation wurde als eine der zehn besten Innovationen bewertet. Und die Handy-Hersteller klopfen auch schon an die Tür. Grund genug, sich mal mit der Forscherin zu unterhalten.

So funktioniert es genau

Bei jedem Laut, der aus unserem Mund kommt, bewegen sich zahlreiche Gesichtsmuskeln, weiß Tanja Schultz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Sie ziehen sich zusammen und entspannen sich wieder. Diese Muskelkontraktionen erzeugen elektrische Signale, die von Elektroden aufgefangen werden können. Den Probanden am KIT werden daher an einigen Stellen um den Mund, Wange und Kehlkopf Elektroden angebracht. Bewegt die Testperson nun den Mund, als würde sie sprechen, werden diese Signale von den Elektroden an einen Computer weitergeleitet. Dieser erkennt aus den Signalen die gesprochenen Wörter, stellt sie in Textform dar und liest sie dem Gesprächspartner vor. Koppelt man diese Spracherkennung mit Textübersetzung, ist es auch möglich fremde Sprachen zu übersetzen. So können Gesprächspartner unterschiedlicher Herkunft ihre Muttersprache sprechen und sich dennoch verstehen.

Ist das alltagstauglich?

Doch noch müssen den Testpersonen Elektroden in das Gesicht geklebt werden, um die Muskelsignale aufzufangen. Für die Realität gibt es jedoch schon andere Ansätze, die Elektroden im Gesicht ersetzen. "Wir möchten die Elektroden in das Telefon einzubauen, da wir denken, dass die Bereitschaft einen ganzen Tag Elektroden im Gesicht zu tragen, sehr gering ist", schätzt die Professorin. Auch die Idee, winzige Elektroden unter die Haut zu pflanzen, die Signale an ein Telefon weitergeben, hält die Professorin für möglich. Mit der Technologie des stummen Telefonierens könnte man viele Interessen abdecken. In erster Linie ist es eine Möglichkeit für stumme Menschen, zu sprechen. Doch auch in der Arbeitswelt kann das stumme Telefonieren Vorteile haben. Im Kino oder einer Konferenz stören keine unerwünschten Telefonate mehr, in Call-Centern entsteht keine laute Geräuschkulisse. Und: Geheime Informationen bleiben auch geheim.

Aller Anfang ist schwer

Wie kommt man auf so eine verrückte Idee wie "Lautloses Telefonieren", wollen wir von Professorin Schultz wissen: "Ich wollte schon immer mal wissen, wie man Muskelsignale mit Elektroden auffangen und nutzen kann". In ihrem Cognitive Systems Lab (CSL) des Karlsruher Instituts für Technologie steht vor allem die zwischenmenschliche Kommunikation im Mittelpunkt. Die Idee kam dann schließlich im Jahr 2004. Obwohl die Entwicklung anfangs schleppend verlief, gelang es den Forschern den Wortschatz des "Spracherkenners" von damals 100 auf heute mehrere tausend Wörter auszubauen und Fehler bei der Worterkennung erheblich zu reduzieren. "Anfangs lag unsere Fehlerquote noch bei 90 Prozent, heute liegt sie für gute Sprecher bei 10 Prozent", betont Schultz stolz.

Paul und Laura müssen noch warten

"Bis jetzt existiert noch kein Produkt, wir stecken noch in der Forschungsarbeit, aber Herstelleranfragen gibt es schon". Das spornt Schultz und ihr Forscherteam zusätzlich an. Und so müssen sich Paul und Laura, aus unserem erfundenen, aber doch realistischen Einstieg im Beitrag, noch in Geduld üben - aber nicht vergeblich.

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