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Nokia verschenkte den iPhone-Boom

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Nokia hatte eigenes "iPhone" in der Schublade

27.09.2010, 16:55 Uhr | t-online.de

Nokia verschenkte den iPhone-Boom . Marktführer in Schwierigkeiten: Nokia fehlen frische Ideen. (Foto: Nokia)

Ein großer Touchscreen und Internetanschluss - der Handy-Prototyp, den Nokia-Ingenieure 2004 ihrem Vorstand präsentierten, hatte vieles, was nur drei Jahre später dem iPhone zum Durchbruch verhalf. Das behaupten zumindest Nokia-Angestellte in der "New York Times". Lesen Sie, wie Nokias Führungsriege viele innovative Produktideen in der Vergangenheit kalt ließen – aber Konkurrenten zum Erfolg führte.

Der Handyhersteller habe sich immer weiter von den Wünschen der Verbraucher entfernt, so Juhani Risku. Der ehemalige Nokia-Ingenieur scheut nicht davor zurück, die firmeninterne Abnahme neuer Designs mit der trägen Bürokratie der ehemaligen Sowjetunion gleichzusetzen. Die Berichte werfen ein ganz neues Licht auf die Schwierigkeiten des Unternehmens Nokia, das in punkto Smartphones Marktanteile an die Konkurrenz verliert.

Nokia-Chefs lehnen Touchscreen-Handy ab

So berichtet der ehemalige Marketing-Manager Ari Hakkarainen, dass Nokia bereits 2004 Geschäftskunden einen internetfähigen Prototypen eines Touchscreen-Handys präsentiert habe. Drei Jahre vor dem ersten iPhone hätte ein solches Gerät einen unschätzbaren Vorsprung auf dem Handy-Markt bedeutet. Doch die Unternehmensleitung befürchtete, dass das Produkt ein kostspieliger Fehlschlag werden könne und stellte die Entwicklung ein.

Problemzone Betriebssystem

Zahlreiche Fehlentscheidungen gab es offenbar auch bei Symbian. Das Handy-Betriebssystem gilt unter Experten als eines der größten Hindernisse Nokias bei der Entwicklung konkurrenzfähiger Smartphones. Juhani Risku behauptet, sein Team hätte im Lauf der Jahre mehr als 500 Verbesserungsvorschläge für die Handy-Software eingereicht. Davon sei aber kein einziger angenommen worden. Bereits 2002 habe Risku eine dreidimensionale Benutzeroberfläche für Symbian vorgeschlagen. Der Plan wurde abgelehnt, da es pro Handy 2,05 US-Dollar an Mehrkosten verursacht hätte. Sieben Jahres später begeisterte LG Electronics Experten und Kunden mit einer vergleichbaren Idee auf dem KM 900 Arena.

"Jahrelang Zeit, um Symbian besser zu machen"

Kai Nyman, ehemaliger leitender Angestellter einer Abteilung, die die Benutzeroberfläche von Smartphones verbessern sollte, weiß ähnliches zu berichten: "Es war jahrelang Zeit, um Symbian besser zu machen", so Nyman, der 2009 nach 26 Jahren im Unternehmen in den vorzeitigen Ruhestand ging. "Wir hätten den gesamten Code mehrmals neu schreiben können. Wir hatten die Ressourcen und wir hatten die Leute. Aber wir taten es nicht".

Konzept für App-Store schon 2004

Eine Entscheidung dürfte Nokia im Nachhinein besonders schmerzen: 2004 entwickelte ein Team unter Ari Hakkarainen das Design für einen Online-Shop für Handy-Software. "Wir zeigten es innerhalb von Nokia herum und sagten, dass es das war, was wir brauchten", so Hakkarainen. "Wir versuchten, das mittlere und obere Management zu überzeugen. Aber wir schafften es nicht." Vier Jahre später stellte Apple seinen App-Store vor, 2009 verdiente der US-Konzern damit 200 Millionen Dollar pro Monat.

Vom Innovationsmotor zum Nachläufer

Die Behauptungen der ehemaligen Nokia-Mitarbeiter zeigen einmal mehr: Ohne Innovationswillen verliert man im kurzlebigen Mobilfunkmarkt schnell den Anschluss. Nokia selbst schweigt bislang zu diesen Aussagen. Eine Firmensprecherin spielte die Anschuldigungen herunter. Sollten die Berichte allerdings stimmen, würden sehr gut erklären, wie Nokia vom einstigen Innovationsmotor zum bloßen Nachläufer in der Handy-Branche werden konnte.

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