17.11.2012, 15:07 Uhr | dpa
Google testet bereits eine eigene Karten-App für iOS 6. (Quelle: dpa)
Google testet derzeit seine eigene Karten-App für iPhone und iPad. Bald schon sollte Nutzern von iOS 6 das Kartenmaterial des Suchmaschinen-Giganten wieder als App zur Verfügung stehen. Apple hatte die einst werkseitig vorinstallierten Google-Karten eilig durch eine eigene Karten-App auf seinem Smartphone ersetzt und musste dafür viel Prügel einstecken.
Nutzer von iPhone und iPad, die mit den neuen Apple-Karten auf ihren Geräten unzufrieden sind, könnten laut einem Zeitungsbericht bald wieder in die gewohnte Google-Welt zurückkehren. Der Internet-Konzern legt nach Informationen des "Wall Street Journal" derzeit letzte Hand an eine neue Karten-App an.
Eine Testversion sei bereits an Einzelne außerhalb des Unternehmens versandt worden, berichtete die Zeitung in der Nacht zum Freitag. Allerdings sei unklar, wann die Zulassung für Apples iTunes Store beantragt werde, hieß es unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person. Apples Prüfungsprozess könne einige Wochen dauern. Dem Bericht zufolge soll die neue App auch Navigationsanweisungen bieten, was die vorherige von Apple selbst entwickelte Version nicht konnte.
Apple hatte mit dem iPhone 5 im September auch das neue Betriebssystem iOS 6 veröffentlicht, das auf Googles Karten verzichtet und auf stattdessen einen eigenen Dienst zurückgreift. Bei ihm beanstanden die Anwender jedoch zahlreiche Fehler und fehlende Details. Rund die Hälfte der Apple-Kunden dürfte betroffen sein: Da auch zahlreiche Nutzer älterer iPhones und iPads schnell ihre Software erneuert haben, lief iOS 6 schon Mitte Oktober auf 200 Millionen Geräten. Dabei hätte Apple wissen müssen, dass die eigene App noch nicht reif war. Warnungen gab es genug.
Konzernchef Tim Cook entschuldigte sich bei öffentlich bei den Kunden, gelobte schnelle Besserung und empfahl, solange auf Dienste der Konkurrenz zurückzugreifen. Apple schickte sogar die Mitarbeiter in seinen Ladenfilialen auf Rettungsmission für die Karten-App in iOS 6. Die Google-Karten lassen sich zwar auch auf Geräten mit iOS 6 weiterhin über den Browser nutzen, aber das ist weitaus weniger bequem als mit einer App. Außerdem fehlen Funktionen wie der Straßen-Panoramadienst Google Streetview. Auch Nokia sprang in die Bresche und verbesserte jüngst das Karten-Angebot für die iOS-Plattform.
Weltweit standen Apple-Fans Schlange, um als Erste eines der neuen iPhones zu kaufen. Auch in Deutschland standen Tausende geduldig an. zum Video
Das Verschwinden der Google-Karten, die seit dem Start der ersten iPhone-Generation 2007 fest zum App-Inventar gehörten, war ein Zeichen der wachsenden Rivalität zwischen den einstigen Partnern. Der Internet-Konzern zählt als treibende Kraft hinter dem Betriebssystem Android zu Apples schärfsten Rivalen im mobilen Geschäft. Karten-Anwendungen sind eine Quelle für wertvolle ortsbezogene Daten und ermöglichen zugleich bei einer tiefen Integration ins Betriebssystem hilfreiche Funktionen für den Nutzer. Deswegen waren die Branchenbeobachter nicht überrascht als Apple einen eigenen Kartendienst einführte. Die Branche war allerdings erstaunt, dass die Karten-Premiere des auf Perfektion pochenden Konzerns so schwach ausgefallen war.
Das Karten-Debakel soll auch ein Auslöser für den schnellen Abschied des einflussreichen iOS-Chefs Scott Forstall gewesen sein. Seit Wochen bessert Apple seinen Dienst ohne großes Aufsehen schrittweise nach. Die Kartendienste wurden nach Forstalls Abgang dem iTunes-Chef Eddy Cue zugeschlagen, der als erfahrener "Feuerwehrmann" für Krisenfälle gilt.
Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt hatte zuletzt betont, dass Apple eine neue Karten-App des Internet-Konzerns erst zulassen müsse. Die Entschuldigung von Cook lässt Apple in diesem Fall aber wenig Spielraum. Zudem kam bereits eine andere mit iOS 6 verschwundene Google-App wieder zurück: Der direkte Zugang zur Videoplattform YouTube läuft jetzt über ein neues Programm. Die bisherigen Apps für die beiden Google-Dienste wurden von Apple mit Zugriff auf Daten des Internet-Konzerns entwickelt.
Quelle: dpa
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