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Smartphone-Trend "Selfie" wird Wort des Jahres 2013

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Adelung für Selbstdarsteller  

Smartphone-Trend liefert das Wort des Jahres 2013

19.12.2013, 15:35 Uhr | dpa

Smartphone-Trend "Selfie" wird Wort des Jahres 2013. Bundeskanzlerin Angela Merkel (Quelle: dpa)

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelt in die Smartphone-Kamera, wenn Fans ein Selfie mit ihr machen wollen. (Quelle: dpa)

Justin Bieber hat es gemacht. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Barack Obama haben es schon gemacht: das Selfie, ein Selbstportrait, dass meist mit dem Smartphone aufgenommen wird. In Großbritannien wurde Selfie nun vom Oxford English Dictionary zum englischen Wort des Jahres 2013 gekürt. Zeit, sich den Trend einmal anzuschauen.

Mit der Endung "ie" klingt es fast niedlich: das Selfie. Ein Selfie ist ein Selbstportrait, bei dem der Betrachter deutlich sieht, dass das Foto selbst gemacht ist. Es gibt Selfies von Einzelpersonen oder in Gruppen.

Irgendwer also hat immer den Arm mit dem Smartphone in der Hand ausgestreckt und drückt auf den Auslöser. Die Kamera über dem Display macht es besonders einfach. Aber Selfies lassen sich auch mit Tablets oder normalen Digitalkameras knipsen.

Woher kommt der Trend?

Zuerst aufgetaucht sind digitale Selbstbildnisse unter dem Namen Selfie bereits 2004 auf den Internet-Plattformen Flickr und MySpace, sagt die Direktorin des US-amerikanischen Forschungszentrums für Medienpsychologie (MPRC), Pamela Rutledge.

Heute sind Selfies in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram Alltag. Wer etwa bei Twitter den Suchbegriff "selfie" oder "me" eingibt, erhält jeden Tag unzählige Treffer samt Bildern.

Wer macht Selfies?

Neben Promis wie Justin Bieber, Lena Gercke, Katja Riemann, Fans von Stars wie Hugh Jackman oder Politikern wie Angela Merkel oder aber Politikern selbst drücken vor allem Teenager auf den Auslöser. "Je jünger, desto eher werden Selfies gemacht", sagt die Medienwissenschaftlerin Ulla Autenrieth von der Uni Basel.

Bei Jugendlichen seien sie besonders weit verbreitet. Selfies sind also nicht nur im Internet zu sehen, sondern auch auf Millionen Privat-Handys zu finden. Manchmal gehen die Bilder auch um die Welt: Bei einer Nasa-Expedition hat sich der japanische Astronaut Akihiko Hoshide vergangenes Jahr im All selbst fotografiert.

Welche Art von Selfies gibt es?

Es beginnt mit einem Schnappschuss beispielsweise aus der Umkleidekabine – oft ergänzt mit Fragen wie "Soll ich das Kleid kaufen oder nicht?" Oft machen Jugendliche Gruppenfotos von der Samstagabendparty um zu zeigen, dass sie Spaß haben. Oft sieht man auch Pärchen in der Abendsonne, die mit dem Bild sagen wollen: "Wir sind so verliebt – und alle sollen es sehen".

Bei Prominenten ist die Spanne ähnlich groß: Sänger Justin Bieber zeigt sich nachdenklich-cool aus der Froschperspektive im Muskelshirt. Schauspieler Elyas M'Barek twittert Selfies von Dreharbeiten. Und Barack Obama fotografierte sich jüngst bei der Trauerfeier von Nelson Mandela selbst – zusammen mit der dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und dem britischen Premierminister David Cameron.

Aber warum eigentlich fotografieren wir uns jetzt alle selbst?

Was technisch möglich ist, wird gemacht: Tatsächlich haben die meisten Smartphones heute eine integrierte Frontkamera über dem Display, bei der man sich selbst sieht und eben nach Lust und Laune fotografieren kann. Dabei haben die Fotografierten die Kontrolle: Sie können sehen, wie sie wirken und das Bild sofort löschen, wenn es ihnen nicht gefällt.

Außerdem kann man mit Selfies Nähe herstellen: Familien, Paare und Freunde können ihren Alltag oder Urlaubserlebnisse teilen. Promis und Politiker wiederum nutzen Selfies zur Image-Pflege und um mit ihren Fans oder Wählern auf Tuchfühlung zu gehen.

Sind Selfies nicht einfach eine Art der Selbstdarstellung?

"Man zielt immer auf Likes und Herzchen ab", sagt der österreichische Blogger und Autor Jakob Steinschaden (Buch & Blog "Phänomen Facebook"). Selfies mache man seiner Meinung nach schließlich nicht für sich selbst. US-Medienpsychologin Rutledge dagegen weist den Vorwurf des Narzissmus zurück. Die Jagd nach Anerkennung sei normal, jeder Mensch wolle wertgeschätzt und anerkannt werden.

Medienexpertin Autenrieth erklärt zudem, dass gerade bei Selfies von Jugendlichen auch Verunsicherung und Selbstfindung im Spiel seien. "Es geht darum: Wer bin ich und wie wirke ich auf andere?"

Sind Selfies nur ein Phänomen der Generation Internet?

Die Selbstdarstellung ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon bei den alten Ägyptern wollten sich die Menschen verewigen. US-Wissenschaftlerin Rutledge beschreibt, wie Maler wie Albrecht Dürer Selbstbildnisse schufen. "Selfies haben etwas Demokratisierendes", findet der Internet-Experte Steinschaden. Früher habe man Selbstbildnisse für viel Geld in Auftrag geben müssen, heute kann sich jeder selbst ablichten.

Was kommt als Nächstes?

Blogger Steinschaden glaubt, dass es künftig mehr Videos aus der Ich-Perspektive geben könnte. Schließlich erlaubt die Frontkamera eines Smartphones auch Videoaufnahmen. Medienexpertin Autenrieth sieht einen Trend hin zu mehr Clips: "Die Erweiterung vom Stand- zum Bewegtbild ist da."

Steinschaden glaubt, dass neue Technologien wie die Datebbrille Google Glass sich hier ebenfalls bemerkbar machen könnten.

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