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Gefälschte Smartphones: Was taugen sie in der Praxis?

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Fälschungen  

Was passiert, wenn man in der Kneipe ein Handy kauft

21.05.2015, 10:50 Uhr | Matthias Kremp, Spiegel Online

Gefälschte Smartphones: Was taugen sie in der Praxis?. Von außen ein Samsung Galaxy S5, im Innern eine billige Kopie. (Quelle: Spiegel Online)

Von außen ein Samsung Galaxy S5, im Innern eine billige Kopie. (Quelle: Spiegel Online)

Was für ein Schnäppchen: Nur 300 Euro wollte der Unbekannte für das neue Samsung-Handy, nicht mal die Hälfte des Listenpreises. Wir haben uns das Gerät einmal angesehen.

Ein nagelneues Samsung Galaxy S5 für weniger als die Hälfte des Listenpreises? Bei diesem Angebot wurde Peter (Name geändert) hellhörig.

Klar, das Geschäft wurde ihm in einer Kneipe angeboten – statt in einem Karton steckte das Gerät in Noppenfolie. Aber alles sah echt aus, sogar der Akku trug einen Samsung-Schriftzug, und auf dem Bildschirm klebte noch die Schutzfolie. Also griff er zu. Er kaufte gleich zwei der Geräte, eins für sich selbst und eins als Geschenk.

Ein Fehler, wie Peter zu Hause feststellte. Das Gerät sah zwar echt aus, war aber offenbar eine dreiste Kopie. Zwar funktionierte es grundsätzlich, doch Internetverbindungen lahmten, die Kamera machte schlechte Fotos, Apps ließen sich gar nicht installieren. Peter hat das Gerät nie wirklich benutzt. Als ich von dem Fehlkauf erfuhr, bat ich ihn, das Handy genauer untersuchen zu dürfen.

Auf den ersten Blick ist die Kopie tatsächlich nicht vom Original zu unterscheiden, hat sogar den charakteristischen metallischen Schimmer auf der Rückenabdeckung. Im Rückendeckel selbst finde ich jedoch den ersten Hinweis, dass hier etwas nicht stimmt: Wo beim Original eine Dichtung für Wasserdichtigkeit sorgt, sind hier zwar die entsprechenden Vertiefungen zu finden, die Gummilippen fehlen jedoch. Wasserdicht ist hier nichts.

Spar-Chip statt Highspeed

Beim Einschalten entlarvt sich die Kopie selbst: Statt eines Samsung-Logos begrüßt mich ein Mediatek-Schriftzug. Das ist ein Hinweis auf die 1,3 GHz schnelle Billig-CPU, die das Gerät antreibt und von mageren 228 MB Arbeitsspeicher flankiert wird. Ein echtes Galaxy S5 hat einen 2,5 GHz schnellen Vierkern-Chip von Qualcomm sowie 2 GB Arbeitsspeicher.

Das Leistungsmessprogramm Geekbench attestiert der Kopie dann auch nur rund ein Viertel der Leistung des Originals. Zwar sollte man die Angaben solcher Test-Apps nicht zu hoch einstufen, eine grobe Orientierung geben sie aber doch. Wie lahm das Handy wirklich ist, merke ich, als ich versuche, Apps zu installieren, Fotos zu machen und den Browser zu nutzen. Nicht mal der Homescreen läuft ruckelfrei.

Yun OS statt Android

In den Systemeinstellungen attestiert sich das Gerät selbst anfangs 16 GB Speicher, von denen 12 frei sein sollen. Apps lassen sich trotzdem erst installieren, nachdem ich eine Speicherkarte einsetze.

Als ich überprüfen will, wie viel Platz auf meiner 8-GB-Karte noch frei ist, stutze ich: Das System meldet mir statt 8 ganze 16 GB auf der Karte. Gleichzeitig warnt es, der interne Speicher werde knapp, von den eingebauten 16 GB seien mehr als 18 GB verbraucht. Offensichtlich hat das merkwürdige Smartphone Probleme damit, Speicherplatz zu berechnen.

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Vielleicht liegt das am Betriebssystem, das sich in den Einstellungen als Android 4.4.4 ausgibt. Tatsächlich aber scheint es sich um eine modifizierte Variante von Yun OS zu handeln. Diese Software auf Basis des Android Open Source Project wurde für den chinesischen Markt entwickelt. Google bezeichnete das System als inkompatibel mit Android.

Bitte immer schön senkrecht gucken

Inkompatibel mit meinen Augen ist das Display des Scheinschnäppchens. Statt der 1920 x 1080 Pixel des Samsung Galaxy S5 hat es nur 854 x 480. Die Kontraste sind schwach, die Farben blass. Am meisten nervt aber die Blickwinkelabhängigkeit: Sobald man seitlich aufs Display schaut, verändern sich Farben, wird Text unlesbar.

Ähnliches gilt für die Kamera, deren Bildqualität mich an die meiner Kodak DC20 von 1997 erinnert. Trotz einiger Versuche habe ich mit dem Samsung-Klon kein einziges brauchbares Foto hinbekommen. Unscharf, blass und verwaschen - das beschreibt die Schnappschüsse am besten (siehe Fotostrecke).

Teurer Türstopper

Alles in allem taugt der Samsung-Klon also bestenfalls als teurer Türstopper. Für den sonst denkbaren Einsatz als Notfall-Handy ist der offenbar gefälschte Akku zu unzuverlässig.

Um sich gegen solche Fehlkäufe zu schützen, empfiehlt Samsung "nur Ware in Originalverpackung von Samsung zu akzeptieren und Tütenlieferungen zu meiden". "Eine minderwertige Qualität der Verpackung" und "unscharfe Beschriftung" könnten Hinweise auf Fälschungen sein.

Kunden, die ein gefälschtes Produkt gekauft haben, rät der Konzern, Anzeige zu erstatten. Das Unternehmen verfolge "eine Null-Toleranz-Politik" und leite "die erforderlichen rechtlichen Schritte bei jedem Verstoß gegen die Samsung Markenrechte und bei jeder missbräuchlichen Verwendung des Markennamens und -logos" ein. Trotzdem tauchen immer wieder Fälschungen auf. Zuletzt deckte das Computermagazin "c't" einen Handel mit gefälschten Akkus auf.

Vorsicht vor Urlaubsschnäppchen

Der Zoll warnt zudem vor Schnäppchen, die man im Urlaub entdeckt oder angeboten bekommt. Zwar gilt grundsätzlich, dass man gefälschte oder nachgeahmte Produkte im Rahmen der Freigrenzen einführen darf, sofern diese für den persönlichen Gebrauch gedacht sind.

Der Zoll weist aber darauf hin, dass solche Fälschungen nicht nur dem Originalhersteller schaden, sondern auch gefährlich oder gesundheitsgefährdend sein können. Und selbst wenn sie das nicht sind, sind Enttäuschungen aufgrund schlechter Qualität oft nicht zu vermeiden.

Noch übler können die Folgen übrigens sein, wenn man vermeintliche Neuware für so wenig Geld erwirbt, dass es sich eigentlich nur um Hehlerware handeln kann. Schlimmstenfalls macht man sich damit nämlich strafbar.

Peter jedenfalls hat aus dem Reinfall seine Lehren gezogen: Mittlerweile besitzt er ein anderes Smartphone, erworben beim Fachhändler.

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