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Aldi-Tablet-PC im Test: Was taugt das Medion Lifetab P9516?

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Schnäppchen von der Resterampe

30.03.2012, 13:57 Uhr | Spiegel online, Spiegel Online

Aldi-Tablet-PC im Test: Was taugt das Medion Lifetab P9516?. Medion Lifetab P9516 (MD95100) (Quelle: Hersteller)

Medion Lifetab P9516 (MD95100) (Quelle: Hersteller)

Das hört sich gut an: 399 Euro kostet das Medion Lifetab P9516 bei Aldi. Dafür bekommt man einen Flachrechner der 10-Zoll-Klasse mit Dualcore-Prozessor, W-Lan, UMTS und 32 GB-Flash-Speicher. Aber was kann das Gerät wirklich? Der Test.

Dieser Preis lässt aufhorchen: 399 Euro kostet das Medion Lifetab P9516 beim Lebensmittel-Discounter Aldi, ausgestattet mit 32 GB Festspeicher, W-Lan und UMTS. Apples iPad mit vergleichbarer Ausstattung ist in der aktuellen Version 300 Euro teurer. Allerdings sind Hardware und Software des neuen Medion-Tablets nicht aktuell. Also vergleicht man es besser mit dem Vorgängermodell iPad 2, das Apple weiterhin im Angebot hat.

Ganz auf Augenhöhe sind die beiden Streichelcomputer freilich nicht, da Apple das iPad 2 nur noch mit 16 GB Speicher anbietet. In der W-Lan-Version kostet es genau so viel wie das Aldi-Tablet, inklusive UMTS-Modul muss man allerdings schon 519 Euro ausgeben. Bei Aldi bekommt man also für weniger Geld mehr Tablet.

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Und das in jeder Hinsicht: Das Medion-Gerät ist nicht nur schwerer als das iPad 2 (750 statt 613 Gramm), sondern auch deutlich dicker (13,3 statt 8,8 Millimeter). Und das merkt man. Es fühlt sich klobig und schwer an, zumindest wenn man ein iPad gewöhnt ist. Aber es bietet auch technisch einiges, was manche beim Apple-Tablet vermissen. So kann man den eingebauten Speicher per microSD-Karte erweitern oder Daten per USB-Host-Funktion "von einem USB-Stick übertragen und Eingabegeräte wie Tastatur und Maus anschließen", wie der Hersteller wirbt.

Stimmt auch, aber einen USB-Anschluss hat das Tablet trotzdem nicht. Stattdessen wird ein USB-Adapter für den sogenannten Multifunktionsanschluss mitgeliefert. Überhaupt steckt, genau wie einst bei den Aldi-PC, reichlich Zubehör im Karton. Neben Netzteil und USB-Adapter ist ein HDMI-Kabel zum Anschluss an den Fernseher dabei, außerdem USB-Kabel zum Anschließen an den PC, zwei Reinigungstücher, eine Display-Schutzfolie, ein billiges Headset, eine Kunstledertasche, reichlich Werbezettel sowie ein Starterpaket für den Prepaid-Mobilfunkdienst Aldi Talk. Wer das nutzt, kann sich über zehn Euro Startguthaben freuen.

Manchmal etwas träge

Weniger erfreulich ist es dagegen, die Abdeckungen der Steckplätze für Sim- und Speicherkarte zu öffnen. Um sie zu entriegeln, muss man mit einer mitgelieferte Klammer kräftig in kleine Löcher neben den Abdeckungen drücken. Leider ist diese Klammer aus so dünnem Metall geformt, dass man schon beim ersten Versuch fürchtet, sie abzubrechen. Sollte das passieren, wäre der Verlust allerdings verschmerzbar, denn eine gewöhnliche Büroklammer erledigt den Job genauso gut.

Ansonsten gibt es wenig auszusetzen an der Hardware des Lifetab P9516. Der mit 1 GHz getaktete Nvidia Dualcore-Prozessor Tegra 2 ist zwar nicht taufrisch, erledigt die meisten Aufgaben im vorinstallierten Android-Betriebssystem, Version 3.2.1, aber verzögerungsfrei. Nur im Web-Browser ist uns eine kleine Schwäche aufgefallen: Scrollt man sehr schnell, kann man zum Teil zusehen, wie die Seite aus Kachelelementen aufgebaut wird. Das geht aber so schnell, dass es kaum stört. Nervig ist dagegen, dass der Touchscreen manchmal träge reagiert, typische Gesten, wie etwa die Zweifingerbewegung zum Zoomen in Web-Seiten nur zögerlich umsetzt.

Ansonsten machte die Hardware im ersten Test keinen überlasteten Eindruck. Bleibt abzuwarten, ob sie weiterhin so gut funktioniert, wenn Medion das versprochene Update auf die aktuelle Android-Version 4.0 nachliefert. Irgendwann "in den nächsten Monaten" werde das soweit sein, verspricht das Unternehmen.

Außen Medion, innen Lenovo

Ebenso wenig weist Medion darauf hin, dass hier alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden soll. Denn das neue Lifetab ist offenbar eigentlich ein altes Ideapad. Wo draußen Medion draufsteht, steckt Lenovo drin. Bloggern war schon bei der ersten Ankündigung des Geräts aufgefallen, dass es offenbar baugleich zum Ideapad K1 des chinesischen Herstellers ist. Das allerdings hat Lenovo bereits vor einem Jahr auf den Markt gebracht. Viel Mühe, diese Gemeinsamkeit zu verstecken, gibt sich der Aldi-Zulieferer nicht, das Netzteil etwa weist sich unübersehbar als "Lenovo AC Adapter" aus.

Möglich ist das, weil der chinesische Lenovo-Konzern Medion im vergangenen Jahr übernommen hat. Es bleibt also alles in der Familie. Macht nichts, möchte man jetzt sagen, schließlich bekommt man jetzt einfach nur dieselbe Hardware mit einem anderen Typenschild.

Wie lange kann es mithalten?

Wären da nicht die Blogger von markensysteme.de, denen etwas Merkwürdiges aufgefallen ist. Am 15. März mutmaßten sie zum ersten Mal, Aldi werde das Lifetab P9516 demnächst als Schnäppchen anbieten. Nun dokumentierten sie eine seltsame Preiserhöhung des Originals. Am 21. März fanden sie das betagte Gerät noch zum Abverkaufspreis von 384,59 Euro im Amazon-Angebot. Mit doppelt so viel Speicher wie das Aldi-Modell. In der Farbvariante Braun war es gar für 365,41 Euro zu haben. Zwei Tage später stieg der Preis plötzlich auf 432 Euro, am 26. März auf 487 Euro. Über den Grund für diesen Preisanstieg kann man nur spekulieren.

Unabhängig von diesen Merkwürdigkeiten hat Medion mit dem Lifetab P9516 sicher ein attraktives Paket geschnürt, in dem viel drin und viel dran ist. Manchem dürfte sogar zu viel dran sein. Im Vergleich zu aktuellen Tablets wie Motorolas Xoom 2, Samsungs Galaxy Tab 10.1n und dem iPad wirkt es klobig und ein bisschen altbacken. Fraglich ist außerdem, wie lange der 1-GHz-Prozessor noch mit künftigen Software-Updates Schritt halten kann. Zudem stammt es eben von Lenovos Resterampe.

Wer das fette Zubehörpaket schätzt, mag trotzdem gern zugreifen. Wer das Tablet dagegen sowieso nur zu Hause im W-Lan benutzen will, sollte auch einen Blick auf das iPad 2 werfen, das zum gleichen Preis eine unübersehbar schickere Alternative ist.

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