18.12.2012, 12:46 Uhr | Melanie Ulrich
Immer mehr Deutsche lesen auch digitale Bücher. (Quelle: imago/Felix Jason)
Digitales Lesen kommt in Schwung: Mehr als acht Millionen Deutsche lesen Bücher in elektronischer Form, über zehn Millionen lesen Zeitungen oder Zeitschriften als E-Paper, ergab eine Forsa-Umfrage im Oktober 2012. Dementsprechend steigt auch die Zahl der verkauften Lesegeräte stetig an, etwa 800.000 E-Book-Reader sollen 2012 in Deutschland verkauft worden sein. Amazons Kindle ist der bekannteste unter ihnen, aber bei weitem nicht der Einzige. Wir stellen die neuesten Lesegeräte vor und zeigen, worauf es beim Kauf grundsätzlich ankommt.
Viele E-Book-Reader haben ein 6-Zoll-Display, also eine Bildschirmdiagonale von 15,3 Zentimetern, was etwa einer Taschenbuchseite entspricht. Der derzeit kleinste Reader ist der Pyrus mini von Trekstor mit einem 4,3-Zoll-Bildschirm – eine Größe, die man von Smartphones kennt, zum Lesen von Büchern ist sie kaum zu empfehlen.
Neben der Bildschirmgröße ist selbstverständlich die Auflösung entscheidend. Hier bieten derzeit der toline shine, der Kobo Glo, der Cybook Odyssey FrontLight HD und der Kindle Paperwhite von Amazon mit 1024 × 758 Pixeln die höchste Auflösung. Grundsätzlich reicht bei einem 6-Zoll-Display eine Auflösung von 800 × 600 Pixeln für ein scharfes Bild, da die Displays nur 16 Graustufen darstellen.
Mit einem Gewicht zwischen 150 und 220 Gramm sind E-Book-Reader so leicht wie ein Taschenbuch. Ältere Modelle bringen allerdings bis zu 400 Gramm auf die Waage. Da sich das höhere Gewicht bei längerem Lesen bemerkbar macht, sollten Sie beim Kauf auf diese Angabe achten. Bei der Speichergröße gibt es kaum Unterschiede, 2 GB sind Standard und bieten Platz für etwa 1100 E-Books. Viele Modelle lassen sich zusätzlich über MicroSD-Karten um bis zu 32 GB erweitern.
Überwiegend nutzen E-Book-Reader so genannte elektronische Tinte des Herstellers E-Ink. Diese Technik kommt ohne zusätzliche Hintergrundbeleuchtung aus und ist in der Darstellung vergleichbar mit einem gedruckten Buch. Sie hat gegenüber gewöhnlichen Tablet-PC-Bildschirmen den Vorteil, dass sie auch bei Sonnenlicht gut lesbar ist. Bei schwachem Licht ist jedoch eine Leselampe notwendig.
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Vorsicht ist bei günstigen E-Book-Readern geboten: Einsteigermodelle wie der Kobo mini oder der PocketBook Basic New nutzen noch die ältere Displaytechnologie E-Ink Vizplex, die deutlich kontrastärmer ist. Trekstor setzt bei seinen Modellen teilweise auf "Digital Ink", ohne genauer zu erklären, welche Displays verbaut werden.
Mittlerweile gibt es E-Book-Reader mit eingebauter Hintergrundbeleuchtung, beispielsweise der tolino shine, Amazons Paperwhite, den Kobo Glo oder den Cybook Odyssey HD FrontLight von Bookeen. Die Beleuchtung lässt sich individuell den jeweiligen Lichtverhältnissen anpassen, so dass es sich sowohl bei strahlendem Sonnenschein, als auch im Dunkeln ohne Lampe gut lesen lässt.
Der Pyrus WiFi von Trekstor und der Kindle Keyboard von Amazon können zudem MP3-Dateien abspielen. Somit sind die Geräte auch für Hörspiel- und Musikfreunde interessant. Der Kindle Keyboard bietet zusätzlich eine Text-to-Speech-Funktion, die elektronische Bücher oder Dokumente vorlesen kann, allerdings nur bei englischsprachigen Texten.
Da nur zum Umblättern Strom benötigt wird, ist in der Regel eine Lesezeit von mindestens vier Wochen ohne Aufladen möglich, gemessen bei ausgeschaltetem WLAN und ohne Hintergrundbeleuchtung. In Seiten ausgedrückt sind das mindestens 25.000 Seiten, bei manchen Modellen sogar über 45.000.
Möglich macht das der Energiesparmechanismus der E-Book-Reader, der immer nur die Teile der Seite aktualisiert, die sich verändert haben. Das kann dazu führen, dass nach dem Umblättern einer Seite noch blasse Reste der vorherigen Seite zu sehen sind.
Diesen Effekt nennt man "Ghosting", er lässt sich bei E-Ink-Displays nicht ganz ausschließen. Je nach E-Book-Reader lässt sich über die Refresh-Funktion festlegen, wie oft eine Seite neu aufgebaut wird: bei jedem Seitenwechsel, bei jedem zweiten, dritten oder sechsten. Je öfter der Reader die Seite neu aufbauen muss, desto mehr Energie verbraucht er.
E-Books kommen entweder per WLAN oder USB-Verbindung mit dem PC auf den Reader, wahlweise aus einem Büchershop oder von einer anderen Internetseite. Günstige Modelle wie der Pocketbook Basic New oder der Pyrus mini von Trekstor verzichten auf eine WLAN-Funktion. Amazon hingegen bietet sogar Kindle-Modelle mit Mobilfunkanbindung an, so dass man auch unterwegs neue Bücher herunterladen kann. Die Kosten für die Verbindung übernimmt Amazon, allerdings sind die Geräte teurer als die Modelle ohne 3G-Anbindung.
Beim tolino shine haben Käufer neben der heimischen WLAN-Anbindung auch kostenlosen Zugang zu allen 11.000 Telekom Hotspots in Deutschland. Das Gerät erkennt dabei, ob sich ein Hotspot in der Nähe befindet und verbindet sich automatisch ganz ohne Anmeldung.
Die meisten Anbieter von E-Books setzen auf das offene Format ePUB oder auf PDF. Eine Ausnahme bildet Amazon mit dem hauseigenen AZW-Format. Damit will das Unternehmen seine Kunden an sich binden – andere E-Book-Reader können das Format nicht darstellen. Neben AZW akzeptiert der Kindle die Formate PDF, TXT, HTML und MOBI.
Zusätzlich kann man sich mit der kostenlosen Software "Calibre" behelfen. Dieses Tool wandelt eine Vielzahl von Dokumententypen problemlos in E-Books um und überträgt sie an alle gängigen E-Book-Reader, Smartphones und Tablet-PC. So lassen sich auch ursprünglich nicht kompatible Bücher auf einem E-Book-Reader lesen.
Gekaufte E-Books sind meist mit einem digitalem Wasserzeichen oder digitalem Rechtemanagement (DRM) geschützt, um unerlaubtes Kopieren zu verhindern. Sie lassen sich in der Regel auf bis zu sechs per Käufer-ID freigeschalteten Geräten lesen. In Büchershops und im Internet findet man aber eine Menge Bücher, darunter viele Klassiker, bei denen die Schutzzeit abgelaufen ist und die man deshalb legal und kostenlos herunterladen kann. Auf vielen E-Book-Readern sind bereits einige solcher Bücher vorinstalliert.
Immer öfter nehmen Discounter E-Book-Reader in ihr Aktionssortiment auf. Allerdings handelt es sich dabei teilweise um veraltete Modelle wie den Jay-tech EB12, den Netto oder Lidl anbieten. Das 60 bis 70 Euro teure Gerät hat ein 7-Zoll-LC-Display, weshalb es – anders als E-Ink-Displays – auch Videos anzeigen kann. Allerdings trüben das spiegelnde Display und die niedrige Auflösung von nur 800 × 480 Pixel das Lesevergnügen deutlich. Mit 420 Gramm ist der E-Book-Reader auch deutlich schwerer als die Konkurrenz. Zu dem Preis bekommt man bei großen Buchhandelsketten oft mehr fürs Geld, da diese mit subventionierten E-Book-Readern um Kunden werben.
Quelle: Melanie Ulrich
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