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Ab wann Schimmel im Haus schädlich ist – Experten-Interview

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Wann Schimmel im Haus schädlich ist

21.12.2015, 09:49 Uhr | Simone A. Mayer, dpa-tmn

Ab wann Schimmel im Haus schädlich ist – Experten-Interview. Schimmel ist zwar nicht giftig. Doch ein starker Schimmelbefall ist gesundheitsschädlich. (Quelle: dpa/Andrea Warnecke)

Schimmel ist zwar nicht giftig. Doch ein starker Schimmelbefall ist gesundheitsschädlich. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa)

Jetzt machen sie sich wieder breit: Im Winter gedeihen Schimmelpilze besonders gut an Fenstersimsen und Zimmerecken. Udo Schumacher-Ritz, Bausachverständiger und Vorsitzender des "Vereins zur Qualitäts-Controlle am Bau" (VQC), erklärt im Interview, warum sich Schimmel gerade jetzt im Haus breit macht, wie man ihn selbst bekämpfen kann und ab wann Schimmel im Haus gesundheitsschädlich wird.

Frage: Warum tritt Schimmel im Winter verstärkt auf?

Schumacher-Ritz: Die Sporen von Schimmelpilzen befinden sich immer überall in der Luft. Auch Nährstoffe für ihr Wachstum sind immer vorhanden, etwa in Holz und Farbe. Im Winter ist aber mehr Feuchtigkeit im Haus. Die Sporen brauchen zwar selbst keinen Tropfen Wasser, es reicht aber eine hohe Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent und mehr zum Wachsen.

Die schwarzen Flecken bilden sich oft in Zimmerecken oder am Fenstersims. Warum ausgerechnet dort?

Weil hier eine konstruktiv bedingte Wärmebrücke oder ein Leck vorliegt, wodurch die warme Luft aus dem Haus entweichen kann. 

Zum Beispiel das Leck: Bei 22 Grad Raumtemperatur kann die Luft zwölf Gramm Wasser tragen, aber draußen bei vier Grad nur sechs Gramm. Entweicht die Luft vom Warmen ins Kalte, fällt an dem Fenster oder an der Wand die Differenz an, also sechs Gramm Kondenswasser pro Kubikmeter. Bei ungünstigen Bedingungen können pro Tag 50 Kubikmeter warme Luft durch ein Leck entweichen, es bilden sich folglich 300 Gramm Kondenswasser an dieser Stelle.

Schimmel-Experte Udo Schumacher-Ritz, Bausachverständiger und VQC-Präsident. (Quelle: VQC)Udo Schumacher-Ritz, VQC-Präsident. (Quelle: VQC)Was sind die Ursachen von Wärmebrücken?

Zum einen stoßen in der Zimmerecke mehrere Bauteile zusammen – die Decke und die Wand. Zum anderen ist Fläche der warmen Innenkante kleiner als die kältere äußere Fläche der Ecke. Wir nennen das in der Fachsprache geometrische Wärmebrücke. Hier fließt Wärme schneller ab als an anderen Stellen im Zimmer.

Man kann einen Wärmefluss an so einer Stelle mit Wasser vergleichen, das erst durch den Gartenschlauch läuft und plötzlich durch ein größeres Rohr abfließen kann. Zusätzlich können in einer Ecke noch unterschiedliche Materialien zusammentreffen – Betondecke und Mauerwerk mit und ohne Wärmedämmung. Der Wärmefluss sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes, eben durch die Betondecke nach außen.

Außerdem kann es an so einer Ecke zusätzlich noch Lecks geben, die zum Beispiel verdeckt durch die Tapete sind. Erst seit den 80er-Jahren achtet man darauf, solche Luftundichtheiten auch zu schließen.

Ist Schimmel für Menschen gefährlich?

Grundsätzlich ist Schimmel nicht giftig. Das ist wie bei Schlangen: Es gibt viele, aber nur wenige sind giftig. Aber die Menge an Schimmel kann Reaktionen verursachen. In einem Schimmelleitfaden, der fachlich anerkannt ist, ist die Rede von drei Kategorien: eins ist unbedenklich, zwei ist ein Risiko für Allergiker und Menschen mit geschwächtem Immunsystem und drei eine Gesundheitsgefahr. Letzteres gilt ab einem halben Quadratmeter Befall.

Wann kann man den Schimmel noch selbst bekämpfen, und wann muss der Profi ran?

Ich würde dem Verbraucher als Grenze 20 Quadratzentimeter nennen. Bis zu dieser Größe kann er selbst den Fleck mit einem Schimmelpilzmittel oder Industriealkohol entfernen. Er sollte mit den Mitteln auch in einem Radius von einem halben Meter um den Fleck herum arbeiten. Auf keinen Fall sollte man Essig verwenden, dieser stellt einen Nährstoff für die Sporen dar.

Muss ich die Tapete oder den Putz erneuern?

In 95 Prozent der Fälle zerstört der Schimmel kein Bauteil. Er lässt sich einfach von Tapete oder Farbe abwischen.

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