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Fassaden mit selbst reinigenden Farben streichen

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Neue Hight-Tech-Farben  

Diese Fassaden reinigen sich selbst

10.10.2016, 14:30 Uhr | dpa-tmn, zuhause.de

Fassaden mit selbst reinigenden Farben streichen. High-Tech-Farben fürs Haus reinigen sich selbst. (Quelle: dpa/chromorange/Alexander Bernhard)

High-Tech-Farben fürs Haus reinigen sich selbst. (Quelle: chromorange/Alexander Bernhard/dpa)

Kaum frisch gestrichen, verschmutzt die Hausfassade auch gleich wieder. Besonders weiße Anstriche verlieren schnell ihren Glanz. Neue Farben sollen sich von selbst reinigen. Was davon zu halten ist.

"Farben mit Zusatznutzen werden auch gern als High-Tech-Farben bezeichnet", sagt Michael Bross vom Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie. Sie sorgen aber nicht nur dafür, dass sich Schmutz nicht so leicht an den Wänden festsetzt, sondern auch, dass die Oberfläche bei Sonneneinstrahlung nicht so schnell ausbleicht und sich Bakterien, Pilze, Moose und Algen nicht festsetzen können. "Solche Farben können für private Hausbesitzer interessant sein, weil sie eine lange Lebensdauer und leichte Pflege der Fassaden ermöglichen", erklärt Bross.

Der Lotuseffekt hat einen großen Nachteil

Die Industrie versucht, die Farben weiter zu verbessern. Ein Schwerpunkt ist die Reinigung und das Sauberhalten der Hausfassaden. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Recht bekannt sind selbstreinigende Farben mit dem sogenannten Lotuseffekt, die bereits um die Jahrtausendwende auf den Markt kamen. Sie versprechen, dass das Wasser nach dem Regen abperlt und sich die Oberfläche so selbst sauber hält - wie bei der Lotuspflanze.

Ihre Blüten besitzen eine spezielle Oberflächenstruktur, auf der sich Wasser und Schmutz nicht festsetzen können. Dieses Prinzip machen sich die Farbenhersteller zunutze. "Auf der Außenfläche des Hauses wird die Oberflächenspannung mit Hilfe hydrophober Chemikalien erhöht, so dass das Wasser einfach abrollt", erklärt Bross.

Was in der Natur und in der Theorie funktioniert, ist in der Praxis allerdings nicht perfekt. "Das Ergebnis bei Farben mit Lotuseffekt lässt häufig zu wünschen übrig", sagt Uwe Münzenberg, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen in Jesteburg (Niedersachsen). "Weil der Regen in der Regel nicht gleichmäßig auf eine Fassade fällt, perlt das Wasser auch ungleichmäßig von den Außenwänden der Häuser ab."

Und während die Lotusblüte ihre empfindliche Oberfläche immer wieder erneuert, wenn diese angegriffen oder gar zerstört wird, findet das natürlich an der Fassade nicht statt. Daher kann eine mit entsprechenden Farben gestrichene Fassade schon nach relativ kurzer Zeit verschmutzen. "Zurück bleiben helle und schmutzige Stellen an der Außenwand, die nicht gerade schön aussehen", sagt Münzenberg.

Neue Fassadenfarbe mit dem Käfer-Effekt

Ein neuer Versuch, die Natur zu kopieren, macht aktuell auf Branchenmessen von sich reden. Es geht um eine äußerst wasserabweisende Farbe, die auf der Physiologie des Nebeltrinker-Käfers basiert. Das Tier lebt in der trockenen Namibwüste an der Westküste Afrikas, er sammelt auf seinem Rückenpanzer den Morgentau. Dann geht er in den Kopfstand, damit ihm das Wasser direkt ins Maul läuft. Wissenschaflter haben die mikrostrukturierte Oberfläche des Panzers nachgeahmt und so eine Farbe entwickelt, die besonders feuchtigkeitsabweisend ist.

Diese bionische, also nach dem Vorbild der Biologie hergestellte Farbe wurde von der Firma Sto in Stühlingen entwickelt und wird laut Herstellerangaben auch nur von Sto angeboten. Erhältlich ist StoColor Dryonic ausschließlich im Direktvertrieb. So viel Exklusität hat ihren Preis: Der fünf-Liter-Eimer kostet im Webshop 99 Euro.

Dafür hat das Fraunhofer-Institut LBF in Darmstadt die Wirksamkeit bestätigt. In einer von Sto in Auftrag gegebenen Studie verglich das Institut die bionische Farbe mit vier weiteren Fassadenprodukten: eine hydrophile Reinacrylatfarbe, eine hydrophobe und eine super-hydrophobe Siliconharzfarbe sowie eine hydrophil-saugende Dispersionssilikatfarbe. Von der StoColor Dryonic lief das Wasser am schnellsten ab.

Die Farbe ist laut Hersteller auf allen bauüblichen Untergründen anwendbar. Besondere Kenntnisse für die Verwendung sind nicht notwendig.

Unbekannte Nebenwirkungen

Eine schon länger bewährte Methode ist die photokatalytische Selbstreinigung der Fassade. "Um Schmutz, Algen und Moose abzubauen, sind die Farben mit Titandioxid angereichert", erklärt Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Berlin. "Dadurch wird die Wand mit einer photokatalytischen Schicht versehen, auf der sich bei Sonnenbestrahlung organische Materialien zersetzen sollen." Man kennt das Prinzip grob von der katalytischen Selbstreinigung des Backofens, in dem bei hoher Hitze Schmutzpartikel zerfallen.

Doch Buschmann ist vorsichtig: "Es gibt noch keine langfristigen Untersuchungen darüber, wie diese Beschichtungen auf Schadstoffe reagieren und welche chemischen Verbindungen dabei entstehen."

Manchmal genügt auch eine einfache Reinigung

Wie immer kommt es letztlich bei der Auswahl eines Farbtyps auf die individuellen Bedingungen an. Manchmal helfen auch bauliche Maßnahmen wie Dachüberstände, zum Teil aber auch einfachere Mittel wie eine regelmäßige Reinigung besser als jede Chemie.

"Algen sind zum Beispiel unbeliebt, aber eigentlich ein Zeichen für eine hohe Luftqualität", erklärt Rainer Huke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz. Unter manchen Umständen sei daher dem Bewuchs beim besten Willen nicht beizukommen. "Statt chemische Mittel zu verwenden, um Algen zu verhindern, kann sich auch die regelmäßige mechanische Fassadenreinigung durch einen Malerfachbetrieb anbieten", erklärt der Experte. "Dabei werden Verschmutzungen beseitigt, wenn sie noch klein und unauffällig sind."

Vorsicht mit Bioziden

Besonders vorsichtig müssen Kunden mit Anti-Schimmel-Farben umgehen, weil sie Biozide enthalten. "Im Innenbereich eines Neubaus sollten Schimmelfarben völlig überflüssig sein", stellt Bross klar. Und auch anderswo sollten sie nur zeitweise eingesetzt werden, denn eine grundsätzliche Lösung für das Problem sind sie meist nicht. In der Regel stecken bauliche Mängel oder falsches Lüftungsverhalten hinter dem Schimmelbefall.

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