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Shabby-Chic: Mit Möbeln vom Sperrmüll oder Flohmarkt dekorieren

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Shabby-Chic: Je schäbiger desto besser

10.04.2012, 10:39 Uhr | dpa/js, zuhause.de

Shabby-Chic: Mit Möbeln vom Sperrmüll oder Flohmarkt dekorieren. Shabby-Stil: Kratzer, Rost und Macken sind erlaubt! (Quelle: IB Laursen)

Shabby-Stil: Kratzer, Rost und Macken sind erlaubt! (Quelle: IB Laursen)

Schäbig wird schick: Statt neue Möbel zu kaufen, greifen viele zu alten Stücken mit viel Patina. Der Shabby-Schick gilt als die angesagte Modeerscheinung in der Einrichtungsbranche. Dekoriert wird mit Flohmarktfunden, Möbeln vom Sperrmüll oder Omas Schätzen. Am Tischbein ist Farbe abgeblättert, auf einer Kommode stapeln sich jahrzehntealte Flaschen. Omas Häckeldeckchen schmücken den Tisch, in der Ecke steht ein Ohrensessel und von der Decke hängt vielleicht noch ein Strauß getrockneter Rosen. Dieser Einrichtungsstil ist eine Zeitreise, bei der jede Schramme und jeder Kratzer für eine vergessene Geschichte steht.

Shabby-Chic ist eine Zeitreise

Sonja Bannick gräbt diese Geschichten wieder aus und erzählt sie in ihrem Haus. "Der Shabby-Stil steht für die Wiederverwendung und Zweckentfremdung alter Dinge", erläutert die Buchautorin und Fotojournalistin für Wohnmagazine aus Osterby in Schleswig-Holstein. Das können alte Möbel sein, aber auch kleine Dinge: Omas Broschen werden in einer Schale zur Dekoration und verwitterte Leitern zum Regal. "Wir versuchen, diese Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten", erläutert die Einrichtungsexpertin. "Man fragt nicht: "Brauch ich das noch?". Heute stellt sich die Frage: "Wie kann ich es anstreichen, dekorieren oder verwenden?"

Wir sind auf der Spurensuche

Neu ist dieser Trend aber nicht: "Es gibt den Shabby-Stil schon länger, aber erst jetzt findet er Akzeptanz am Markt", urteilt die Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Weißdorf in Bayern. "Man hat sich aber lange gefragt: Kann ich den Stil bei mir zu Hause überhaupt zulassen? Es handelt sich hier nicht um Antiquitäten. " Es geht vielmehr um teils kaputte, für den Sperrmüll bestimmte Stücke. "Der Grund, warum vielen dieser Einrichtungsstil zusagt ist: Wir sind auf Spurensuche", erläutert Kaiser. "Wir sind umgeben von einer reduzierten Welt. Es gibt viel Technik und alles ist steril. Unsere Möbel können dank technischen Fortschritts eine aalglatte Oberfläche haben und brauchen keine Griffe mehr." 

Jäger und Sammler

Doch dieser Fortschritt hat Folgen: "Uns fehlt Geborgenheit. Wir suchen nach einer stressfreien Ruheinsel, auf der wir nicht ständig von A nach B hechten und jederzeit erreichbar sein müssen. Und auf dieser Insel des Rückzugs sollte die Welt auch beschaulich und gemütlich sein", sagt Kaiser. Genau diese Beschaulichkeit vermittelt der Shabby-Stil. Alte Koffer werden als Couchtisch verwendet und im Badezimmer steht neben dem sterilen Heizkörper ein rostiges, hübsch geschwungenes Regal für Krimskrams. Solche Sachen hat man selten auf dem Dachboden und noch seltener sind es genug, um in der gesamten Wohnung den Shabby-Stil umzusetzen. "Gerade die Mädels denken immer, sie müssen das von heute auf morgen umsetzen", sagt Bannick. Doch sie plädiert dafür, nach und nach zum Sammler und Jäger zu werden: "Sonst geht die eigene Persönlichkeit im Haus flöten." Und es gibt noch einen Grund: "Man ist stolz auf Dinge, die man selbst auf dem Flohmarkt ergattert hat."

Wie funktioniert der Shabby-Look

"Man stellt zwei Welten gegenüber: Am einfachsten ist es, etwas Modernes mit stark reduzierter Farbigkeit und klarem Design zu nehmen, und daneben kommt dann Omas farbiger und plüschiger Ohrensessel", rät Kaiser. Oftmals müssen die Funde nachbearbeitet werden, bevor sie zum Hingucker werden, rät Bannick in ihrem Buch "Zeitlos Shabby". Sie stempelt etwa Stoffe, beklebt eine alte Schneiderpuppe mit Notenblättern und umwickelt Gläser und Flaschen mit Spitzenstoff oder alten Postkarten. Sogar Möbel können nachgearbeitet werden: Ein altes, dunkles Massivholzschränkchen bekommt etwa einen weißen Anstrich, der an Kanten und Rundungen stellenweise mit Schmirgelpapier abgeschliffen wird.

Wer dafür keine Zeit hat, kann Reproduktionen mit Gebrauchsspuren kaufen. Der Handel ist aktuell geradezu überflutet davon: "Rund 70 Prozent solcher Möbel sind nur auf alt getrimmt, aber neu", berichtet Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbandes Deutscher Möbelindustrie in Bad Honnef bei Bonn. Hierbei werden neue Holzmöbel zerkratzt und gebürstet. Regale bekommen dank Chemikalien Patina und Rost, als hätten sie viele Jahre im Freien gestanden. "Das ist alles schon eine komische Sache", sagt Ursula Geismann zu dem Trend. "Eigentlich will man ja am Auto etwa keinen Rost haben. Aber in die Wohnung holt man sich nun einen Schrank, der rostig ist."

Weitere Artikel wie Sie stilvoll Ihre Wohnung dekorieren können finden Sie in unserer Hauptkategorie.

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