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Thermografie: Unseriöse Anbieter locken mit Billig-Wärmebildern

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Bei Thermografie droht Abzocke

11.10.2016, 08:32 Uhr | zuhause.de

Thermografie: Unseriöse Anbieter locken mit Billig-Wärmebildern. Bei Thermografien ist Sorgfalt gefragt. (Quelle: VPB, Regionalbüro Emsland, Dipl. Ing. J.Deeters)

Bei Thermografien ist Sorgfalt gefragt. (Quelle: VPB, Regionalbüro Emsland, Dipl. Ing. J.Deeters)

Wenn Schimmel sich in Ecken und an den Wänden breit macht, sind Wärmebrücken häufig die Ursache. Um die undichten Stellen im Haus aufzuspüren, ist die Thermografie eine gute Methode. Auf den bunten Wärmebildern kann man genau erkennen, wo die Dämmung schlecht ist und Feuchtigkeitsherde lauern. Doch Experten warnen vor unseriösen Abzockern. Wann eine Thermografie sinnvoll ist, und wie man seriöse Angebote erkennt.

Immer wieder tauchten Anzeigen in den Zeitungen und Briefkästen auf, die mit besonders günstigen Angeboten für Thermografie-Aufnahmen werben, berichten die Experten des Verbands privater Bauherren (VPB). "Vier Thermografie-Aufnahmen für 100 Euro!" nennt der VPB ein Beispiel für so eine Billig-Offerte. Solche Angebote sind nicht seriös. Das Thermografie-Verfahren koste, wenn es richtig gemacht wird, vor allem Zeit, und die habe ihren Preis

Vorsicht vor manipulierten Wärmebildern

Der Verband warnt außerdem vor manipulierten Aufnahmen, die seit Jahren zum Einsatz kämen, um arglose Hausbesitzer über den Tisch zu ziehen. Im Wärmebild werden die Oberflächentemperaturen farbig dargestellt. Warme Bereiche werden in Rot- und Gelbtönen angezeigt, kalte Bereiche erscheinen Blau. Eine schlecht gedämmte Wand erkennt man an einem intensiven Rot. Allerdings könne man die Farbwiedergabe der Thermografie-Kamera einstellen, warnt der VPB. Unseriöse Anbieter erhöhen den Rotanteil im Wärmebild, um den Hausbesitzer anschließend zu einer teuren Dämmmaßnahme zu überreden, die sie eigentlich nicht benötigen.

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Seriöse Thermografie hat ihren Preis

Für eine fundierte Untersuchung genügt es nicht, das Haus von jeder Seite aufzunehmen. Die Aufnahmen sollten je nach Gebäude individuell geplant werden. Um Schwachstellen aufzuspüren, sind meist auch Innenaufnahmen erforderlich. Beispielsweise im Dachbereich sind Lecks von Außen nicht so leicht auszumachen. Auf jeden Fall gehört zu den Wärmebildern auch eine schriftliche Auswertung, in der die Untersuchung und ihre Ergebnisse genau erläutert werden. Eine solch aufwendige Analyse nimmt Zeit in Anspruch, die sich auch in den Kosten niederschlägt. Mit 500 bis 600 Euro muss man laut VPB rechnen.

"Thermografieuntersuchungen stellen hohe fachliche Ansprüche an den Ersteller, bedürfen einer sorgfältigen Vorbereitung und können nicht zu jedem Zeitpunkt durchgeführt werden", betont auch Jürgen Friedrichs, Bauherrenberater beim Bauherren-Schutzbund (BSB).

Die Güte der Aufnahmen hänge von den Temperaturverhältnissen, den Strömungs- und Witterungsbedingungen sowie den Strahlungsverhältnissen und dem Betrachtungsabstand ab. Es gibt meist täglich nur ein schmales Zeitfenster, in dem ein Wärmebild angefertigt werden sollte. Sonst drohen Fehlinterpretationen: So könnte eine vermeintlich schlecht gedämmte Fassade in Wahrheit nur eine von der Sonneneinstrahlung aufgeheizte Außenwand sein.

Wann ist eine Thermografie sinnvoll?

Richtig eingesetzt, können thermografische Untersuchungen wertvolle Hinweise für die energetische Sanierung des Hauses liefern. "Mit der Thermografie stehen zerstörungsfreie und berührungslose Messtechniken zur Verfügung, die in der Lage sind, Mängel schnell und unkompliziert zu erfassen", schwärmt Friedrich.

Wer ein altes Haus sanieren will, kann mithilfe der Wärmebilder Wärmebrücken und Leckagen aufspüren, die beseitigt werden müssen. An diesen Stellen dringt die Wärme schneller nach außen. Wenn es draußen kalt ist, kühlt in der Wohnung die Wand im Bereich einer Wärmebrücke schneller aus. An der kalten Fläche schlägt sich die Luftfeuchtigkeit nieder und bietet ideale Bedingungen für die Schimmelbildung. Besonders anfällig sind Balkon- und Dachanschlüsse, Fensternischen oder Rollladenkästen.

Auch Feuchteschäden kann man mithilfe von Thermografie lokalisieren. Wenn beispielsweise die Fußbodenheizung leckt, sieht man im Wärmebild sehr genau, wo der Schaden ist und kann ihn gezielt beheben, ohne den kompletten Fußboden aufstemmen zu müssen.

Für den Neubau: Thermografie und Blower-Door-Test

Bei Neubauten lassen sich mit Thermografie Baumängel finden. Über 70 Prozent aller Neubauten haben nämlich energetische Mängel, weiß der VPB. Das liege nicht nur an fehlerhaften Planungen und Berechnungen, sondern auch an der handwerklich schlechten Ausführung auf der Baustelle. In Kombination mit einem Blower-Door-Test lassen sich die Energielecks im Neubau entdecken.

Während des Blower-Door-Tests werden an den Problemstellen zusätzliche thermografische Aufnahmen gemacht. So findet man auch verborgene Lecks, an denen sich der Schimmel später unbemerkt einnisten würde. Wer schlüsselfertig baut, der sollte sich die abschließende Qualitätskontrolle mit Blower-Door-Test und Thermografie unbedingt schriftlich im Vertrag zusichern lassen, rät der VPB. Dabei sollte keinesfalls der Schlüsselfertiganbieter die Thermografie in Eigenregie machen oder einen Thermograf seiner Wahl bestellen.

Für Sanierung einen Fachmann heranziehen

Hat das Wärmebild Mängel offenbart, sollten geeignete Sanierungsmaßnahmen mit einem unabhängigen Fachmann besprochen werden. Misstrauisch sollte man sein, wenn der Thermografieanbieter gleichzeitig die Sanierung durchführen will – etwa als Fassadenbauer oder Dämmstofflieferant. Mitunter bieten auch regionale Energieversorger, Gemeinden oder Bausparkassen vermeintliche Thermografie-Schnäppchen und Gutscheine für eine Untersuchung an. Auch hier rät der VPB zur Skepsis, um nicht unseriösen Anbieter mit eigenen Interessen auf den leim zu gehen.

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