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Bio-Gemüse aus Berlin Kreuzberg: Urban Gardening in der Hauptstadt

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Prinzessinnengärten  

Gärtnern in der Großstadt: Kartoffeln und Kürbisse aus Kreuzberg

09.08.2012, 12:36 Uhr | dpa

Bio-Gemüse aus Berlin Kreuzberg: Urban Gardening in der Hauptstadt. Eine grüne Oase im Grau der Großstadt: Die Berliner Prinzessinnengärten. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Eine grüne Oase im Grau der Großstadt: Die Berliner Prinzessinnengärten. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die Kartoffel wächst im Reissack. Und zwar prächtig – umtost von Bussen, Autos, Baufahrzeugen in Berlin-Kreuzberg. Auf der einst zugemüllten Brache direkt am U-Bahnhof Moritzplatz haben sich Kürbisse, Tomaten, französischer Estragon, nordafrikanische Bohnen und Thymian breitgemacht. In den Prinzessinnengärten gedeihen die Pflanzen auf rund 6000 Quadratmetern in Säcken, Körben oder Tetrapacks. In einer Ecke konnten Imker sogar ihre Bienenhäuschen platzieren.

Bio-Gemüse statt Gerümpel

"Wir verstehen uns als soziales und ökologisches Projekt. Und wir bauen Gemüse in Bioqualität an", erklärt Marco Clausen, einer der beiden Initiatoren. Es ist die zweite richtige Saison auf der städtischen Fläche, wo auch Bänke und Tische zu Plausch im Gartencafé einladen. Im Juni 2009 lagen hier noch alte Bettgestelle, Scherben, Reifen und Batterien. Auf dem Boden wäre wenig gewachsen. Heute steckt in den mobilen Pflanzbehältern fruchtbare Erde. Clausen ist eigentlich Historiker. Für das Gartenprojekt hat er sich mit Robert Shaw, einem Dokumentarfilmer, zusammengetan und die gemeinnützige GmbH Nomadisch Grün auf die Beine gestellt.

In Havanna habe er gesehen, wie die Kubaner in allen möglichen Behältern Gemüse heranzogen, so Shaw. Bekannt und erfolgreich seien auch die städtischen Gärten in New York. Davon inspiriert setzten sich Shaw und Clausen ein Ziel: Urbane Landwirtschaft sollte auch in Berlin Fuß fassen.

Eine "grüne Oase" mitten im Grau der Großstadt

Und der Erfolg gibt den beiden Großstadtgärtnern recht. "Es riecht so gut hier", fällt der siebenjährigen Nasan auf, die zusammen mit ihrem Onkel den Stadtgarten besucht, der nur spätabends abgeschlossen wird. "Very impressed" zeigt sich auch die australische Architekturstudentin Emma von der grünen Oase mitten in der City. "Hier kommen immer Leute her", freut sich Clausen. Dieser soziale Aspekt des Projekts stand für die beiden Initiatoren von Anfang an im Vordergrund.

Begegnungsstätte unterschiedlicher Kulturen und Milieus

Gerade die Kreuzberger Bewohner sollten einbezogen werden. Und dieser Ansatz trägt Früchte: Mütter bringen zu Hause vorgezogene Paprika aus Anatolien vorbei, Eugenia aus Sibirien spendiert robuste Tomatensamen aus ihrer Heimat und gibt Kurse zum Einkochen, Frauen vom arabisch-türkischen Umweltzentrum setzen Mini-Kräuter in die Erde. "Es ist schön hier", sagt die 36-jährige Lacin. Sie wisse durch die Arbeit jetzt, wie die Gewürze auf Deutsch heißen. Berlintypisch sind es Menschen aller nur erdenklichen Kulturen und Milieus, die im Prinzessinnengarten zusammenkommen.

Der Verkauf von Pflanzen, Ölen und Honig trägt zur Finanzierung der Kreuzberger Oase bei. Auch Stiftungen und Unternehmen machen Geld für den Gemeinschaftsgarten locker. Darüber hinaus gibt es Kooperationen mit den Berliner Universitäten. Doch ohne ehrenamtliches Engagement würde der urbane Gemüseacker nicht funktionieren. Einer der vielen freiwilligen Helfer ist der 31 Jahre alte Bennar. "Ich bin jeden Tag hier. Ich liebe es, draußen zu arbeiten." Der gelernte Pflanzenbauer ist der Herr der Kartoffeln. Jeder könne sich beteiligen, ohne gleich das ganze Jahr über feste Aufgaben übernehmen zu müssen, wirbt Clausen für noch mehr freiwilliges Engagement. "Das ist unser Anliegen: Dass hier Leute zusammenkommen, die sich sonst nie treffen würden."

Umzug nicht ausgeschlossen

Die Gärtner vom Moritzplatz wissen, dass sie den früheren Parkplatz nur zur Zwischennutzung vom Liegenschaftsfonds bekommen haben. "Wenn das hier vermarktet wird, müssen wir weg", sagt Clausen. Doch das macht ihm kaum Kopfschmerzen. "Wenn der Tag X kommt, ziehen wir weiter – mit allen Säcken, Kisten und Körben." Dann werden an anderer Stelle, irgendwo im Berliner Großstadtdschungel, die Menschen zusammenkommen und Tomaten, Kürbisse oder Kartoffeln anbauen.

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