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Garten: In Berlin-Kreuzberg entsteht ein biologischer Garten mitten in der Stadt

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Garten  

Gärtnern in der Großstadt: Die Kartoffel wächst im Reissack

26.08.2010, 14:01 Uhr | dpa

Garten: In Berlin-Kreuzberg entsteht ein biologischer Garten mitten in der Stadt . Garten: Mitten in Berlin-Kreuzberg gedeiht ein ökologischer Stadtgarten. (Foto: dpa)

Mitten in Berlin-Kreuzberg gedeiht ein ökologischer Stadtgarten. (Foto: dpa)

Die Kartoffel wächst im Reissack. Und zwar prächtig - umtost von Bussen, Autos und Baufahrzeugen in Berlin-Kreuzberg. Wo früher Scherben und alte Batterien lagen, wächst nun Gemüse. Auf einer früher zugemüllten Brachlandschaft direkt am U-Bahnhof Moritzplatz ist ein ökologischer Bio-Garten entstanden.

Pflanzen in Säcken, Körben und Tetrapacks

In den so genannten Prinzessinnengärten haben sich Kürbis, Tomaten, französischer Estragon, nordafrikanische Bohnen und Thymian breitgemacht. Auf rund 6.000 Quadratmetern gedeihen die Pflanzen in Säcken, Körben oder Tetrapacks. In einer Ecke haben Imker ihre Bienenhäuschen platziert. "Wir verstehen uns als soziales und ökologisches Projekt. Und wir bauen Gemüse in Bioqualität an", sagt Marco Clausen, einer der beiden Initiatoren.

Früher Schrottplatz, heute Pflanzplatz

Sich ausruhen oder Kontakte knüpfen kann man in dem Stadtgarten auch. Bänke und Tische laden zu Plausch im Gartencafé ein. Wo im Juni 2009 noch alte Bettgestelle, Scherben, Reifen und Batterien auf unfruchtbarem Boden lagerten, stehen heute mobile Pflanzbehälter mit fruchtbarer Erde. Der studierte Historiker Clausen hat zusammen mit Robert Shaw, einem Dokumentarfilmer, die gemeinnützige GmbH Nomadisch Grün auf die Beine gestellt.

Vorbild: Kuba und New York

In Havanna habe er gesehen, wie die Kubaner in allen möglichen Behältern Gemüse heranzogen, beschreibt Shaw die Idee. Bekannt und erfolgreich seien auch die städtischen Gärten in New York. Nun fasst die urbane Landwirtschaft in Berlin Fuß. Die Macher haben jetzt noch einen ausgemusterten Übersee-Container besorgt, in dem künftig für Besucher gekocht werden soll. Bei einem Kartoffelfest werden hier die Knollen aus 500 Säcken in Pfannen und Töpfe kommen.

Integration im Öko-Garten

"Es riecht so gut hier", sagt die siebenjährige Nasan. Sie wohnt in der Nähe und besucht mit ihrem Onkel den Stadtgarten, der nur spätabends abgeschlossen wird. "Hier kommen immer Leute her", freut sich Clausen. Gerade Anwohner in dem sozial schwachen Kiez sollten einbezogen werden. Das scheint Früchte zu tragen: Mütter bringen vorgezogene Paprika aus Anatolien vorbei, Eugenia aus Sibirien hat robuste Tomatensamen aus ihrer Heimat spendiert und auch schon Kurse zum Einkochen geleitet. Frauen vom arabisch-türkischen Umweltzentrum setzen Mini-Kräuter in die Erde. "Es ist schön hier", sagt die 36-jährige Lacin. Sie wisse durch die Arbeit jetzt, wie die Gewürze auf Deutsch heißen.

Finanzierung durch Stiftungen und Verkauf

Der Verkauf von Pflanzen, Ölen und Honig trägt zur Finanzierung der Kreuzberger Oase bei. Auch Stiftungen und Unternehmen machen Geld für den Gemeinschaftsgarten locker. Im Winter werde viel Zeit für das Schreiben von Anträgen draufgehen, befürchtet Clausen. "Wir zahlen jeden Monat 2.300 Euro dafür, dass wir kommunale Aufgaben übernehmen." Dabei könnte die Stadt hier zeigen, dass sie an soziologischen und ökologischen Impulsen interessiert ist.

Leute kommen zusammen, die sich sonst nicht treffen

Ohne ehrenamtliches Engagement würde der mobile Gemüseacker nicht funktionieren, wissen die Initiatoren. Einer der Freiwilligen ist der 31 Jahre alte Bennar. "Ich bin jeden Tag hier. Ich liebe es, draußen zu arbeiten." Der gelernte Pflanzenbauer ist der Herr der Kartoffeln. Jeder könne sich beteiligen, ohne gleich das ganze Jahr über feste Aufgaben übernehmen zu müssen, sagt Clausen. "Das ist unser Anliegen - dass hier Leute zusammenkommen, die sich sonst nie treffen würden."

Wenn der Platz vermarktet wird, ziehen Säcke und Körbe weiter

Die Gärtner vom Moritzplatz wissen, dass sie den früheren Parkplatz nur als Zwischennutzung vom Liegenschaftsfond bekommen haben. "Wenn das hier vermarktet wird, müssen wir weg", sagt Clausen. Doch das macht ihm keine Kopfschmerzen. "Wenn der Tag X kommt, ziehen wir weiter - mit allen Säcken, Kisten und Körben."

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