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Treppenhaus: Rechte und Pflichten im Hausflur

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Was ist erlaubt im Treppenhaus?

04.02.2014, 16:20 Uhr | sj; Beate Kaufmann, dpa-tmn, zuhause.de

Treppenhaus: Rechte und Pflichten im Hausflur. Kinderwagen sind im Treppenhaus zulässig – sofern sie nicht stören. (Quelle: imago/Paul von Stroheim)

Kinderwagen sind im Treppenhaus zulässig – sofern sie nicht stören. (Quelle: Paul von Stroheim/imago)

Treppenhäuser sind nicht gerade für ihre Schönheit bekannt. Viele Aufgänge in Mietshäusern sind sehr kahl und wirken steril – zumindest wenn sie regelmäßig gereinigt werden. Andere, besonders im Altbau, vermitteln einen abgenutzten Eindruck. Warum also nicht den hässlichen Hausflur etwas wohnlicher gestalten, denkt sich so mancher Bewohner und lässt seinem Dekorationsgeschick vor der Wohnungstür freien Lauf: Ein paar Grünpflanzen beleben den kalten Raum und der Schuhschrank macht sich doch prima im Gang. Doch im Treppenhaus gelten besondere Regeln: Was man im Hausflur abstellen darf und welches Zeug weg muss.

Treppenhäuser gehören zwar zur Mietsache, dennoch hat man bei der Nutzung der Gemeinschaftsräume keine freie Hand. Als wichtiger Fluchtweg dürfen die Gänge auf keinen Fall zugestellt werden. Je nach Bundesland und Gebäudeart gelten zwar unterschiedliche Mindestbreiten für den Fluchtweg, aber rund ein Meter Breite ist bei Mehrfamilienhäusern meist vorgeschrieben.

Schuhschränke behindern Fluchtweg

Wer also Schuhschrank, Schirm- oder Garderobenständer vor die eigene Wohnungstür auslagern möchte, sollte dabei immer bedenken, dass die Möbel im Falle eines Brandes den Durchgang für Retter und Bewohner erschweren könnten. Der Vermieter kann die Möbel entfernen lassen. Er muss die Gegenstände im Flur auch dann nicht dulden, wenn der Rettungsweg breit genug ist. Dieser Auffassung ist das Oberverwaltungsgerichts Münster, das 2009 einem Hausverwalter recht gab, der zur Sicherstellung des Brandschutzes gefordert hatte, die Gegenstände aus dem Treppenhaus zu entfernen.

Selbst wenn die abgestellten Möbel nicht brennbar sind, könnten sie bei einem Brand die Flucht behindern. Bei starker Rauchentwicklung kann ein Schirmständer zu einer schlecht sichtbaren Stolperfalle werden.

Vermieter muss für Sicherheit sorgen

Laut Deutschem Mieterbund ist prinzipiell der Vermieter dafür verantwortlich, dass seine Mieter das Treppenhaus und den Flur ohne Gefahr nutzen können. Er muss dafür sorgen, dass das Treppengeländer ordnungsgemäß befestigt ist, die Beleuchtung funktioniert und die Treppenstufen nicht sturzgefährlich glatt sind. "Deshalb kann er in der Hausordnung die Nutzung der Gemeinschaftsflächen, also auch des Hausflures, einschränken", erklärt Jörn-Peter Jürgens vom Interessenverband Mieterschutz. "Flur und Treppenhaus sind Fluchtwege, daher darf prinzipiell eigentlich nichts abgestellt werden", ergänzt Frank Luckhardt, Vorsitzender des Verbands deutscher Hausverwalter. Im Mietvertrag kann trotzdem vereinbart werden, dass die Mietparteien selbst die Reinigung des Treppenhauses übernehmen.

Kinderwagen sind meist zulässig

Immer wieder kommt es in Mietshäusern zum Streit, weil Kinderwagen im Hausflur abgestellt sind. Allerdings dürfen sowohl Kinderwagen als auch Rollator im Eingangsbereich abgestellt werden, wenn die Mitmieter dadurch nicht erheblich belästigt werden. So wies das Amtsgericht Hannover die Klage eines Vermieters ab, der mit Verweis auf einen ausreichend breiten Rettungsweg das Abstellen von Rollatoren unterbinden wollte.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass es gehbehinderten Menschen nicht zumutbar sei ihre Gehhilfen in obere Stockwerke zu tragen. Ähnlich verhält es sich mit Kinderwagen. Allerdings waren sich die Gerichte im Bezug auf Kinderwagen im Hausflur nicht ganz einig. Zumeist lautete ihr Urteil jedoch, dass der Kinderwagen abgestellt werden darf, wenn ein genügend breiter Fluchtweg gegeben und keine andere zumutbare Abstellmöglichkeit vorhanden ist.

Gar nicht im Hausflur stehen dürfen Fahrräder. "Sie sind ein Transportmittel und gehören in die Wohnung oder in den Keller", erklärt Claus Deese vom Mieterschutzbund in Recklinghausen. "Manche Vermieter haben auch bestimmte Stellflächen dafür vorgesehen, nur in den Hausflur dürfen sie nicht."

Madonna darf im Flur bleiben

Die Rechtstreitigkeiten rund um das Treppenhaus nehmen mitunter kuriose Züge an. So musste das Amtsgericht Münster darüber entscheiden, ob eine im Hausflur aufgestellte Madonnen-Figur einen protestantischen Mieter berechtigt, die Miete zu kürzen. Das Gericht entschied zu Gunsten des Madonnen-Besitzers, da durch die Madonna weder die Gebrauchstauglichkeit der Wohnung beeinträchtigt würde, noch die Figur zu einem "besonderen Schock" führe.

Bei starken Gerüchen darf die Miete gekürzt werden

Doch nicht nur Gegenstände im Flur können Ärger heraufbeschwören, sondern auch die Gerüche aus der Nachbarwohnung. So stellt manch ein Mieter beim Ausprobieren exotischer Rezepte seine Nachbarn auf eine harte Probe, weiß Jörn-Peter Jürgens. "Die mir bekannten Fälle, in denen das erträgliche Maß überschritten wurde, betrafen das mehrmals wöchentliche Auskochen von Knochen und die Zubereitung von Sauerkraut." In einem Fall sei eine Wohnung in eine heimliche asiatische Garküche verwandelt worden. "Da wurde der Wohnraum umfunktioniert für Bringdienste und ein Sushi-Lokal, welches beim Transportieren von Abfällen in den Hinterhof häufig Fischreste verlor." In solchen Fällen können andere betroffene Mieter die Miete kürzen, der Vermieter kann abmahnen.

Nicht jeder Geruch berechtigt zur Klage

Doch nicht immer ist eine Beschwerde angebracht. Was andere Mieter kochen oder auch wann, können sie selbst entscheiden. Vermieter oder auch Nachbarn müssen das meistens hinnehmen. Denn in einer vielschichtigen Gesellschaft essen, schlafen und arbeiten die Menschen unterschiedlich. Entsprechend viel Toleranz werde auch von den Mietern und Vermietern erwartet, so die Mietrechtsexperten.

Natürlich muss sich alles in bestimmten Grenzen bewegen. Wer nicht nur einen Hund, sondern gleich zehn Hunde in seiner Wohnung hält, der kann wegen einer eventuellen Geruchsbelästigung laut Experten durchaus Ärger bekommen. Wer ab und zu ein paar nasse Schuhe zum Trocknen vor die Wohnungstür stellt, wird sich in der Regel keine Probleme einhandeln. Wer allerdings ganze Schuhschränke in den Hausflur verlagert, schon.

Mieter sollten sich daher an die Regeln halten, die für ihr Haus gelten. "Hält man sich daran nicht, stört man den Hausfrieden", erklärt Frank Luckhardt. Bei nachhaltiger Störung könne man den entsprechenden Mieter abmahnen und wenn sich nichts ändert, sogar kündigen. Einen Rat geben alle drei Experten: "Verhalten Sie sich tolerant, rücksichtsvoll und versuchen Sie, Probleme gütlich miteinander zu regeln."

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