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Schlüsselnotdienste zocken Verbraucher an der Wohnungstür ab

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WDR entlarvt die fiesen Maschen der Schlüsselnotdienste

25.02.2014, 08:36 Uhr | rw; WDR, zuhause.de

Schlüsselnotdienste zocken Verbraucher an der Wohnungstür ab. Wer im Notfall wahllos einen Schlüsselnotdienst anruft, gerät nicht selten an einen Abzocker. (Quelle: imago/Götz Schleser)

Wer im Notfall wahllos einen Schlüsselnotdienst anruft, gerät nicht selten an einen Abzocker. (Quelle: Götz Schleser/imago)

Unverhältnismäßig hohe Preise an der Grenze zur Strafbarkeit, Kundeneinschüchterung und unvorhersehbar lange Anfahrtswege, weil Anrufer über eine dubiose Zentrale geleitet werden, für die später eine saftige Provision fällig wird. Wer im Notfall wahllos einen örtlichen Schlüsselnotdienst anruft, landet zu 80 Prozent bei einem unseriösen. Das ist das Ergebnis einer Stichprobe, die der Westdeutsche Rundfunk (WDR) für seine Sendung "markt" durchführen ließ. Ergebnis: Nur zwei der neun beauftragten Schlüsselnotdienste verlangten laut Expertenmeinung einen angemessenen Preis. Das einzig Gute: Verbraucher können schwarze Schafe leicht erkennen und dürfen Sie kostenlos nach Hause schicken.

"Ich hätte sofort sagen sollen: 'Das zahl ich nicht'", ärgert sich Anne Thönes zu Beginn des Beitrags. Mittlerweile kontrolliert sie beim Verlassen der Wohnung mehrfach, ob sie auch den Schlüssel dabei hat. Denn einen Schlüsselnotdienst will die junge Frau nie wieder anrufen. Schaden macht eben klug. 249,90 Euro musste die Kölnerin bezahlen, als sie sich vor Kurzem ausschloss.

Je drei Schlüsselnotdienste in drei Städten getestet

Schlüsselnotdienste geraten immer wieder in die Kritik. Die ganze Branche hat einen schlechten Ruf. In Köln, Dortmund und Siegen haben die Testpersonen des WDR Verbrauchermagazins "markt" jeweils drei Firmen angerufen, ausgesucht jeweils aus dem Internet, dem Branchenbuch und über die Telefonauskunft. Alle Schlüsseldienste fanden eine ähnliche Tür vor, die nur zugezogen war. Die Tester riefen immer eine örtliche Telefonnummer an und erklärten, sie hätten sich versehentlich ausgesperrt, die Tür sei hinter ihnen zugefallen, es stecke aber kein Schlüssel von innen.

Maximal 120 Euro für die Türöffnung wären angemessen

Als Experte begleitete die WDR-Stichprobe der Metallbauer und Sachverständige Uwe Sarfeld. Da es sich im Test um ganz gewöhnliche Wohnungstüren handelte, müssten Fachleute sie innerhalb weniger Sekunden, maximal in wenigen Minuten öffnen können, ohne die Tür dabei zu beschädigen, so seine Einschätzung im Vorfeld. Angemessen sei dafür ein Preis zwischen 60 und 90 Euro. Allerhöchstens, so Sarfeld, dürfe die Türöffnung 120 Euro kosten. Das ist der Vergleichspreis des Bundesverband Metall.

Da die Stichprobe tagsüber an einem gewöhnlichen Werktag stattfand, dürften eigentlich keine Zuschläge in Rechnung gestellt werden. Nachts, sowie an Wochenenden und Feiertagen seien Zuschläge bis zu 150 Prozent branchenüblich, erklärte der Experte.

Nur zwei von neun Schlüsselnotdiensten verlangen einen angemessenen Preis

In Köln aber erklärt gleich der erste Handwerker Testkundin Margret Hüppeler, sie müsse mit etwa 200 Euro rechnen. Dann reicht er der älteren Dame ein Schriftstück. Ohne ihre Unterschrift dürfe er die Tür nicht öffnen. Eine glatte Lüge. In Wahrheit unterschreibt die Testkundin nämlich den schriftlichen Auftrag zur Türöffnung – zum völlig überhöhten Preis.

Die Tür bekommt der Monteur zwar zügig auf. "Aber die Vorgehensweise war sehr eigenwillig", erklärt der Sachverständige mit Blick auf die Bilder der versteckten Kamera. Ein echter Fachmann? Wohl eher nicht. Dann soll es ans Bezahlen gehen. 214,20 Euro stellt der Mann in Rechnung – zahlbar sofort in bar oder mit EC-Karte.

Wer zahlt, akzeptiert den zu hohen Preis

Wer jetzt zahlt, hat später kaum noch Chancen etwas von dem Geld wieder zu sehen. "Im Prinzip ist das wie ein Anerkenntnis", erklärt Anwältin Beate Puplick, die der WDR als Rechtexpertin zu Rate zog. "Ich empfehle, wenn ich mit dem Preis nicht einverstanden bin, den Betrag unter Vorbehalt zu zahlen." Alternativ könne man auch vor Ort nur eine Teilzahlung vornehmen. Nach getaner Arbeit erzählt der Monteur, er sei von einer Schlüsseldienstzentrale beauftragt worden, die 60 Prozent Provision von ihm verlange. Dabei hatte die Testkundin eine ortsansässige Telefonnummer gewählt.

Preise an der Grenze zur Strafbarkeit

Noch teurer wurde es in der Stichprobe bei einem Monteur in Siegen. 248,59 Euro kostete hier die Türöffnung. Damit ist er 100 Prozent teurer als ortüblich und kratzt somit an der Grenze zu Wucher. "Wenn es wirklich Wucher ist, ist nicht nur das Rechtsgeschäft nichtig, sondern es ist auch ein Straftatbestand", erläutert Puplick. Diese Grenze scheint den schwarzen Schafen der Schlüsseldienst-Branche wohl bewusst. Viele nähern sich zwar der 100-Prozent-Marke, überschreiten diese aber nicht oder nur minimal. So haben geprellte Kunden kaum eine Chance, gegen die überhöhten Forderungen vorzugehen.

Um 16 Uhr schon Nachtzuschlag

In Dortmund trieb ein Monteur die Rechnung mit einem anderen Trick in die Höhe. Da es bei der Türöffnung schon später als 16 Uhr war, verlangte er saftige Zuschläge von 50 Prozent, das sei branchenüblich. "Zuschläge sind erst üblich nach 18 Uhr", widerspricht der Sachverständige. Am Ende verlangten in der WDR-Stichprobe nur zwei der insgesamt neun getesteten Schlüsselnotdienste einen angemessenen Preis. Der Rest nutzte die Notlage der ausgesperrten Kunden aus und berechnete überteuerte Preise. Drei lagen über 200 Euro und verlangten damit das Dreifache des normalen und etwa das Doppelte des Maximal-Preises.

80 Prozent der Schlüsselnotdienste unseriös

Allerdings haben die WDR-Reporter ja nur eine Stichprobe durchgeführt. Der Sachverständige Sarfeld glaubt bei dem schlechten Ergebnis allerdings nicht an Zufälle. "Wenn Sie heute aus dem Telefonbuch wahllos irgendeinen Schlüsseldienst auswählen, müssen Sie damit rechnen, dass Sie zu 80 Prozent an einen dieser unseriösen geraten", bilanziert der Branchen-Kenner.

Wie man sich vor unseriösen Schlüsselnotdiensten schützen kann

Wer nicht Gefahr laufen will, selbst irgendwann den schwarzen Schafen zum Opfer zu fallen, sollte Vorsorge treffen. Fragen Sie einfach mal bei einem ortansässig niedergelassenen Schlüsseldienst nach, was man dort für Preise nimmt und nehmen Sie ein Visitenkarte des Ladens mit. Dann werden Sie beim Anruf nicht ohne ihr Wissen an irgendeine dubiose Zentrale weitergeleitet, die den preis in die Höhe schießen lässt.

Schwarze Schafe schon beim Anruf entlarven

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und Sie haben sich ausgesperrt, sollten Sie schon beim Telefonat mit dem Schlüsseldienst ein paar Fragen stellen: Wie teuer es wird, können seriöse Anbieter ungefähr abschätzen, wenn Sie ihm die Situation genau schildern können. Lassen Sie sich auch die voraussichtliche Wartezeit nennen, um sicher zu gehen, nicht in Zuschlagszeiten hinein zu geraten. Überzieht der Dienstleister die angekündigte Wartezeit erheblich, müssen Sie keinen Zuschlag zahlen auch wenn der Monteur erst nach 18 Uhr erscheint.

Fragen Sie außerdem nach, welche Firma überhaupt kommen wird. Ist das nicht dieselbe wie die, die Sie angerufen haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie bei einer Zentrale gelandet sind. Dann gilt es, Preis und Wartezeit besonders kritisch zu prüfen. Oft werden dann Monteure beauftragt, die eine sehr lange – in der WDR-Stichprobe bis zu 60 Kilometer – Anfahrt haben. Die Kosten für eine solche müssen Sie übrigens nicht bezahlen. "Auch wenn der Monteur von außerhalb einreist, braucht der Kunde nur die innerörtlichen Anfahrtskosten zu zahlen, wenn er einen am Ort werbenden Schlüsseldienst beauftragt hat", informiert die Industrie und Handelskammer Frankfurt.

Bei Schlüsselnotdiensten hat man ein Widerrufsrecht

Was die wenigsten Verbraucher wissen: Da Sie den Auftrag zur Türöffnung telefonisch erteilen, hat man ein Widerrufsrecht. Ohne Angabe von Gründen können Sie den Monteur vor Ort wieder nach Hause schicken, solange er noch nicht mit der Arbeit begonnen hat. Ist der Preis höher als zuvor telefonisch besprochen, sollten Sie den Auftrag widerrufen und einen andern Schlüsseldienst anrufen. Auch die Kosten der Anfahrt müssen Sie nicht bezahlen.

Lassen Sie sich auch nicht unter Druck setzen. Ist der Handwerker uneinsichtig oder wird gar aggressiv holen Sie ein Familienmitglied oder einen Nachbarn als Zeugen dazu. Notfalls setzt auch die Polizei Ihr Hausrecht durch, wenn es ganz auf hart auf hart geht.

Nicht den ganzen Betrag sofort zahlen

Wird Ihnen nach der Türöffnung eine überhöhter Preis in Rechnung gestellt, sollten Sie diesen keinesfalls sofort bezahlen. Am besten, Sie bitten um eine Rechnung. Lässt sich der Monteur darauf nicht ein, sollten Sie nur eine Anzahlung leisten – bei einer normalen Türöffnung zum Beispiel 120 Euro. Für den restlichen Betrag können Sie eine Rechnung verlangen und gleich darauf hinweisen, dass Sie die Höhe anzweifeln und prüfen lassen wollen. Dabei unterstützen neben Rechtsanwälten auch die örtlichen Verbraucherzentralen.

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