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Ikea im "Montags-Check im Ersten"

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Ikea-Check der ARD lässt viele Wünsche offen

25.08.2014, 19:05 Uhr | Ralph Wefer sive Evermann, zuhause.de

Ikea im "Montags-Check im Ersten". Ikea muss im "Montags-Check im Ersten" Federn lassen. Doch vor allem die Doku selbst offenbart Schwächen. (Quelle: imago/Manfred Segerer)

Ikea muss im "Montags-Check im Ersten" Federn lassen. Doch vor allem die Doku selbst offenbart Schwächen. (Quelle: Manfred Segerer/imago)

Ikea steht für schicke Möbel zum kleinen Preis. Das Unternehmen präsentiert sich als familiär und fair. Kaum ein deutscher Haushalt, in dem sich nicht irgendwo ein Regal, eine Kommode oder sogar eine ganze Küche des schwedischen Möbelriesen findet. Doch wie gut sind die Möbel wirklich? Wie ernst nimmt Ikea sein Bekenntnis zu fairen Produktionsbedingungen? Für das neue Format "Der Montags-Check im Ersten" haben die WDR-Journalistinnen Sejla Didic und Christin Gottler einen Blick hinter die Kulissen der heilen Ikea-Welt gewagt – und bleiben manch eine Antwort schuldig.

"Andere kaufen sich Schuhe, ich fahre zu Ikea und kaufe eine Packung Servietten oder so", gesteht Ikea-Fan Jenny Pauli zu Beginn der Doku. Schon die schicken Gartenmöbel, die bei den Paulis die Terrasse zieren, waren ein Spontankauf. Begleitet vom WDR-Team macht sich die Familie auf den Weg zur nächsten Ikea-Filiale. Zwei Lampen, ein Gartenstuhl und ein neues Bett für die Tochter müssen her.

Ikeas "Markthalle" verführt zu Spontankäufen

Alle Ikea-Häuser leiten die Kunden zunächst auf verschlungenen Pfaden durch die Möbelausstellung im ersten Stock und dann ein Stockwerk tiefer in die "Markthalle", wo sich allerlei Kleinigkeiten vom Abfalleimer bis zur Zitronenpresse finden. "Das sind die gefährlichen Gänge", weiß Papa Pauli schon aus leidvoller Erfahrung. Am Ende findet sich neben den geplanten Einkäufen noch Kleinkram für rund hundert Euro im Einkaufswagen. Dass Ikeas "Markthalle" geschickt zu Spontankäufen verführt, ist allerdings wirklich nicht neu. Wie hoch der Anteil solcher Käufe am Gesamtumsatz von Ikea genau ist, verriet die Doku nicht.

"Stressfaktor" ist bei Ikea höher als bei Höffner

Statt dessen folgte der erste "Check": 20 Testkäufer kauften in einer Ikea- und einer Höffner-Filiale je drei beliebige, aber vor dem Einkauf festgelegte Möbelstücke ein – Budget: 350 Euro. Mit Pulsmessgeräten und Schrittzählern ausgerüstet, starteten die Probanden ihre Shopping-Tour. Bei Höffner fand sich schnell ein Mitarbeiter, der die Testkunden zu den gewünschten Möbeln führte. Bei Ikea, so zumindest der Anschein, blieben sie weitgehend sich selbst überlassen. Geradezu verloren wirkte eine Seniorin mit Rollator, die in der Selbstbedienungshalle nach ihren Möbeln sucht.

Auf Basis der gesammelten Daten wertete am Ende Stefan Hey vom Karlsruher Institut für Technologie den "Stressindex" der Probanden beim Einkauf aus. Im Schnitt der zehn Testpaare kam Höffner auf einen "Stressindex" von 250, Ikea landete bei 300. Was genau dieser "Stressindex" aber überhaupt ist, erfuhr der Zuschauer leider nicht. Klar wurde nur: Einkaufen bei Ikea ist wohl irgendwie stressiger. Andere interessante Fragen, nämlich wie lange die Testkunden genau brauchten, um ihre gewünschten Möbel zu finden und wie viele Schritte sie dafür in den Filialen zurücklegen mussten, blieben ebenso offen wie die Frage nach dem Preis bei Höffner und Ikea.

Das Ikeaprinzip stärkt die Kundenbindung

Der zweite Check widmete sich dem Ikeaprinzip, wonach man die gekauften Möbel daheim selbst aufbauen muss. Zwei Gruppen von je 20 Probandinnen sollte den Wert eines Ikea-Nachttischs einschätzen. Die erste Gruppe fand das Möbelstück bereits aufgebaut vor, die zweite musste, ganz nach Ikeaprinzip, erst einmal selbst den Inbusschlüssel ansetzen und sich den Nachttisch selbst zusammenschrauben.

"Starke Marken kennzeichnet immer, dass sie Regeln brechen", so die Einordnung des befragten Experten, Markensoziologe Oliver Errichiello. "Wir erwarten Service, wir erwarten Dienstleistungsbereitschaft. Und bei Ikea verbringe ich erstmal drei Stunden damit, einen Stuhl zusammen zu bauen." Dass dieser Bruch mit gängigen Konventionen Wirkung zeigt, belegte der Test mit den 20 Probandinnen. Die Gruppe, die selbst aufbauen musste, schätzte den Wert des Nachttischs im Schnitt auf 21 Euro und damit vier Euro höher ein, als die Gruppe, die ihn bereits fertig aufgebaut vor sich hatte. Das Ikeaprinzip sei "raffiniert", lautete folgerichtig das Resümee der "Markenchecker".

Die Qualität des Billy-Regals wurde im Laufe der Jahre schlechter

Ans Eingemachte ging es dann beim Qualitäts-Check. Als Zuschauer hätte man hier eigentlich erwarten dürfen, dass die Qualität der Ikea-Produkte mit der vergleichbarer Möbel anderer großer Ketten verglichen würde. Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Ikea im Vergleich zu Roller, XXXL-Möbelhäuser, Höffner und Co.? Auf solche Fragen ging der Ikea-Check aber leider so gut wie gar nicht ein.

Statt dessen wurde die Qualität des aktuellen Billy-Regals mit dessen Vorgängern verglichen. Vielleicht mag es für den Einen oder Anderen ja auch interessant sein, dass die Regalböden des Ikea-Klassikers im Laufe der Jahre einen Millimeter dünner geworden sind und die Schrauben etwas kürzer, dass einige Verbindungen heute aus Kunststoff und nicht mehr wie vor 35 Jahren aus Metall gefertigt sind oder dass früher für eine höhere Biegesteifigkeit ein echtes Holzstück an den Regalboden angeleimt war, der heute nur noch aus einer Spanplatte besteht.

Dem Qualitäts-Check mangelt es an Qualität

Wie solch rückwärtsgewandte Betrachtungen dem Verbraucher aber Orientierung im heutigen Alltag liefern sollen, bleibt völlig unklar. Auch der als Experte zum Qualitäts-Check hinzugezogene Schreinermeister Stefan Hampel erklärt: "So baut man heute Spanplatten-Möbel. Alle bauen so." Etwas später erklärte er auch, warum: "Wenn man weiß, dass Möbel heute wirklich oft nur für wenige Jahre gekauft werden und nicht mehr für ein halbes Leben, dann haben die (Ikea) den Bogen raus."

Sinnvoll gewesen wäre ein Vergleich des heutigen "Billys" mit Regalen desselben Preissegments von anderen Anbietern. Darauf wartete man vergeblich. Erst zum Abschluss des Qualitäts-Checks verglich die WDR-Doku dann immerhin doch noch drei Ikea-Produkte mit drei vergleichbaren Produkten einer anderen Kette. Eine Lampe, Trinkgläser und eine Kommode von Ikea mussten sich mit entsprechenden Pendents aus dem Hause Höffner messen lassen. Im Dekra-Prüflabor schnitten die Ikea-Produkte ordentlich ab. Eine Schublade der Höffner-Kommode hingegen fiel auf dem Prüfstand, bei dem 30.000 Auszüge simuliert wurden, durch.

Zwar wackelte auch die Schublade der Ikea-Kommode hinterher ein wenig. Doch Dekra-Prüfer Werner Leistner machte klar: "Man merkt natürlich 30.000 Zyklen jedem Prüfmuster an, aber der Auszug hat nach wie vor seine gewünschte Funktion." Trotzdem resümieren die Macher des Checks aus dem Off: "Ikea wieder mal gerade noch im grünen Bereich." Ihr Fazit: Die Qualität der Ikea-Produkte sei "ausreichend". Es wirkte fast, als dürfe der Möbelriese einfach nicht gut wegkommen.

Fairness-Check: Ikea lässt in Weißrussland produzieren

Für seinen letzten Check begab sich das Filmteam auf die Spuren der Ikea-Kommode "Brimnes" – laut Etikett in Litauen gefertigt. "Litauen hat den niedrigsten Mindestlohn in der EU", so die Off-Sprecherin, während dem Zuschauer Bilder baufälliger Fassaden gezeigt wurden. Die Journalisten durften in der Fabrik des Ikea-Zulieferers "Vakaru Medienos Grupe" (VMG) offen drehen. Der Chef gestand im Interview unumwunden ein, auf Anregung der "Partner" auch im noch viel günstigeren Weißrussland zu produzieren. Ob Ikea oder ein anderer "Partner" die treibende Kraft für die Produktionsverlagerung war, blieb offen.

Dass Ikea aber tatsächlich in der Lukaschenko-Diktatur produzieren lässt, konnten die WDR-Journalisten nachweisen. Getarnt als deutsche Holzwissenschaftler drehten sie in einem weißrussischen VMG-Werk und entdeckten dort auch die besagte Kommode "Brimnes". Anonym gaben Angestellte an, für 360 Euro Monatslohn täglich zwölf Stunden arbeiten zu müssen. Täuscht Ikea also seine Kunden über die Herkunft der Produkte. Eine Antwort darauf blieb die Doku wiederum schuldig. "Nicht auszuschließen, dass 'Brimnes' wie angegeben auch irgendwo in Litauen hergestellt wird", so die Off-Sprecherin.

Man hätte sich mehr gewünscht

Am Ende verfehlte der "Montags-Check im Ersten", für den die etablierte und informative, wenn auch recht angestaubte "Ratgeber"-Reihe aus dem Hauptprogramm der ARD geworfen wurden, seine Ziele. Echte Orientierung jedenfalls lieferte er kaum. Der Zuschauer erfuhr weder, ob man irgendwo bessere, günstigere oder fairere Produkte einkaufen kann, als bei Ikea, noch woran man dies als Verbraucher erkennen kann. Vor dem Hintergrund, dass die ARD selbst den "Montags-Check im Ersten" vollmundig als Start einer neuen "Verbraucheroffensive" angekündigt hatten, hätte man sich mehr Substanz gewünscht.

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