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Wein: Holzfass ade - Jetzt kommen "Betoneier"

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Wein  

Holzfass ade - Jetzt kommen "Betoneier"

01.10.2008, 18:10 Uhr | dpa / tze

Fränkische Winzer experimentieren mit den "Betoneiern". (Foto: dpa)Fränkische Winzer experimentieren mit den "Betoneiern". (Foto: dpa)Weintrinker kennen und lieben Silvanerwein. Dieser gärt seit neustem nicht nur in Holzfässern und Edelstahlbehältern, sondern auch in tonnenschweren "Betoneiern". Die Winzer Ludwig Knoll aus Würzburg und Rainer Sauer aus Escherndorf an der Mainschleife werden erstmals in Deutschland Weißwein in den eiförmigen Betonbehältern lagern. Das Ziel: Intensivere Aromen. Ob der Wein genießbar ist oder nach Beton schmeckt, werden Weinliebhaber wohl im Sommer 2009 feststellen können.

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"Betoneier" besser für Sauerstoff geeignet

"Durch den Beton gelangt Sauerstoff an den Wein, was zu einer besseren Reifung führt", erlklärt der Önologe Hermann Mengler. Der Fachberater für Kellerwirtschaft- und technik des Bezirks Unterfranken hat die Winzer auf die innovative Lagertechnik aufmerksam gemacht. Sauerstoff durchdringe zwar auch Holzfässer, jedoch bleibe so oft der unbeliebte Holzgeschmack erhalten. In den Edelstahlbehältern wiederum sei relativ wenig Reifung möglich. Die neutralen "Betoneier" ermöglichen laut Mengler überall einen gleichmäßigen Sauerstoffeinfluss und seien daher für die Sauerstoffzugabe besser geeignet.

"Es ist eben ein Experiment"

Die Idee für die ungewöhnliche Weinlagerung stammt aus Frankreich. Dort und in Spanien sind die "Betoneier" weit verbreitet - allerdings nur bei der Rotweinproduktion. "Mir ist keine Lagerung von Weißwein in solchen Behältern bekannt", sagt Mengler, der in der internationalen Weinszene vor zwei Jahren auf die sonderbaren Gefäße aufmerksam wurde. "Es ist eben ein Experiment".

Experten sind skeptisch

Wie riskant dieses Experiment für die Qualität des Weißweins ist, weiß niemand so genau. Auch Experten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) aus Veitshöchheim nahe Würzburg, die die Lagerung ebenfalls testen, haben Zweifel. "Ich bin extrem skeptisch, dass durch die dicke Betonschicht genügend Sauerstoff dringen kann", sagt LWG-Önologe Hans Jürgen Köhler. Für aussagekräftige Vergleiche lagert die LWG deshalb den aktuellen Jahrgang in den "Betoneiern" und parallel auch in Glas-, Kunststoff- und Edelstahlbehältern. "Gerade weil der Beton unbehandelt ist, könnte es sein, dass die Weinsäure das Material angreift und es dadurch zu vermehrter Kalziumaufnahme des Weins kommt", warnt Köhler.

Vorbeugemaßnahme mit Weinpaste

Um dem vorzubeugen, wollen die Weinbauern Knoll und Sauer ihre je 3000 Euro teure Investition zunächst mit einer Weinsäurepaste behandeln, bevor sie mit der Lagerung beginnen. Skeptisch sind sie nicht: "Es ist halt ein Abenteuer", sagt Sauer, und Knoll fügt hinzu: "Je länger ich mich mit der Technik befasse, umso begeisterter bin ich".

Weine sollen länger haltbar sein

Doch selbst wenn im nächsten Jahr die Verkoster begeistert sind - eine flächendeckende Verbreitung der außergewöhnlichen Lagergefäße schließt Weinfachmann Mengler aus: "Es geht nicht darum, die weit verbreiteten Edelstahlbehälter zu ersetzen". Die Lagerung in den "Betoneiern" diene ausschließlich der Verbesserung ausgewählter Spitzenweine. So soll etwa deren Langlebigkeit durch die Sauerstoffzufuhr gesteigert werden.

Wein könnte teurer werden

Sollte der Silvaner beim Geschmackstest im kommenden Jahr ein nachweisbar fruchtigeres und intensiveres Aroma entwickelt haben, wollen die Weinbauern ihren Testwein auch etwas teurer verkaufen. Mengler warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen: "Zunächst müssen wir sehen, was überhaupt aus dem Ei schlüpft".

Stuart Pigott: "Eine moderne Amphora"

Wein: Der Winzer Peter Jakob vergärt Weißweinen in Ton-Amphoren. (Foto: Andreas Durst)Der Winzer Peter Jakob vergärt Weißweinen in Ton-Amphoren. (Foto: Andreas Durst)

Die Lifestyle-Redation von t-online.de hat beim Weinkritiker Stuart Pigott nachgefragt, ob Wein aus Betonbehältern schmecken kann. "Diese "Betoneier" sind eine Art moderne Amphora. Und warum nicht?", meint Pigott und verweist auf Winzer, die diese oder ähnliche Methoden bereits anwenden: "Peter Jakob Kühn in Oestrich im Rheingau experimentiert seit ein paar Jahren mit der Vergärung von Weißweinen in echten Ton-Amphoren. In Friaul (Italien) vergärt Josko Gravner seit vielen Jahren seine Weißweine in Amphoren. Diese Methode führt zu enorm ausdruckstarken Weinen, die jenseits des normalen Geschmacksbild des Weißweins liegen. Hochinteressant finde ich sie auf alle Fälle", urteilt der Kenner.

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