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Oberbayern: Auf Feinschmecker-Tour am Tegernsee

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Auf Feinschmecker-Tour am Tegernsee

26.03.2012, 16:38 Uhr | Rasso Knoller/srt, srt

Oberbayern: Auf Feinschmecker-Tour am Tegernsee. Rottach-Egern am bayrischen Tegernsee. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rottach-Egern am bayrischen Tegernsee. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Region um den Tegernsee ist eine der beliebtesten Ferienregionen Bayerns. Dort erwartet den Gast aber nicht nur eine bezaubernde Landschaft. Auch die regional und lokal hergestellten Speisen und Getränke sind außergewöhnlich gut. Einige Produktionsstätten sind gleichzeitig Attraktion für Urlauber. In unserer Foto-Show sehen Sie die wichtigsten Genussgüter vom Tegernsee.

Bei Georg Eberhardt passt alles. Müsste man für ein Theaterstück die Rolle eines Bauernrebellen besetzen, der sich vehement gegen Bösewichte aus der Großstadt zur Wehr setzt, wäre er der ideale Darsteller. Mit dem altmodischen Begriff "stattlich" beschreibt man ihn wohl am besten. Groß und muskulös ist er; man sieht ihm an, dass er sein Geld nicht am Schreibtisch verdient. Markante Gesichtszüge und ein entschlossener Blick, hohe Lederstiefel, Trachtenjacke, blau-weiß kariertes Hemd und ein bayerischer Hut - und ganz stilecht ist Eberhardt im Pferdewagen vorgefahren.

Mit der Kutsche unterwegs

Lässig stellt er sein Fuhrwerk zwischen den Autos ab, die vor der Naturkäserei Tegernseer Land in Kreuth parken. Eberhardt ist stellvertretender Vorsitzender einer Milchbauerngenossenschaft, zu der sich 20 Hofbesitzer zusammengeschlossen haben.

Gemeinsam bieten sie dem Preisdruck durch Großabnehmer und Supermarktketten Paroli - und verkaufen ihren Heumilchkäse in einem neu erbauten genossenschaftlichen Verkaufszentrum am Rand der Gemeinde.

Urlauber beteiligen sich

Die Baukosten haben die Bauern gemeinsam aufgebracht. Aber auch Urlauber - Stammgäste, die immer wieder an den Tegernsee zurückkehren - haben Genossenschaftsanteile gezeichnet.

Heumilchkäse ist nicht irgendein Käse. Er ist ein ganz besonderes Naturprodukt. Das betont Eberhardt beim Rundgang durch die Käserei, die unter den Verkaufsräumen liegt, immer wieder. "Das Vieh steht im Sommer auf der Weide und wird im Winter mit Heu gefüttert", erklärt Eberhardt. Vom Winterfutter, dem Heu, hat der Käse auch seinen Namen. Futter aus der Silage oder Gärfutter sind tabu. Kunstdünger auf den Felder auszubringen ist ebenso verboten wie Flächenbespritzung. >>

"Wir verfüttern kein Milchpulver an die Kälber", erklärt Eberhardt, "jeder Stall wird kontrolliert". Massentierhaltung? Als Antwort auf diese Frage bekommt man von Eberhardt erst ein nachsichtiges Schmunzeln, dann die Antwort: "Mehr als 30 Kühe hat hier keiner auf der Weide stehen. Die meisten sogar weniger."

Biosiegel sind zu teuer

Ein Biosiegel können Eberhardt und seine Kollegen trotzdem nicht vorweisen. Da sind einmal die Kosten der Zertifizierung, die für kleine Höfe viel zu hoch seien, wie Eberhardt findet. Und dann ist da noch dieses urbayerische Misstrauen gegen alles, was aus der Stadt kommt. "Von einem Studenten, der direkt von der Uni kommt, möchte ich meinen Hof nicht inspizieren und zertifizieren lassen", sagt Eberhardt kämpferisch. Die Käserei sei eine Kombination aus Verkaufsstelle und Touristentattraktion, betont Hans Leo, der Vorsitzende der Genossenschaft.

"Viele unserer Gäste nehmen unseren Käse als essbares Souvenir mit nach Hause." So macht der Käse indirekt Tourismuswerbung für den Tegernsee. Man müsse etwas "Handfestes, etwas Identität Stiftendes anbieten, das die Gäste mit der Region in Verbindung bringen", so Leo. "Handfestes" im Sinne von Hans Leo produziert auch Andreas Liedschreiber. Der 44-jährige Bauer macht das, was seine Vorfahren schon seit 1870 tun: Er brennt Schnaps. Allerdings ist Liedschreiber nicht irgendein Schnapsbrenner, er hat eine Ausbildung zum Edelbrändesommelier hinter sich.

Guten Schnaps nicht kühlen

Für ihn ist Schnaps ein Genussmittel, mit der Betonung auf Genuss. Von einem eisgekühlten Klaren aus dem Kühlschrank hält er deswegen nichts. Bei Billigschnäpsen sei das allerdings noch die annehmbarste Lösung, denn "eisgekühlt" schmecke man am wenigsten vom schlechten Schnaps, sagt Liedschreiber. Die Kälte betäubt die Geschmacksnerven.

Dann erklärt er, wie man es richtig macht: "Gute Schnäpse muss man bei Zimmertemperatur trinken, so entwickeln sich die Aromen am besten." Weil es Liedschreiber auf den Geschmack ankommt, schenkt er seine Edelbrände in speziellen Gläsern aus. Die sind so gestaltet, dass man den Schnaps, bevor man ihn trinkt, auch riechen kann. Schnaps im "Stamperl" gibt es bei Liedschreiber nicht. Ihm ist es wichtig, dass seine Kunden etwas über das Produkt erfahren, das sie kaufen. Deswegen veranstaltet er auch regelmäßig Führungen durch seine kleine Hausbrennerei. Und wer will, der kann sich bei ihm sogar zum Schnapsbrennen anmelden.

Schokoladenmanufaktur ohne Großkunden

Auch in der Schokoladenquelle in Bad Wiessee führt der Chef nach Anmeldung selbst durch den Betrieb - und durch das kleine Kakaomuseum. Dabei glänzt Andreas Eybel mit Fachwissen. Bei Kakao, dem Ausgangsstoff für Schokolade, macht ihm so schnell keiner etwas vor. Er selbst bezieht seine Kakaoplatten von einem Großhändler aus Belgien. Sein Traum ist es zwar, direkt bei den Produzenten in den Herkunftsländern einzukaufen. Doch dafür ist sein Unternehmen zu klein. Eybel kommt es allein auf die Qualität seiner Produkte an. Dafür nimmt er auch finanzielle Einbußen in Kauf. Eine Zusammenarbeit mit Großkunden sei für ihn gar nicht möglich, sagt Eybel: "Die fordern ein Haltbarkeitsdatum von mindestens neun Monaten - und das ist mit frischen Produkten, wie wir sie verwenden, gar nicht machbar." Wie in der Naturkäserei und bei der Destillerie Liedschreiber sind auch viele von Eybels Kunden Touristen. Die meisten haben im Urlaub das erste Mal seine Edelschokolade gegessen - und bestellen jetzt übers Internet Nachschub. Sehen Sie sich die kleinen Betriebe am Tegernsee in unserer Foto-Show an.

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