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Moskauer Idee: Kaviar aus dem Automaten

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Moskauer Idee: Kaviar aus dem Automaten

17.02.2012, 19:21 Uhr | cr (CF)

Darf es aus Automaten immer nur Zigaretten oder Kaugummis geben? Kaviar aus dem Automaten wäre doch auch mal nicht schlecht, hat man sich in Moskau gedacht. Doch deswegen ist Kaviar noch nicht wieder zu einem Massenprodukt geworden.

Russland ist berühmt für seinen Kaviar. Doch die große Zeit des Kaviarkonsums ist schon eine Weile her. In der Endphase der Sowjetunion wurden noch über ausend Tonnen Kaviar pro Jahr exportiert. Zahlen über den damaligen Verzehr im Inland sind dabei nicht einmal bekannt: Er wurde aber in rauen Mengen verzehrt und durfte bei keinem Fest fehlen. Um so mehr, als nicht nur andere Delikatessen, sondern auch viele Güter des täglichen Bedarfs Mangelware waren. Heute dagegen exportiert Russland, nachdem einige Jahre ein völliger Exportstopp verhängt worden war, nur noch die symbolische Menge von 150 Kilogramm.

Das ist das traurige Ergebnis gnadenloser Überfischung und kurzsichtiger Umweltverschmutzung. Und dabei handelt es sich hierbei nur um Kaviar aus Zuchtstationen, die neuerdings auch in Russland aufgekommen sind. Und keineswegs, wie man hoffen könnte, um den berühmten Almas-Kaviar des Beluga-Störs, der – nach der in den 1980er Jahren von Peter Rebeitz eingeführten Klassifizierung – von 60 bis 80 Jahre alten Exemplaren stammt. >>

Die ebenfalls schwarzen Imperial- und Royal Black Kaviars werden hingegen vom mittelalten beziehungsweise jungen Ossietra-Stör entnommen. Roter Kaviar dagegen stammt vom Lachs und ist bedeutend häufiger und günstiger.

Nachdem es in Moskau und Sankt Petersburg schon seit einiger Zeit möglich ist, Kaviar übers Internet zu bestellen und sich wie eine Pizza nach Hause liefern zu lassen, ist jetzt also die nächste Stufe erreicht. Kaviar aus dem Automaten. Natürlich bekommt man keinen Beluga-Kaviar aus dem Automaten. Denn allein für normalen pasteurisierten (also zur Haltbarmachung auf 60 Grad erhitzten) schwarzen Kaviar aus einer Aquakultur muss man schon 5.000 Rubel, also etwa 125 Euro, hinblättern, während man eine 140-Gramm-Konserve roten Kaviar aus dem Automaten schon für 350 Rubel bekommt.

Die Betreiberin der Ikramaten, wie die Kaviarautomaten auf Russisch heißen, beteuert allerdings, dass die Qualität tadellos sei und er sich im gekühlten Automaten bis zu einem Jahr halte. In der Tat ist das Misstrauen in Russland gegenüber schlechtem Kaviar groß. Erst zum Jahreswechsel berichtete die russische Nachrichtenagentur Rian darüber, dass im Kühlraum einer Petersburger Leichenhalle, die sogar in Betrieb war, Kaviar gelagert wurde. Die festgenommenen Panscher beteuerten, er sei nur für den Eigenbedarf gewesen. Dann also doch lieber Kaviar aus dem Automaten.

Wie Sie guten Kaviar erkennen

Allerdings ist es auch bei Kaviar aus dem Automaten wichtig zu wissen, woran man guten Kaviar erkennt. Üblicherweise wird Kaviar mit Salz haltbar gemacht. Dabei wird zwischen Malossol-Kaviar und Salzkaviar unterschieden, wobei malossol auf Russisch einfach nur leicht gesalzen bedeutet. Die Sorten haben einen Salzgehalt von sechs beziehungsweise zwölf Prozent. Wenn Sie nun endlich – ob am Automaten oder nicht – Ihre Dose Kaviar öffnen, sollten keine Eier am Deckel kleben bleiben. Dies wäre ein Zeichen dafür, dass der Kaviar nicht luftdicht verpackt war. Zwar muss er deswegen nicht aus einer Petersburger Leichenhalle stammen, doch kann er sehr wohl nicht mehr für den Verzehr geeignet sein. >>

Allerdings sind panische Überreaktionen auch deplatziert. Im Zweifel genügt es, einen Wodka mehr zum Desinfizieren zu trinken. Ansonsten empfehlen die Russen, Kaviar auf einem leicht mit Butter bestrichenen Weißbrot zu essen oder auf einem "Bliny", einem hauchdünnen Hefepfannkuchen, seines Zeichens russisches Nationalgericht. Weißbrot und Blinys gibt es allerdings noch nicht im Automaten, doch dafür verkaufen viele russische Fast-Food-Ketten Blinys auch mit Kaviar.

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