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Kolumne des GQ-Autors Peter Praschl - Teil 1: Zauberhack

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Zauberhack

25.10.2013, 15:22 Uhr | GQ-Autor Peter Praschl

Kolumne des GQ-Autors Peter Praschl - Teil 1: Zauberhack. Der Dean-Martin-Burger spendet Männern in schweren Stunden Trost, meint GQ-Autor Peter Praschl. (Quelle: iStock)

Der Dean-Martin-Burger spendet Männern in schweren Stunden Trost, meint GQ-Autor Peter Praschl. (Quelle: iStock)

Burger spenden Trost. Der Dean-Martin-Burger ganz besonders, meint GQ-Autor Peter Praschl.

Foto-Serie mit 5 Bildern

Ich traf mich mit Tom. Tom ist einer meiner echtesten Freunde. Das bedeutet, dass wir uns nur alle paar Monate sehen, um in einer verschrabbelten Bar das Nötigste miteinander zu reden. Also fast gar nichts. Mit den Jahren sind wir immer schweigsamer geworden, weil wir uns mittlerweile gut genug kennen, um nicht immer wieder bei null anfangen zu müssen. Und, fragte ich. Gut, sagte Tom. Selbst?

Mir ging es prächtig. Meine kleine Tochter hatte das Gehen gelernt, bald würde sie so weit sein, dass ich ihr aus meinen Lieblingsromanen vorlesen könnte. Ich hatte mich verlobt. Die Politiker waren immer noch so langweilig, dass man sich mit ihnen nicht abgeben musste. Im Sommer würde ich wieder in Paris sein. Ich hatte mehr als 200 DVDs gebunkert, die ich noch nicht gesehen hatte. Es war ein gutes Leben.

Auch gut, sagte ich. Dann schwiegen wir wieder. So aufgehoben hatte ich mich lang nicht mehr gefühlt. >>

Und Sophie, fragte ich nach einer halben Stunde. Sophie war die Frau, in die Tom verliebt war, jedenfalls war er es vor fünf Monaten noch gewesen. Ich habe ihr einen Antrag gemacht, sagte er.
Ich musste lachen. Sie ist perfekt, sagte er. Da wäre ich schön dumm, sie wieder ziehen zu lassen. Definiere mal perfekt, sagte ich. Wir wollten doch schweigen, sagte Tom. Seit wann sind wir Männer, die sich an die eigenen Regeln halten, fragte ich.

Sie erträgt mich. Sie kann besser fluchen als du. Sie ist nie unfreundlich zu Armen, Alten und Müttern. Es ist okay für sie, dass ich bis zwölf nicht auf dem Posten bin. Sie kann dreckige Witze. Sie verlangt nicht von mir, dass ich ihre Freundinnen mag. Sie druckst nicht herum, wenn sie etwas unerträglich findet. Sie muss sich nicht erst schminken, bevor sie zum Bäcker geht. Sie macht sich lustig über mich. Ich schaue ihr gern beim Nachdenken zu.
Sie schreibt Leuten, deren Bücher sie gut findet, E-Mails. Sie lässt sich von mir nichts gefallen.
Sie kann Schach spielen. Sie prustet los, wenn ich ihr mal wieder die Welt erklären will. >>

Sie…Tom, sagte ich. Was ist? Entschuldigung, dass ich dich unterbreche. Aber wir sind hier in meiner Kochkolumne. Aber das Essen ist doch der Grund, warum ich ihr meinen Antrag gemacht habe. Sie ist nämlich auch eine fantastische Köchin. Ich habe es bloß bis zu diesem Abend kurz vor Weihnachten nicht gewusst. Ich war fertig, weil der Kunde auch meinen 20. Text über diesen dämlichen linksdrehenden Joghurt abgelehnt hatte. Ich war so fertig, dass ich aus Wut und Müdigkeit geheult habe, obwohl ich sonst nie heule, irgendwann habe ich es wohl vergessen. An diesem Abend ist es mir wieder eingefallen, es war alles so sinnlos. Sophie schüttelt den Kopf, steht auf, verzieht sich in die Küche und stellt mir eine Viertelstunde später ein Tablett hin und sagt: Das brauchst du jetzt. Was? Das wirst du sicher nicht verstehen. Das versteht man nur, wenn man ganz unten ist. Aber dann versteht man es sofort. Sag schon, sagte ich. Der Martin Burger. Das Rezept hat sie irgendwo aus dem Internet gefischt.

Das Rezept

Es sind Dean Martins Anweisungen für einen Burger, er hat sie 1967 auf ein Blatt Papier getippt. Der Dean Martin? Ja, genau. Es ist das einzige Rezept, das ich mir je gemerkt habe. Nehmen Sie ein halbes Kilo Rinderhack, formen Sie vier Hamburger daraus, die Sie auf jeder Seite vier Minuten lang in einer Pfanne grillen, deren Boden Sie zuvor mit ein wenig Salz bestreut haben. Servieren Sie das zusammen mit einem Glas gekühlten Bourbon.

Das ist alles? Ja. Aber es ist die Vollkommenheit. Nichts steht zwischen dir und ihr, kein Salatblatt, kein Brot. Ein Mann, dem es schlecht geht, ein Fleischklops und ein Glas Bourbon. Verstehst du? Ja, sagte ich. Dann schwiegen wir wieder. Ich war sehr glücklich, mit Tom befreundet zu sein. >>

5 sehr minimalistische Gerichte

Ein Drei-Gänge-Menü mit passenden Weinen kann wahnsinnig toll sein. Oft sehnt man sich aber nach dem Einfachsten. Deshalb hier: fünfmal ein Gang Thunfisch-Sashimi und Whiskey: In den Stunden um Mitternacht. Dazu Jazz hören. Später die Flasche leeren und zu viele Zigaretten rauchen Rührei mit Schnittlauch und Trüffel: Danach haben Sie wieder Kraft - für die Wanderung ans Ende der Welt, das Tor im EM-Finale, so Sachen eben Kartoffelpüree und Kürbiskernöl: Ein wunderbares Trostessen, das die Kälte vertreibt, erstaunlicherweise sogar die in Ihrem Inneren Spaghetti aglio e olio: Verdammter Klassiker. Kein großer Aufwand, die Zutaten hat man sowieso immer zu Hause, aber seelisch macht es sehr viel her Baguette mit Olivenöl und Pecorino: Die Stulle des arbeitenden Mannes, der sich nach dem Sommer und der Sonne sehnt wie ein Kind nach Weihnachten Diese und viele weitere spannende Analysen von Peter Praschl finden Sie auch auf GQ.de.

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