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Curry: Warum Männer wegen Würstchen weinen

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"Reiner Selbstzerstörungstrieb"  

Wenn die Currywurst zur Mutprobe wird

31.07.2014, 13:32 Uhr | t-online.de, dpa

Curry: Warum Männer wegen Würstchen weinen. Frank Spieß serviert extrem Scharfe Currywürste. Viele seiner Gäste suchen die Mutprobe.  (Quelle: dpa)

Frank Spieß serviert extrem Scharfe Currywürste. Viele seiner Gäste suchen die Mutprobe. (Quelle: dpa)

Schärfe ist kein Geschmack, sondern ein Schmerz. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist der Verzehr von extrem scharfer Currywurst zu einem Kult geworden.

Frank Spieß serviert in Berlin-Wedding Schmerzen auf weißen Papptellern. "Hier dürfen auch Männer weinen", steht auf seinem dunkelblauen Pulli. Dazu kommt es regelmäßig, denn er bringt höllisch scharfe Currywürste an den Mann.

Sein Gast Felix Jentsch wird mit jedem Bissen stiller. Die Hände zittern ein bisschen, auf seinen Augen liegt ein glasiger Film. Er kaut weiter, schiebt sich mit seiner Plastikgabel das nächste Stück Wurst in den Mund. Der 22-Jährige hat die an Schärfe kaum zu überbietende Nummer Zehn bestellt.

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Kakao gegen Magendrücken

An die Qual durch Schärfe kann sich der Körper gewöhnen. Wichtig ist dabei jedoch, sich langsam an die erhöhten Scoville (Maßeinheit für Schärfe) heranzutasten. So ist auch Felix Jentsch vorgegangen: Ein halbes Jahr arbeitete der Publizistik-Student auf diesen Moment hin, er kam immer wieder zum Training, hat seine Würste jedes Mal eine Stufe schärfer bestellt. Nach der Nummer Neun hatte er einen ganzen Tag lang Magengrummeln.

Jetzt also die Zehn. "Reiner Selbstzerstörungstrieb", sagt sein Kollege, der das schmerzhafte Schauspiel mit seinem Handy filmt. Nach zwei Minuten schluckt Jentsch den letzten Bissen runter, schnäuzt sich und hält seinen Bauch. Das ist der Moment, in dem die Schärfe in die Magengrube kriecht und das Chili-Extrakt an den Schleimhäuten ätzt. Es ist der Moment, in dem Jentsch seine Bestellung vermutlich bereut. "Es drückt und rumort", sagt er und krümmt sich ein wenig. Dann stöhnt er und bestellt sich einen halben Liter Schokomilch.

Grafik: Lebensmittel und Schärfegrade. (Quelle: dpa)Grafik: Lebensmittel und Schärfegrade. (Quelle: dpa)

Im schlimmsten Fall droht ein Schock

Spieß sieht das Leid jeden Tag: Atemnot, Schweißausbrüche, Schluckauf, Magenkrämpfe. Und dann erst das Brennen im Mund. All das sind typische Nebenwirkungen von scharfem Essen. Im schlimmsten Fall kann die Schärfe zu Kreislaufbeschwerden mit Schock führen. Das gilt besonders für Soßen, die das Chili-Extrakt Oleoresin enthalten und oft Namen tragen wie "Death" oder "Suicide". Wer diese Soßen probiert, muss auch damit rechnen, Atembeschwerden oder Blasen im Mund zu bekommen und sich spontan zu übergeben.

Auch die Soßen-Sammlung in der Wurstbude von Spieß lässt nichts Entspanntes für den Magen ahnen: Zehn dunkelrote Fläschchen reihen sich auf dem Podest, sie heißen "Fire Blaster", "Scream Hot Sauce" oder "Jolokia Nightmare".

Tabasco im Vergleich zu "Gold Edition" mild

Auf jeder Flasche steht eine Scoville-Zahl mit vielen Nullen. Tabasco hat bis zu 8500 Scoville, das Chili-Extrakt Oleosin bringt rund ein bis zwei Millionen Scoville mit sich, Polizei-Pfefferspray birgt fünf Millionen. Darüber kann Spieß nur lachen. Ganz oben auf seiner Treppe thront eine kleine Flasche mit der Aufschrift "Gold Edition", gefüllt mit einer pechschwarzen Flüssigkeit. Die Nummer Zehn. 7,7 Millionen Scoville.

Verbraucherschützer, wie etwa das Verbraucherportal Baden-Württemberg kritisieren, dass Schärfegrade, Gefahren und die Dosierungsanweisung "nur tropfenweise" oft nicht deutlich genug auf den Packungen solcher extremen Chilisoßen angegeben sind. Auch die hohe Konzentration wird auf dem Portal vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, der Verbraucherzentrale und dem Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz kritisiert. Höchstwerte wurden bislang nicht festgelegt. Allerdings wurden Soßen mit einem Scoville-Gehalt von mehr als 100.000 als "unsichere" Lebensmittel eingestuft.

Schärfe in Maßen gesund

Ob man sich Magenschmerzen, Brennen und Durst wirklich antun möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer einen einen empfindlichen Magen hat, sollte ganz auf scharfe Speisen verzichten. Scharfe Gewürze fördern die Magensaftproduktion und führen bei empfindlichen Menschen zu Magen-Darm-Problemen und Sodbrennen.

Für alle anderen ist Schärfe in Maßen - damit ist maximal Tabasco gemeint - sogar gesund: Sie fördert beispielsweise die Verdauung, wirkt antibakteriell und beugt so Darminfektionen und Durchfall vor. Ist ein Gericht doch zu scharf, kann man das Feuer im Mund mit Brot, Reis oder fetthaltigen Milchprodukten wie Joghurt, Käse, Milch - oder eben Kakao mildern.

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