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Studie  

Babys schreien in ihrer Muttersprache

05.11.2009, 11:20 Uhr | dpa

Babys schreien in ihrer Muttersprache. Drei schreiende Babys.

Babys schreien in ihrer Muttersprache. (Bild: dpa)

Deutsche Babys schreien anders als französische - nämlich in ihrer Muttersprache. Insbesondere Melodie und Rhythmus der Laute unterscheiden sich. Grund: Die Neugeborenen haben im Mutterleib die Sprache ihrer Eltern verinnerlicht und damit auch deren Betonung.

Babys bevorzugen für ihre Muttersprache typische Melodiemuster

Das haben Forscher um die Würzburger Wissenschaftlerin Kathleen Wermke herausgefunden und im Fachjournal "Current Biology" beschrieben. "Die Neugeborenen bevorzugen genau diejenigen Melodiemuster, die für ihre jeweiligen Muttersprachen typisch sind", sagte die Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen am Würzburger Universitätsklinikum.

60 Neugeborene aus Deutschland und Frankreich

Wermke hat mit ihrem Team das Geschrei von 60 Neugeborenen aus Deutschland und Frankreich studiert, die drei bis fünf Tage alt waren. Mikrofone zeichneten das Weinen der Jungen und Mädchen auf, ein Computer ermittelte später Frequenzspektren, Melodiekontur sowie die maximale Tonhöhe. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Schreimelodie der deutschen Säuglinge häufiger mit einem anfänglichen Maximum beginnt - zum Ende hin fällt diese Kurve ab.

Französische Babys betonen Enden, deutsche den Anfang

Die französischen Babys schreien dagegen öfter in ansteigenden Melodien und betonen damit das Ende stärker. In Frankreich rufen Kinder beispielsweise nach dem "Papá", während die Deutschen nach ihrem "Pápa" verlangen. "Die melodischen Charakteristiken beider Sprachen sind auch im Babyschreien wiederzufinden", erläuterte Wermke. "Auch deutsche Babys haben entbetonte Melodien", aber im Durchschnitt orientierten sie sich an der Intonation ihrer Muttersprache und betonten am Anfang stärker.

Beginnt der Spracherwerb mit der Melodie beim Schreien?

Dass Kinder bereits im Mutterleib die Stimme der Eltern erkennen, ist schon lange bekannt. Wermke will die Theorie belegen, "dass der Spracherwerb bei unseren Kindern im Vergleich zu nichtmenschlichen Primaten mit der Melodie beim Schreien beginnt". Babys seien in der Lage, ihre Schreimelodie zu variieren in verschiedenen Rhythmen - und dabei das im Mutterleib gehörte umzusetzen. Dies seien keine reflexiven, monotonen Lautäußerungen. Möglicherweise tragen die Erkenntnisse dazu bei, Sprachdefizite frühzeitig zu entdecken.

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