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Baby-Blues bei Männern: Wenn der Vater eifersüchtig auf das Baby ist

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Partnerschaft  

Baby-Blues bei Männern: eifersüchtig auf das eigene Kind

09.09.2016, 16:50 Uhr | dpa-tmn

Baby-Blues bei Männern: Wenn der Vater eifersüchtig auf das Baby ist. Nebenbuhler Kind: Eifersucht des Vaters kann die Beziehung belasten. (Quelle: dpa/tmn/Bildagentur-online/Tetra Images)

Nach der Geburt eines Babys spielt der Mann oft erstmal die Nebenrolle. (Quelle: Bildagentur-online/Tetra Images/dpa/tmn)

Der Baby-Blues trifft nicht nur Mütter. Auch Väter können nach der Geburt an Depressionen erkranken. Schuldgefühle, Ängstlichkeit, Unruhe sowie Antriebslosigkeit sind erste Anzeichen für die Krankheit. Halten die depressiven Verstimmungen an, sollten sich Männer Hilfe bei einem Psychiater suchen, rät die Anette Kersting von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Je früher die Beschwerden behandelt werden, umso größer ist der Therapieerfolg.


tmn: Spontane Kinobesuche, Kuscheln auf dem Sofa, ungestörte Nächte - mit der Geburt eines Kindes sind solche Paarrituale erstmal passé. Die neue Lebenssituation ist für die meisten frischgebackenen Eltern eine echte Herausforderung. Denn: Wie sehr ein Kind das Leben eines Paares verändert, merkt man erst, wenn es da ist. "Dabei kann es durchaus zu Eifersuchtsgefühlen kommen", sagt Gabriele Aigner, Familientherapeutin in München.

Und das beginnt schon in der Schwangerschaft: "Die werdende Mutter erlebt sich neu und ist sehr mit sich beschäftigt. Da kann sich der Partner zurückgesetzt fühlen." Unternehmungen, die das Paar sonst sehr verbunden haben, sind jetzt weniger wichtig. Hinzu kommt: Nicht immer freut sich der Partner auf die Elternschaft.

Meistens sei den Männern aber bewusst, dass diese Gefühle sehr irrational und auch ungerecht sind. "Eifersucht kann ein Zeichen für die Unsicherheit sein, mit den Veränderungen umzugehen. Es ist wichtig, darüber zu reden", sagt Aigner.

Mit der Geburt des Kindes kann sich die Situation noch einmal zuspitzen: "Die Mutter ist allein durch die körperlichen Anforderungen sehr auf das Kind fixiert", erklärt Alexandra Costa, Psychologin in Hamburg. Dazu kommt ein weiteres Problem: Der Sex läuft in den ersten Wochen nach einer Geburt - wenn überhaupt - nur noch auf Sparflamme. "Bei 24-Stunden Babybetreuung sind die Frauen oft sehr erschöpft", sagt Manuela Rauer vom Deutschen Hebammenverband in Berlin.

Wie sehr ein Kind das gewohnte Paarleben auf den Kopf stellt, erlebt man sicher erst in allen Nuancen, wenn es soweit ist. "Geburtsvorbereitungskurse helfen Paaren aber, schon mal eine Ahnung zu bekommen", sagt Rauer. Welche Umstellungen kommen auf uns zu? Wie ändern sich unsere Rollen? "Männer, die sich im Vorfeld damit auseinandersetzen, kommen in der Regel besser mit der neuen Situation klar." Wichtig ist dabei: Frauen sollten ihren Partner so oft wie möglich einbeziehen. Je mehr Zeit Väter mit ihrem Kind verbringen und je stärker sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden, desto geringer sei die Gefahr von diffusen Eifersuchtsgefühlen.

Auch wenn es irgendwie blöd erscheint, eifersüchtig aufs Kind zu sein: "Man muss es ansprechen. Damit lässt sich dann vieles gut klären", erklärt Familientherapeutin Aigner. Wenn sich bei Müttern wirklich nur noch alles ums Kind dreht, hätten Partner durchaus das Recht, eine Grenze einzufordern: "Eine glückliche Familie braucht glückliche Eltern, deshalb ist es wichtig, für gemeinsame Paarzeit zu sorgen." Mindestens einmal wöchentlich sollte das Paar eine Auszeit ohne Kind haben.

Doch auch bei älteren Kindern kann es passieren, dass ein Elternteil sich zurückgesetzt fühlt, etwa wenn es sich immer nur von der Mutter trösten lässt oder Geheimnisse mit dem Vater hat. "Dann muss man schauen, woran das liegt", sagt Costa. Ist der andere Elternteil vielleicht verständnisvoller oder hat in letzter Zeit einfach mehr Freizeit für das Kind gehabt? "Dann kann man gezielt versuchen, Defizite auszugleichen", rät Rauer. Der berufstätige Vater, der unter der Woche erst spät nach Hause kommt, kann etwa am Wochenende einen Vater-Sohn-Tag machen, um die Beziehung wieder zu stärken.

"Meistens ist es aber ganz normal, dass sich Kinder eine Zeit lang stärker zu einem Elternteil hingezogen fühlen", sagt Costa. Wichtig sei nur, dass nicht immer ein Elternteil negativ besetzte Rollen übernimmt, während der andere alles erlaubt.


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Eifersüchtig auf das eigene Kind

Für Männer ändert sich zwar weder hormonell etwas noch haben sie nach der Geburt mit körperlicher Erschöpfung und Umstellung zu kämpfen. Trotzdem ist die Zeit nach der Geburt für viele Väter sehr schwierig: In dieser Phase dreht sich in der Familie alles um Mutter und Kind. Der Vater wird plötzlich zur Randfigur. Statt, dass er, wie man es erwarten mag, stolz und pflichtbewusst sich seiner neuen Rolle widmet, reagiert er mit Eifersucht auf die Beziehung von Mutter und Baby. Während der Mann in den meisten Fällen nach kurzer Zeit wieder seiner gewohnten Arbeit nachgeht, beginnt für die junge Mutter ein komplett neues Leben, in dem die Partnerschaft künftig nicht mehr absolute Priorität genießen kann.

Kein Platz mehr für den Mann

Dass die Geburt eines Kindes für eine Partnerschaft immer auch eine große Herausforderung bedeutet, wird von vielen werdenden Eltern unterschätzt. Häufig dauert es eine gewisse Zeit, bis die betroffenen Männer sich eingestehen, dass man nach all der Arbeit, die man in die Familienplanung, den Umbau der Wohnung und das Herrichten des Kinderzimmers gesteckt hat, jetzt ausgerechnet wegen des Kindes frustriert ist und sich zunehmend überflüssig fühlt. Die Frauen schenken in dieser Zeit ihre Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit fast ausschließlich dem Kind. Für den Mann bleibt wenig Platz und nicht selten wünscht er sich insgeheim die Frau zurück, die noch vor der Geburt des Babys seine Geliebte war oder denkt sogar ans Fremdgehen.

Veränderung im Leben erschüttert die Seele

Gehäuft treten psychische Beschwerden bei Männern etwa drei bis sechs Monate nach der Geburt auf. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine depressive Erkrankung der Partnerin das Risiko für den Vater erhöht, selbst eine Depression zu entwickeln. Die genauen Ursachen sind noch ungeklärt. Experten nehmen jedoch an, dass der aufwühlende Eindruck der Geburt, ein gestiegenes Verantwortungsgefühl und hohe Erwartungen an sich selbst die Erkrankung auslösen können. Hinzu kämen Stressoren wie das das Schlafdefizit und körperliche Erschöpfung. "Wie ein Verlustereignis oder ernste finanzielle Probleme kann auch eine eigentlich erwünschte Veränderung des Lebens seelisch sehr Erschüttern und eine depressive Episode auslösen", sagt Anette Kersting.

Flucht in den Job

Wie der Psychoanalytiker Hans-Geert Metzger gegenüber der schweizerischen Familienzeitschrift "Wir Eltern" erklärt, sind zwei Reaktionen typisch für Männer, die sich in dieser Situation befinden: Entweder sie konkurrieren mit dem Kind um die Aufmerksamkeit der Partnerin beziehungsweise Mutter. Oder aber sie flüchten sich zunehmend in den Beruf und schieben die Karriere vor, um so einen großen Sicherheitsabstand zur Welt des Kindes herzustellen. Oft behaupten Männer auch, dass sie mit einem Kind erst dann richtig etwas anfangen können, wenn es laufen und sprechen kann. Doch bis es soweit ist, könnte es auch schon zu spät sein. Bis dahin könnte die Distanz zur Partnerin und dem Kind schon so groß geworden sein, dass die Beziehung zu scheitern droht. Wie der Mann auf die neue Belastung der Frau nach der Geburt reagiert, beeinflusst in vielen Fällen den weiteren Verlauf der Partnerschaft wesentlich. Darauf haben schon mehrere Studien hingewiesen.

Notfalls professionelle Hilfe suchen

Experten sagen, dass sehr viel davon abhängt, ob der Mann die Entwicklung von der reinen Partnerschaft zur Elternschaft gemeinsam mit der Frau durchmacht. Wird er von Eifersuchtsgefühlen geplagt, sollte er ganz offen und direkt das Gespräch mit seiner Partnerin suchen und aussprechen, wie er sich fühlt - auch dann, wenn er die junge Mutter eigentlich nicht mit den eigenen Problemen belasten will. Ignoriert oder unterdrückt der Vater stattdessen seine eigene Eifersucht wird das nur zur Folge haben, dass er sich übel gelaunt der Partnerin und dem Kind gegenüber verhält und sich so weiter von seiner Familie entfernt. In schweren Fällen ist es womöglich sinnvoll, die Probleme bei einem professionellen Therapeuten oder in einer Selbsthilfegruppe aufzuarbeiten.

Taten statt nur Worte

Am wichtigsten ist es jedoch, dass der Vater beginnt selbst ein enges Verhältnis zu dem Baby aufzubauen. Hier bewirken Taten meist mehr als Worte: So sollte der Vater gerade Aktivitäten mit dem Kind durchführen, bei denen es zu Hautkontakt kommt wie zum Beispiel Baden, Schmusen, Spielen, Windeln wechseln oder ins Bett bringen. Wenn die stillende Mutter abgepumpt hat, kann der Vater dem Baby beispielsweise auch die Flasche geben. Unabhängig von der Partnerin kann auf diese Weise die Beziehung zum Kind vertieft und die Eifersuchtsgefühle nach und nach verdrängt werden. Außerdem schafft dies für die Mütter ein Stück Freiheit und die Möglichkeit auch einmal nur an sich zu denken.



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