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Babyboom an der Elbe

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Babyboom an der Elbe

26.08.2010, 14:05 Uhr | dapd

Erst der Geburtenknick, jetzt der Babyboom: In den ersten Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung vor bald zwei Jahrzehnten kamen in Ostdeutschland kaum noch Babys auf die Welt. In Dresden kommen inzwischen so viele Kinder auf die Welt wie in keiner anderen deutschen Großstadt. Ein großes Plus ist das dichte Kita-Netz. Dresden treibt den Ausbau der Betreuungsplätze vorbildlich voran.

Babyboom nach dem Geburtenknick

Angesichts des gesellschaftlichen Umbruchs waren für viele junge Paare Kinder erstmal kein Thema. Die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen gehört Kinderkriegen zumindest in ostdeutschen Ballungszentren fast zum guten Ton. Dresden rühmt sich sogar damit, Deutschlands Geburtenhauptstadt zu sein. Im Rathaus der Elbstadt verweist man stolz auf einen vor kurzem veröffentlichten Vergleich unter den 15 größten deutschen Kommunen. Danach kamen in der sächsischen Landeshauptstadt - bezogen auf die Einwohnerzahl - die meisten Kinder auf die Welt: 110 pro 10.000 Einwohner. 109 waren es in München und 107 in Frankfurt am Main. Auf den letzten Plätzen lagen weit abgeschlagen Duisburg und Bremen mit je 83 Neugeborenen. Dass in Dresden nach jahrelanger Flaute vergleichsweise viele Kinder geboren werden, scheint kein Zufall zu sein. Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung betont, Dresden sei Landeshauptstadt und Touristenanziehungspunkt. Das treibe die wirtschaftliche Entwicklung voran, weil hohe Einkommen erzielt werden könnten. "Das macht die Stadt dann eben auch attraktiv für Zuwanderer."

Attraktiv für junge Zuwanderer

Nach Angaben der Statistiker ziehen überdurchschnittlich viele junge Leute aus dem In- und Ausland seit ein paar Jahren nach Dresden. Andererseits wandern nur vergleichsweise wenige junge Einheimische ab. "Dresden hat eine Menge zu bieten, so einfach ist das", sagt Stadtsprecher Kai Schulz. Tatsächlich kann die Halbmillionenstadt mit barocker Pracht in der Altstadt, weltberühmten Kunstsammlungen und einer üppigen Kulturlandschaft aufwarten.

Außerdem siedelten sich nach dem Mauerfall zahlreiche High-Tech-Firmen und Forschungsinstitute an, die als Arbeitgeber interessante Stellen bieten. Auch die Uni gilt als eine der attraktiveren in den neuen Ländern. Ein Pfund, mit dem Dresden wuchern kann, ist zudem das dicht geknüpfte Netz an Einrichtungen für Kinder im Vorschulalter. Im Krippenbereich bis zum Alter von knapp drei Jahren könnten bereits die meisten Wünsche nach einem Betreuungsplatz erfüllt werden, sagt Schulz. "Und für das Kindergartenalter garantiert die Stadt sogar allen einen Platz." Verhältnisse, von denen Eltern in vielen westdeutschen Städten nur träumen können, wenn sie ebenfalls versuchen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu kriegen.

"Klima hat sich gedreht"

Dresden zögerte lange, nun treibt die Stadt den Aus- und Neubau mit Millionenaufwand voran. Allein zwischen 2009 und 2011 entstehen demnach 3500 Plätze für die Knirpse neu. Derzeit gibt es rund 8000 für Krippenkinder und weitere 19.000 für die Drei- bis Sechsjährigen. In den Klassenzimmern wird es nun allerdings mancherorts eng. Mussten zwischen 1995 und 2005 etliche Schulen dichtmachen, weil die Kinder fehlten, wird es zunehmend schwieriger, die neuen Schüler unterzubringen. Sogar über Unterricht im Container denkt man im Rathaus bereits nach. Trotz der neuen Probleme entschließen sich immer mehr Paare, Kinder zu bekommen. "Das Klima in der Stadt hat sich gedreht", glaubt Schulz.

Im bunten Szeneviertel Neustadt sind inzwischen große Wohnungen bereits Mangelware. "Hier etwas zu kriegen, ist fast wie ein Sechser im Lotto", stöhnt eine 33-jährige dreifache Mutter aus dem Stadtviertel, die seit Monaten auf der Suche nach einer etwas größeren Bleibe ist. Insgesamt kamen in Dresden im vergangenen Jahr 6.904 Kinder auf die Welt. In diesem Jahr werden es wohl kaum weniger sein. So wurden in der Uniklinik im Juli 241 Babys entbunden - so viele waren es dort zuletzt im Mai 1976. Auf der Geburtsstation sei es angesichts dieser Entwicklung gelegentlich recht eng, gesteht Frauenklinik-Direktor Wolfgang Distler. Dabei wurde dort vor ein paar Monaten gerade erst ein fünfter Kreißsaal eingerichtet.

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