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Babymilchpulver - Chinesen kaufen Läden leer

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Babymilchpulver  

Chinesen kaufen Läden leer

18.04.2013, 18:31 Uhr | dpa, AFP

Babymilchpulver - Chinesen kaufen Läden leer. Babynahrung; Baby (Quelle: Archiv)

Babymilchpulver aus Deutschland hat einen guten Ruf und ist weltweit begehrt und lin manchen Städten schon knapp. (Quelle: Archiv)

Ausländisches Babymilchpulver ist heiß begehrt in China - und das hat drastische Folgen in Läden von Europa bis Australien. Regale sind leergekauft, die Nachfrage nach dieser Babynahrung übersteigt das Angebot. Verantwortlich dafür sollen Netzwerke privater chinesischer Händler sein, die Milchersatz aufkaufen und in ihre Heimat verschicken. Aber selbst sie stoßen inzwischen an Grenzen.

Warum Milchpulver rationiert wird

"Es wird schwieriger, Milchpulver zu finden. Für jede Packung muss ich weiter laufen", sagt eine Chinesin mit dem Nachnamen Shao, die irgendwo in Deutschland lebt und Babymilch über das Internet zum Verkauf anbietet. Sie gehört zu jener kleinen Armee von Geschäftsleuten, die überall in Europa an ihren Wohnorten die Bestände aufkaufen und Händler zu Rationierungen treiben.

So läuft der Handelsweg nach China

Chinesische Eltern trauen den heimischen Produkten nach Skandalen um Gift in Babymilch nicht mehr über den Weg. Sie zahlen Höchstpreise für Produkte aus Europa - selbst wenn diese drei bis viermal so teuer sind wie die chinesischen. Auf der Internet-Verkaufsplattform Taobao gibt es über 4000 Einträge für Milchpulver aus Deutschland. Hinzu kommt eine ähnliche Zahl für Babymilch aus Großbritannien, 3000 Treffer beziehen sich auf Frankreich.

"Ich begann damit, das Pulver an Verwandte und Freunde zu schicken", sagt Shao, eine Hausfrau und Mutter, die nach eigenen Angaben eine "kleine Summe" mit ihrem Geschäft verdient. "Mütter bestellen normalerweise sechs bis acht Packungen auf einmal, weil die Lieferung einen Monat dauert und sie sich einen konstanten Vorrat sichern wollen."

Handel in großem Stil

Neben findigen Privatleuten wie Shao gibt es aber auch Unternehmer, die anscheinend in größerem Stil aktiv sind. Ein Mann namens He berichtete stolz, er beschäftige zehn deutsche Angestellte.

In China stillen relativ wenige Mütter ihre Kinder. Das liegt an den kurzen Mutterschaftspausen und aggressiver Werbung für Folgemilch. Der Ruf heimischer Produkte aber ist dauerhaft ruiniert. 2008 starben sechs Kinder an mit der Chemikalie Melamin verseuchter Babymilch, tausende weitere wurden geschädigt.

Importierte Ware hat guten Ruf

"Junge chinesische Eltern nehmen internationale Marken, insbesondere die importierten Marken in Original-Verpackung, als gesünder wahr", sagt die Analystin Vera Wang. Dafür sind sie bereit, die heftigen Aufpreise zu zahlen, die Internet-Händler verlangen. Eine 600-Gramm-Packung Aptamil des deutschen Herstellers Milupa, hierzulande für etwa zwölf Euro zu haben, kostet in China 220 Yuan: etwa 27 Euro.

Ungewöhnliche Maßnahmen in den Drogeriemärkten

In den "Export-Ländern" hat die Babymilch-Knappheit bereits dazu geführt, dass Einzelhändler ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen. So rationiert die deutsche Drogeriemarkt-Kette DM die Menge an Milchpulver, die Kunden in ihren Filialen erwerben können.

Dabei gibt es nach Unternehmens-Angaben keine starren Vorgaben, weil das Phänomen nicht flächendeckend auftritt. Bei Bedarf können die Filialleiter aber tätig werden. Auch in Großbritannien und Australien beschränkten Geschäfte schon die Abgabe.

Bestimmte Marken besonders begehrt

"Seit einiger Zeit verzeichnen wir eine extrem hohe Nachfrage nach den Säuglingsnahrungen der Marke Aptamil", sagt der DM-Geschäftsführer für den Bereich Marketing und Beschaffung, Christoph Werner. Daher habe DM entschieden, die Aptamil-Abgabemenge vorübergehend zu beschränken, bis sich die Lage wieder normalisiere.

Die drastischen Maßnahmen zeigen anscheinend bereits Wirkung, zumindest teilweise. Chinesische Händler in Deutschland berichteten, sie würden ihr Geschäft stoppen, weil es zu schwierig geworden sei, Folgemilch zu kaufen. Shao jedoch lässt sich davon nicht abschrecken. "Wenn ein Supermarkt ausverkauft ist, werde ich zum nächsten weitergehen", sagt sie. "Ich tue es für die Mütter und ihre Kinder. Ich bin selbst Mutter und weiß, wie wichtig Milchpulver ist."

Sprunghafter Anstieg der Verkäufe

Die Zahl der monatlich verkauften Säuglingsmilch-Packungen von Milupa war 2012 innerhalb weniger Monate um ein Drittel gestiegen, der Marktanteil sprunghaft auf etwa 45 Prozent geklettert. Seit Monaten stehen Eltern immer wieder vor leeren Regalen, deren Babys die Säuglingsnahrung des Marktführers bevorzugten. Die "Bild"-Zeitung zitierte eine besorgte Mutter: "Ich kann nicht einfach die Marke wechseln, sonst bekommt mein Baby Bauchweh."

Keine Panik! Kein Baby verhungert!

In der Rossmann-Zentrale in Burgwedel bei Hannover wird diese Darstellung nicht wirklich geteilt: "Kein Kind muss hier darben, kein Kind muss hungern", sagte Rossmann-Pressesprecher Stephan-Thomas Klose. Denn die vorrübergehenden Engpässe gebe es nur bei Milumil und Aptamil - Alternativen wie Hipp, Humana, Bebivita oder auch die Rossmann-Eigenmarke Babydream ließen jedoch genügend Ausweichmöglichkeiten.

Deshalb warnt Klose vor Panikmache. Er habe zwar Verständnis für starkes Markenbewusstsein gerade bei Babynahrung. Doch es stehe keinesfalls fest, dass ein Produktwechsel problematisch verlaufen müsse, da das Kind ihn womöglich nicht verträgt oder mag.

So werden die Asienexporte eingedämmt

Milupa räumt ein, dass das Problem der Asienexporte mit Rationierung und Produktionsaufstockung natürlich nicht aus der Welt geschafft werden könne. "Aber die Großeinkäufe von 100 Packungen und mehr werden gebremst", betonte Stohl.

Anders als DM musste Rossmann auf die Engpässe nicht erst mit Rationierungen reagieren. Die Kunden seien auch schon zuvor angehalten gewesen, die Produkte nur in "haushaltsüblichen Mengen" zu kaufen. Bei der Baby-Trockenmilch seien dies in der Regel drei Packungen. Ähnliche Vorgaben gelten bei Rossmann schon seit langem und beziehen sich auch auf viele andere Warengruppen wie etwa Kaffee oder Sonnencreme, sagte Klose: "Es gibt keine neue Limitierung."

Für Milupa ein "Riesenproblem"

Der enorme Nachfragesprung löst in der deutschen Milupa-Zentrale keineswegs Freude aus, betonte Stohl: «Wir haben eine Reputation zu verteidigen. Und wenn Mütter ihr Wunschprodukt im Drogeriemarkt nicht finden, sind sie unzufrieden." Das sei für Milupa ein "Riesenproblem".


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