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Report Mainz: Frühchenstationen wehren sich gegen Personalvorgaben

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Frühchenversorgung  

"Report Mainz": Frühchen sterben wegen Personalmangel

30.10.2013, 09:39 Uhr | cst, t-online.de

Report Mainz: Frühchenstationen wehren sich gegen Personalvorgaben. Frühchen bedürfen einer intensiven Betreuung. (Quelle: dpa)

Frühchen bedürfen einer intensiven Betreuung. (Quelle: dpa)

Der Vorwurf wiegt schwer: Die Krankenhauslobby spart am Personal auf Frühchenstationen um Kosten zu sparen. "Viele Frühchen könnten heute gesunde und lebenslustige Kinder sein, wenn genügend Pflegepersonal da gewesen wäre." Das berichtete Report Mainz. 

Frühchen brauchen intensive Betreuung

Frühgeborene Babys sind Hochrisikopatienten. Sie bedürfen einer intensiven Betreuung, schon kleinste Fehler können den Tod oder lebenslange Behinderungen nach sich ziehen. Sonja und Jens Hartmann haben das leidvoll erfahren. Ihre Drillinge kamen zu früh auf die Welt, wurden auf der Intensivstation versorgt. Ihr Sohn Florian erkrankte an einer Infektion und bekam ein Antibiotikum verschrieben. Weil zwischen der Verordnung und der Verabreichung des Medikaments mehrere Stunden vergingen, starb der Junge. Dies wurde durch ein Gutachten festgestellt.

Behindert wegen nicht ausreichend geschultem Personal

Florians Schicksal ist kein Einzelfall. Auch die Zwillinge von Familie Pucher kamen zu früh auf die Welt. Ein Gutachten stellte fest: Nach der Geburt wurden sie nicht richtig versorgt, die Klinik hatte kein ausreichend geschultes Personal. Finn Pucher ist heute schwerstbehindert, blind, wird über eine Magensonde ernährt, kann nicht laufen, nicht reden.

Viele Frühchenstationen sind unterbesetzt

Christian Poets, Neonatologe an der Uniklinik Tübingen, hat beobachtet, dass an vielen Kliniken die Frühchenstationen unterbesetzt sind. "Das bedeutet ganz konkret, dass es viele Stationen gibt, auf denen nur sehr wenige Schwestern tätig sind, die diese Kinder versorgen, ein enormer Stress dadurch herrscht, die Schwestern sehr belastet sind. Und das wiederum kann dazu führen, dass das Kind Komplikationen erleidet, zum Beispiel Infektionen zu spät erkannt werden, zum Beispiel Hirnblutungen eher auftreten, möglicherweise auch Todesfälle eher auftreten."

Neue Richtlinie soll Personalschlüssel regeln

Bislang gibt es keine Vorgaben darüber, wie viel Personal auf einer Frühchenstation arbeiten soll. Um das zu ändern, soll eine Richtlinie von 2017 an für alle Kliniken verbindlich regeln, dass eine Krankenschwester nur noch für ein Frühchen zuständig sein soll und nicht, wie bisher, für sechs. Zusätzlich soll ein Teil des Pflegepersonals für Intensivpflege weitergebildet sein.

Die Krankenhauslobby mauert

Doch die Deutsche Krankenhausgesellschaft setzt sich gegen die geplante Richtlinie zur Wehr. "Die Richtlinie ist kaum umzusetzen", sagt der Hauptgeschäftsführer Georg Baum. "Das größte Problem ist die Verfügbarkeit entsprechend qualifizierten Personals."

"Hier geht es um Kinderleben"

Poets hält dagegen: "Wir haben noch einige Jahre Zeit, um Personal auszubilden. Hier geht es um Kinderleben. Da dürfen keine Kompromisse gemacht werden."

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