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Perfekte Elternzeit: So funktioniert die Auszeit im Job fürs Kind

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Auszeit im Job fürs Kind  

So funktioniert die Elternzeit perfekt

18.09.2017, 11:41 Uhr | Silke Asmußen, t-online.de

Perfekte Elternzeit: So funktioniert die Auszeit im Job fürs Kind. Ein junges Elternpaar blickt auf ihr Neugeborenes. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/boggy22)

Wenn ein Baby da ist, wollen Eltern möglichst viel Zeit mit ihm verbringen. (Symbolbild) (Quelle: boggy22/Thinkstock by Getty-Images)

Kündigt sich Nachwuchs an, steht für berufstätige Eltern vor allem eine Frage im Vordergrund: Wie kann ich möglichst viel Zeit mit meinem Kind verbringen, ohne ganz aus dem Job auszusteigen? Die Elternzeit macht’s möglich – sollte aber sorgfältig geplant werden. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen geklärt.

1. Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Grundsätzlich könnten alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit ihrem Kind in einem Haushalt leben, es selbst betreuen und erziehen, bis zu dessen dritten Lebensjahr Elternzeit nehmen, erläutert ein Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BFSFJ) auf Nachfrage von t-online.de.

Anspruch auf den Erziehungsurlaub haben laut dem BFSFJ unter Umständen auch Pflegeeltern, Lebenspartner von Mutter oder Vater sowie nahe Verwandte – etwa die Großeltern, wenn ein Elternteil des Kindes minderjährig ist oder sich in der Ausbildung befindet.

2. Wann und wie muss Elternzeit beantragt werden? 

Die Elternzeit beginnt nicht automatisch. Wer innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes – also bis einen Tag vor dessen dritten Geburtstag – Elternzeit nehmen wolle, müsse dies sieben Wochen vor Antritt schriftlich beim Arbeitgeber anmelden, sagt der BFSFJ-Sprecher. Das könne formlos geschehen.

Um beispielsweise direkt im Anschluss an den gesetzlichen Mutterschutz bei ihrem Kind bleiben zu können, sollten frischgebackene Mütter innerhalb der ersten Woche nach der Entbindung dem Chef den konkreten Beginn und das Ende ihrer Elternzeit angeben. Vorab auf den voraussichtlichen Geburtstermin hinzuweisen, reicht nicht aus.

Väter, die unmittelbar nach der Geburt Elternzeit nehmen wollen, müssen diese dem BFSFJ zufolge spätestens sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin anmelden. Sie sollten dabei als Beginn "ab Geburt" sowie das voraussichtliche Datum der Geburt angeben.

Ließen Eltern die Anmeldefrist verstreichen, verschiebe sich der Start der Elternzeit entsprechend, erläutern die BFSFJ-Experten in der Broschüre "Elterngeld, ElterngeldPlus und Elternzeit". Eine kürzere Frist sei bei dringlichen Gründen möglich – zum Beispiel bei Frühgeburten. Eltern, die sich absichern möchten, bitten den Chef am besten, schriftlich zu bestätigen, dass er den Antrag erhalten hat. 

3. Lässt sich der Antrag nachträglich verändern? 

Wer wann Elternzeit nimmt, sollte gründlich durchdacht werden. Denn die Angaben in der ersten Anmeldung legten die entsprechenden Zeiträume innerhalb von zwei Jahren verbindlich fest, sagt der Ministeriumssprecher. Änderungen seien dann nur mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich. Beantragen zum Beispiel Mütter oder Väter Elternzeit nur im ersten Lebensjahr des Nachwuchses, bedeutet das: Sie verzichten auf die Elternzeit im darauffolgenden Jahr. Um die Elternzeit in dem Zeitraum dann doch zu verlängern, ist die Einwilligung des Chefs erforderlich.

4. Wie lange kann die Elternzeit dauern? 

Pro Elternteil besteht nach Angaben des BFSFJ ein genereller Anspruch auf Elternzeit bis zum dritten Geburtstag des Kindes. Der 30. Juni 2015 ist dabei ein Stichtag. Bei bis zu diesem Datum geborenen Kindern kann die Elternzeit von jedem Elternteil und pro Spross auf zwei Zeitabschnitte aufgeteilt werden. Für eine weitere Aufteilung brauchen Eltern das Einverständnis des Arbeitgebers. Bis zu zwölf Monate nicht genutzte Elternzeit lassen sich in dem Fall auf die Zeit zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes übertragen.

Für Geburten ab dem 1. Juli 2015 gelten gemäß dem Familienministerium flexiblere Regeln. Nach dem Stichtag kann die Elternzeit in drei Zeitabschnitte pro Elternteil und Kind gesplittet werden, etwa um den Nachwuchs auch beim Eintritt in die Schule zu begleiten. Zudem können betroffene Eltern bis zu 24 Monate nicht genutzte Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nehmen – ohne den Arbeitgeber fragen zu müssen. Damit Unternehmen besser planen können, muss diese Elternzeit 13 Wochen vor Beginn angemeldet werden. 

5. Was passiert mit den Urlaubsansprüchen? 

Die gute Nachricht: Elternzeitler verlieren ihre Urlaubsansprüche nicht. Aber: Der Arbeitgeber darf laut dem BFSFJ den Urlaub anteilig für jeden vollen Kalendermonat Elternzeit um ein Zwölftel kürzen – es sei denn, er beschäftigt die Mitarbeiterin/den Mitarbeiter währenddessen in Teilzeit. Resturlaub, den Mütter oder Väter vor Beginn der Elternzeit nicht oder nicht vollständig erhalten haben, müssen Unternehmen demnach nach der Elternzeit im laufenden oder im nächsten Urlaubsjahr gewähren.

Und was, wenn in der Elternzeit ein weiteres Kind auf die Welt kommt? Kein Problem: Konnte Resturlaub nach dem Ende der ersten Elternzeit wegen einer weiteren Elternzeit nicht genommen werden, wird der Anspruch aus dem Jahr, in dem die erste Elternzeit begonnen hat, weiter übertragen. 

6. Welche finanziellen Zuschüsse gibt es in der Elternzeit? 

Da ihr Arbeitsverhältnis ruht, haben Mamas und Papas in Elternzeit keinen Anspruch auf ein Gehalt. Als Ausgleich dafür gibt es das Elterngeld. Genaue Informationen dazu liefert das BFSFJ.

7. Kann Eltern in der Elternzeit gekündigt werden? 

Die Jobs von Elternzeitlern sind gesetzlich geschützt: Der Kündigungsschutz beginnt dem BFSFJ zufolge mit der Anmeldung der Elternzeit, frühestens acht Wochen vor deren Beginn. Nur im Ausnahmefall kann die für den Arbeitsschutz zuständige oberste Landesbehörde oder eine von ihr bestimmte Stelle eine Entlassung für zulässig erklären, sagt der Sprecher des Ministeriums. 

Der besondere Kündigungsschutz gelte zudem für Mütter oder Väter, die einer Teilzeittätigkeit nachgingen, das heißt: maximal 30 Stunden wöchentlich arbeiteten. Achtung: Handelt es sich um einen Job bei einem anderen Unternehmen, dann bezieht sich der Kündigungsschutz nicht auf diese Anstellung, sondern auf das Arbeitsverhältnis mit dem ursprünglichen Arbeitgeber. 

Sollte trotzdem eine Kündigung ins Haus flattern: Beschäftigte in Elternzeit müssen innerhalb von drei Wochen nach Bekanntgabe der behördlichen Entscheidung gegen die Entlassung Klage vor dem zuständigen Arbeitsgericht einreichen. Sonst ist der Rauswurf rechtswirksam – und der Job weg. 

8. Ist eine Teilzeittätigkeit in der Elternzeit möglich? 

Das Familienbudget lässt sich auch in der Elternzeit aufbessern. Dazu sollten sich Eltern sich innerhalb von vier Wochen mit dem Chef über eine Verringerung der Arbeitszeit verständigen, rät der Sprecher des BFSFJ.

Klappt das nicht, können Eltern ihren gesetzlichen Anspruch auf eine Arbeitszeitreduzierung geltend machen, und zwar zwei Mal. Genauer: Hat ein Elternzeitler erstmals via Anspruch eine verkürzte Arbeitszeit durchgesetzt – zum Beispiel 20 Stunden in der Woche –, kann er später ein zweites Mal sein Recht geltend machen und sein Arbeitspensum wahlweise reduzieren oder ausweiten, etwa auf 15 oder 25 Wochenstunden. Anspruch auf eine verringerte Arbeitszeit besteht, wenn

  • der Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt,
  • das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht,
  • die vertraglich vereinbarte regelmäßige Arbeitszeit für mindestens zwei Monate auf einen Umfang von mindestens 15 bis maximal 30 Wochenstunden reduziert werden soll,
  • die Teilzeittätigkeit dem Unternehmen bei einer Elternzeit bis zum dritten Lebensjahr des Kindes sieben Wochen und bei einer Elternzeit nach dem dritten Geburtstag 13 Wochen vor Beginn schriftlich mitgeteilt wurde, 
  • und keine dringenden betrieblichen Gründe dagegen vorliegen. 

Will der Chef sein Veto gegen die Reduzierung der Arbeitszeit einlegen, muss er das schriftlich tun und sich dabei an Fristen halten: Bei einer Elternzeit bis zum dritten Lebensjahr des Nachwuchses sind dazu vier Wochen nach Zugang des Antrags vorgeschrieben, bei einer Elternzeit nach dem dritten Geburtstag acht Wochen.

Mit dem Segen des Arbeitgebers haben Eltern zudem die Möglichkeit, bei einem anderen Unternehmen in Teilzeit oder als Selbstständige zu arbeiten. Wer das tun möchte, müsse den alten Arbeitgeber vorab über die konkrete Tätigkeit, den zeitlichen Umfang und den potenziellen anderen Arbeitgeber informieren, so das BFSFJ. Abgelehnt werden könne der neue Job nur schriftlich innerhalb von vier Wochen und aufgrund dringender betrieblicher Interessen.

9. Welche Regelung gilt bei einer erneuten Schwangerschaft in der Elternzeit? 

Bei einer erneuten Schwangerschaft kann die werdende Mutter nach den Experten die erste Elternzeit vorzeitig beenden, um die gesetzlichen Mutterschutzfristen wahrzunehmen. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist dazu nicht notwendig. Er sollte jedoch schriftlich darüber informiert werden – und das rechtzeitig: Das BFSFJ weist darauf hin, dass die Elternzeit frühestens enden kann, wenn der Chef die entsprechende Mitteilung erhalten hat.

Achtung: Durch die vorzeitige Beendigung der Elternzeit lebe in der Mutterschutzfrist das ruhende Arbeitsverhältnis in vollem Umfang wieder auf, betont der BFSFJ-Sprecher. Für die verbleibende Zeit der Schutzfrist bestehe daher Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld. Dessen Höhe hänge von der Höhe des Gehalts ab, das die Mitarbeiterin nach dem Elternzeitende verdient hätte, würde sie sich nicht in der neuen Mutterschutzfrist befinden.

10. Haben Eltern bei der Rückkehr in den Job ein Recht auf ihre alte Stelle? 

Durch die Elternzeit ändert sich am ursprünglichen Arbeitsverhältnis nichts. Daher steht Eltern anschließend ein gleichwertiger Arbeitsplatz zu. Ob sie explizit in den alten Job zurückkehren können, ist laut Familienministerium vom Inhalt ihres Arbeitsvertrags und der darin festgelegten Tätigkeit abhängig. Nicht zulässig ist demnach, Mütter oder Vätern nach der Elternzeit eine schlechter bezahlte Stelle zuzuweisen. Allerdings muss dann die ursprüngliche Arbeitszeit wieder eingehalten werden.

11. Wer zahlt in der Elternzeit die Krankenkassenbeiträge?

Bei den meisten privaten Versicherungen müssen Sie auch in der Elternzeit entsprechende Beiträge leisten. Der Arbeitgeberzuschuss entfällt in der Zeit allerdings, weshalb Mütter und Väter den vollen Krankenkassenbeitrag selbst tragen müssen.

Eltern, die gesetzlich krankenversichert sind, haben weiterhin Anspruch auf eine kostenlose Mitgliedschaft – zumindest so lange wie der Anspruch auf Elterngeld oder Elternzeit besteht.

Welche Auswirkungen Elterngeld und Elternzeit auf die Großeltern haben, erfahren Sie hier.

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