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Das vernetzte Baby  

Welche "smarten Helferlein" es für die Kleinsten gibt

20.09.2017, 17:43 Uhr | Yuriko Wahl-Immel, dpa

Welche digitalen Helfer es für die Kleinsten gibt. Ein Babyphone verwenden viele. Etwas ausgefallener in Sachen elektronische Helfer rund ums Baby sind zum Beispiel Socken, die den Puls des Kindes messen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Stockbyte)

Ein Babyphone verwenden viele. Etwas ausgefallener in Sachen elektronische Helfer rund ums Baby sind zum Beispiel Socken, die den Puls des Kindes messen. (Quelle: Stockbyte/Thinkstock by Getty-Images)

Digitale Helfer erobern immer mehr die Kinderzimmer. Schon für die Kleinsten gibt es sie: Vom Pulsmess-Söckchen über Bluetooth-Thermometer bis zu Windel-Voll-Alarm-Sensoren ist alles dabei. Brauchen Eltern das?

Die Digitalisierung kommt bis ans Babybettchen. Inzwischen können Mini-Hightech-Socken schon den Puls der Kleinsten per App anzeigen. Bluetooth-Thermometer messen permanent Fieber – meterweit vom schlafenden Sprössling entfernt – und senden die Daten ans elterliche Smartphone. Und Sensormatten melden, wenn das Baby sich in unerwünschte Bauchpositionen dreht. Solche digitalen Helfer sind mehr und mehr gefragt.

Digitalisierung im Kinderzimmer: Babyphones und Videophones

"Die Digitalisierung, die überall Einzug hält, ist auch im Kinder- und Babybereich ein wachsendes Feld, das dürfte in den nächsten Jahren noch zulegen", sagt Koelnmesse-Sprecherin Peggy Krause zum Start der Messe "Kind + Jugend". Mehrere der gut 1230 Hersteller aus 50 Ländern stellen neue Überwachungssysteme vor, die nicht nur Töne und Bilder aufzeichnen – Babyphones und Videophones. Manche lösen auch Alarm aus, wenn sich das Baby 20 Sekunden lang nicht bewegt. Andere Produzenten werben mit fernsteuerbarer Kamera und Infrarot-Nachtsicht oder einer Gegensprechfunktion.

"Eltern sind heutzutage oft verunsichert. Die Nachfrage nach solchen Kontroll- und Messgeräten steigt", sagt Tanja Kraemer, Chefredakteurin der Zeitschrift "baby&junior". Der Markt sei unübersichtlich und intransparent, vieles werde online aus aller Welt bestellt. "Immer mehr Hersteller springen auf den digitalen Zug auf und entwickeln solche Geräte", sagt Kraemer. Zahlen für den Markt der digitalen Helfer in Deutschland seien aber nicht bekannt.

Es gibt einen Markt für Baby-Wearables

Der globale Markt allein für Baby-Wearables werde aktuell auf rund 900 Millionen US-Dollar geschätzt und laut Experten bis 2024 auf 1,3 Milliarden Dollar (knapp 1,1 Mrd Euro) klettern. Darunter fallen am Körper getragene Fußbänder, High-Tech-Söckchen oder Sensor-Strampler zur Überwachung von Herzschlag, Atmung oder Temperatur. Kraemer zufolge sind die Käufer oft mit digitalen Anwendungen groß geworden, sind zumindest seit ihrer Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter an diese gewöhnt. Ihre Kinder wollten sie "unter optimierten Bedingungen" aufwachsen sehen. Das kann kosten – bei vielen Geräten mehrere hundert Euro.

Der Branche gehen die Ideen für smarte Helfer offenbar nicht aus. Sie entwickelt XS-Monitore, die im Kinderzimmer die Luftqualität analysieren und via App vorschlagen, wie sie zu verbessern ist. Auf dem Markt ist auch ein per Smartphone steuerbarer Apparat, der bei trockener Luft für Wasserdampf am Bettchen sorgt.

Und Eltern geizen nicht bei Ausgaben für ihre Kinder: 2016 investierten sie hierzulande 2,5 Milliarden Euro für die allgemeine Ausstattung ihrer Kids in den ersten drei Lebensjahren – laut Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels vier Prozent mehr als im Vorjahr. Und immerhin 1125 Euro pro Kopf.

Sind die digitalen Helfer wirklich sinnvoll?

Branchenkennerin Kraemer hält aber längst nicht alle Angebote für sinnvoll. Ein Sensor an der Windel, der warnt, wenn sie voll ist, sei jedenfalls überflüssig. Eltern könnten auch abhängig werden von Überwachungsgeräten und Apps.

Doch warum greifen Eltern zu, obwohl Generationen vor ihnen ohne all das auskamen? Alessandro Zanini vom Verband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller sagt: "Die Bedürfnisse nach mehr Sicherheit, Design, Funktionalität führen zu immer besseren Produkten und Vielfalt, aber teilweise auch zum Überfluss". Man müsse in der Branche versteckte Bedürfnisse nicht nur erkennen, sondern auch stimulieren.

Das digitale Kinderzimmer: Was Kritiker sagen

Kritiker warnen hingegen, dass etwa bei gespeicherten Daten und Bildern von Kind und Umgebung oft nicht klar sei, was damit passiere. Auch bestehe das Risiko, dass die Systeme gehackt werden könnten. Ralf, ein frisch gebackener Vater, sieht viele solcher digitalen Helfer skeptisch. "Es soll auch öfters Fehlalarme geben." Sein Baby will er nicht ständig mit Bild und Ton beim Schlafen überwachen. "Man macht sich am Ende doch verrückt."

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