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Sorgerecht: Statistisches Bundesamt veröffentlich aktuelle Zahlen zum Entzug

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Sorgerecht  

Sorgerechtsentzug - Zahlen für 2009 veröffentlicht

15.07.2010, 11:57 Uhr | rw, ots

Sorgerecht: Statistisches Bundesamt veröffentlich aktuelle Zahlen zum Entzug. Junge spielt allein und unbeaufsichtigt auf der Straße.

Vernachlässigung: Wenn Eltern sich nicht kümmern. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Die Gründe für Jugendämter, Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder zu entziehen, sind sehr unterschiedlich. Unterernährung, Missbrauch oder Vernachlässigung sind nur einige davon. Die scheußlichsten Fälle werden von den Medien ausgiebig breitgetreten, so dass in der allgemeinen Wahrnehmung die Vernachlässigung von Kindern in Deutschland massiv zunimmt. Nun hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden aktuelle Zahlen zum Sorgerechtsentzug veröffentlicht. Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Eingreifen orientiert sich am Kindeswohl

Weil eine Gefährdung des Kindeswohls anders nicht abzuwenden war, haben die Gerichte in Deutschland im Jahr 2009 in rund 12.200 Fällen den vollständigen oder teilweisen Entzug der elterlichen Sorge angeordnet, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. In rund 9500 Fällen übertrugen die Gerichte das Sorgerecht ganz oder teilweise auf die Jugendämter, in den übrigen Fällen auf eine Einzelperson oder einen Verein. Bei einem teilweisen Entzug der elterlichen Sorge wird zum Beispiel das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder die Vermögenssorge entzogen. Mit dem Aufenthaltsbestimmungsrecht ist die Befugnis verbunden, Entscheidungen des alltäglichen Lebens zu treffen.

Familiengerichte müssen laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) immer dann eingreifen, wenn "das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes" gefährdet ist, wie es in Paragraph 1666 heißt.

Unterschiedliche Tendenzen in verschiedenen Bundesländern

Die Zahl der gerichtlichen Maßnahmen zum Sorgerechtsentzug ist deutschlandweit gegenüber 2008 leicht zurückgegangen. In den einzelnen Bundesländern gab es dagegen teilweise gravierende Veränderungen. Rückgängen zwischen 25 und 36 Prozent in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Berlin stehen zum Teil deutliche Anstiege von zum Beispiel 18 Prozent in Brandenburg oder gar 31 Prozent im Saarland gegenüber.

Auf Warnsignale achten

Um Vernachlässigungen von Kindern überhaupt zu bemerken, sind Jugendämter und Gerichte auf die Aufmerksamkeit aller angewiesen. Nachbarn, Bekannte oder Lehrer entdecken Anzeichen von Vernachlässigung meist viel früher als die Behörden. Solche Anzeichen können zum Beispiel gegeben sein, wenn ein Kind regelmäßig mit dreckiger Kleidung in die Schule kommt oder auch die Körperhygiene eines Kindes deutlich hinter der allgemeinen Norm zurückbleibt. Bei Verdacht auf Vernachlässigung sollte möglichst schnell reagiert, und das Jugendamt eingeschaltet werden, damit dem betroffenen Kind möglichst rasch geholfen werden kann.

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