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Kriminologe Pfeiffer: Es gibt fast keine Sexualmörder mehr

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Kriminologe Pfeiffer: Es gibt fast keine Sexualmörder mehr

04.10.2011, 15:03 Uhr | dapd

Kriminologe Pfeiffer: Es gibt fast keine Sexualmörder mehr. Trotz anderer Wahrnehmung: Sexualdelikte gegen Kinder sind rückläufig. (Quelle: imago)

Trotz anderer Wahrnehmung: Sexualdelikte gegen Kinder sind rückläufig. (Quelle: imago)

Am 10. Oktober beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen dreifachen Kindsmörder Martin N. vor dem Landgericht Stade. Ihm werden zudem 20 Fälle von sexuellem Missbrauch zur Last gelegt. Mit dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, sprach dapd-Korrespondentin Janet Binder über die Ursachen sexuell motivierter Delikte an Kindern und die Berichterstattung darüber in den Medien.

Es heißt, der mutmaßliche Mörder Martin N. habe seine Taten lange geplant und sei dabei mit viel Dreistigkeit vorgegangen. Entspricht er damit dem typischen Täterprofil eines Kinderschänders?

Pfeiffer: Es gibt wenig Missbrauchstäter, die spontan handeln. Die meisten planen sehr wohl.

Was treibt solche Sexualmörder an?

Pfeiffer: Es geht ihnen um Machtausübung, sie wollen sich an ihrer Macht berauschen. Oftmals hat ein Täter selbst in seiner Kindheit hilflose Ohnmacht erlebt. Wer sadistische Grausamkeit in seiner Erziehung erfahren hat, kann seine Sexualität oft nur befriedigen, wenn er die Ohnmacht des Opfers spürt. Glücklicherweise hat die destruktive Wucht elterlicher Erziehung abgenommen.

Dennoch werden Kinder immer noch Opfer von sexuell motivierten Tötungsdelikten.

Pfeiffer: Die sind aber inzwischen extrem selten geworden. Es gibt fast keine Sexualmörder mehr. In den 1970er Jahren wurden bis zu 17 Kinder jährlich in Deutschland Opfer solcher Täter, inzwischen sind es maximal ein bis zwei. Auch die Sexualmorde insgesamt sind gesunken. In den 1970er Jahren waren es noch über 50 pro Jahr, 2010 dagegen nur noch vier. Auch die Missbrauchsfälle sind seltener geworden.

Welche Gründe gibt es für den Rückgang?

Pfeiffer: Dafür gibt es eine Fülle von Ursachen. Die innerfamiliäre Gewalt hat abgenommen, destruktive Eltern sind weniger geworden. Zudem ist der Umgang mit Sexualität nicht mehr so verklemmt wie früher. Die Anzeigebereitschaft der Opfer ist erhöht, auch weil der Umgang mit ihnen sensibler geworden ist. Die Opfer vertrauen sich eher jemanden an und fressen nicht alles in sich hinein. Das damit verbundene erhöhte Risiko entdeckt zu werden dämpft den Tatendrang. Täter werden durch die erhöhte Anzeigebereitschaft früher ergriffen, Therapien können somit schneller greifen. Überaus effektiv ist auch die Sicherungsverwahrung von hoch gefährlichen Sexualstraftätern, die verhindert, dass sie nach Verbüßung ihrer Strafe wieder entlassen werden. Der Staat hat dafür hohes Lob verdient.

Trotzdem haben Eltern heute mehr Angst ihre Kinder allein auf die Straße zu lassen als früher.

Pfeiffer: Dahinter steckt die gefühlte Kriminalitätstemperatur. Die Gefahr von Sexualmorden wird überschätzt. Das liegt an einer deutlich erhöhten Berichterstattung in den Medien über die Fälle. Dadurch wird der falsche Eindruck erweckt, es wird immer schlimmer. Das gilt im Übrigen auch für die Jugendgewalt. Wir sind insgesamt auf einem besseren Kurs. Gewalteinsetzende Täter sind weniger geworden, das ist eine erfreuliche Entwicklung. Noch nie war das Risiko, einem Sexualmord zum Opfer zu fallen so niedrig wie heute.

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