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Gewalt gegen Kinder: Für eine Ohrfeige gibt es keine Rechtfertigung

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Für eine Ohrfeige gibt es keine Rechtfertigung

03.06.2013, 17:24 Uhr | dpa, dpa-tmn

Gewalt gegen Kinder: Für eine Ohrfeige gibt es keine Rechtfertigung. Gewalt gegen Kinder: Schläge zerstören das Vertrauen. (Quelle: imago)

Schläge zerstören das Vertrauen. (Quelle: imago)

Körperliche Gewalt gegen Kinder sollte tabu sein, denn Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Aber für fast ein Viertel sind Schläge eine alltägliche Erfahrung, so das Ergebnis einer Studie der Universität Bielefeld. Wenn Eltern ihrem Kind eine Ohrfeige verpassen, geschieht das häufig aus Überforderung. In einer solchen Situation ist es wichtig, dass Erwachsene den Vorfall nicht im Raum stehen lassen.

"Das Kind ist verstört und irritiert. Deshalb müssen Eltern das Ganze aufarbeiten", sagt Erziehungswissenschaftler Holger Ziegler von der Uni Bielefeld. Am wichtigsten sei zunächst eine Entschuldigung, in der Mutter und Vater zwei Dinge klar machen: "Es ist nicht deine Schuld" und "Das war ein Fehler, und es gibt dafür keine Rechtfertigung".

Die Gewalt nicht umschreiben

In jedem Fall sollten Eltern die Dinge klar beim Namen nennen. Das Kind muss verstehen, das der Gewaltakt den Erwachsenen leid tut. Ein vager Satz wie "das was da vorhin passiert ist" kann es oft nicht nachvollziehen. Mit einer ernst gemeinten Entschuldigung ist es Ziegler zufolge aber nicht getan. Haben Erwachsene versprochen, dass ihnen in Zukunft nicht mehr die Hand ausrutschen wird, müssen sie es einhalten. "Kinder sind sehr sensibel gegen gebrochene Versprechen", sagt Ziegler.

Ein Eis ist kein Trost für eine Ohrfeige

Verlässlichkeit sei das A und O. Wenig sinnvoll seien dagegen materielle Wiedergutmachungen: "Eltern können sich nicht freikaufen." Das Eis oder der Kinobesuch nach der Ohrfeige sorgten nicht dafür, dass sich das Kind besser fühle. Entschuldigungen von Erwachsenen funktionierten nur dann, wenn es sich bei der Handgreiflichkeit um eine Ausnahme handelt. "Passiert das regelmäßig, macht ein "Tut mir leid, ich hab dich doch lieb" es nur noch schlimmer", warnt Ziegler. Für Kinder seien das doppelte Botschaften: Sie wüssten nicht, woran sie sind.

Überforderte Eltern brauchen professionelle Hilfe

Wenn Konflikte regelmäßig eskalieren, helfen Eltern keine gut gemeinten Ratschläge wie "geh das nächste Mal doch kurz vor die Tür und atme durch". Nur professionelle Hilfe kann dann greifen. "Am besten ist es, wenn jemand in die Familie kommt und in der jeweiligen Situation eingreift", sagt Ziegler. Alternativ könnten Eltern Angebote einer Erziehungsberatungsstelle nutzen. "Eltern merken es genau, wenn sie überfordert sind. Sie haben das Gefühl, sie scheitern in ihrer Elternrolle." Dementsprechend schwer falle es ihnen, sich Freunden oder Verwandten anzuvertrauen.

Jedes vierte Kind in Deutschland wird geschlagen

Laut einer Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung ist fast jedes vierte Kind (22 Prozent) in Deutschland von körperlicher Gewalt betroffen. So viele gaben bei einer Befragung an, von Erwachsenen oft oder manchmal geschlagen zu werden. Besonders betroffen sind Mädchen und Jungen aus armen Familien. Neben Schlägen erleben Kinder auch verbale Missachtung: Ein Viertel aller Befragten hat die Erfahrung gemacht, von Erwachsenen als "dumm" oder "faul" beschimpft zu werden.

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