Sie sind hier: Home > Leben > Familie > Erziehung >

Wie erklärt man Kindern Krieg?

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

"Kinder haben ein Recht auf Wahrheit"  

Wie erklärt man Kindern den Krieg?

25.07.2016, 11:12 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Wie erklärt man Kindern Krieg?. Kindern Krieg erklären: Da draußen gibt es eine Welt mit Krieg und Terror - Berichte aus den täglichen Nachrichten lösen bei Kindern Ängste aus.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Da draußen gibt es eine Welt mit Krieg und Terror - Berichte aus den täglichen Nachrichten lösen bei Kindern Ängste aus. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Überfordern die Themen Terror und Krieg unsere Kinder? Viele Eltern scheuen sich, darüber zu reden, schalten die brutalen Nachrichten schnell weg. Doch sie sollten ihre Kinder mit der Angst vor Krieg und Terror nicht alleine lassen.

Der französische Schriftsteller Claude Roy sagte treffend: "Das Böse und das Unglück existieren. Kinder haben ein Recht auf Wahrheit, auch wenn sie manchmal weh tut."

24 bis 31 Kriege und bewaffnete Konflikte werden derzeit auf der Welt ausgetragen - die Zahlen variieren je nach Forschungsinstitut. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählt 409 Konfliktherde für das Jahr 2015.

UMFRAGE
Ab welchem Alter kann man mit Kindern über Krieg und Terrorismus sprechen?

Laut Unicef sind im laufenden Jahr etwa 43 Millionen Kinder in 63 Ländern auf humanitäre Hilfe angewiesen. Sie wachsen mit Gewalt, Leiden, Tod und Trauer auf. Unsere Kinder leben dagegen in einer ganz anderen Welt und sind irritiert von den Bildern aus den Krisengebieten, die täglich in den Nachrichten zu sehen sind.

Doch nun kommen auch verstörende Bilder aus der direkteren Nachbarschaft: Wie erklären Eltern ihren Kindern am besten, was bei Terroranschlägen wie in Paris, Nizza oder Ansbach passiert ist? 

Kinder altersgerecht auffangen

Kinder zwischen drei und sieben Jahren reagieren vor allem auf Töne und Bilder verletzter Kinder. Die Eltern müssen sie danach emotional auffangen und ihnen das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren hinterlassen Nachrichten aus Krisengebieten vor allem ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Dieses Gefühl sollten Eltern nicht verdrängen, sondern durch klärende, aber kindgerechte Gespräche aufarbeiten. Jugendliche wollen diskutieren, nachfragen, sich engagieren.

Eltern vermeiden das Thema Krieg

Hans-Peter Miksch, Leiter der Kunstgalerie Fürth, hat sich 2014 im Rahmen einer Ausstellung des Themas angenommen. Er kritisiert den Mangel an geeigneter Literatur, gerade für Kinder im Vorlesealter, aber auch das Zurückscheuen von Eltern, Erziehern und Lehrern, wenn es darum geht, mit Kindern über Krieg zu sprechen.

"Dabei hat sich gezeigt, dass Kinder über die Massenmedien wesentlich mehr vom Krieg hören als uns Eltern manchmal bewusst oder angenehm ist." Die Krisen der Welt lassen sich schon lange nicht mehr aus den Kinderzimmern aussperren. Flüchtlingskinder besuchen die gleiche Schule, Kinder deren Familien und Freunde in Krisengebieten leben, gestalten ihren Alltag mit unseren Kindern. Deshalb bestehe Gesprächsbedarf.

Preisgekröntes Bilderbuch macht Krieg für Kinder begreifbar

"Kinder wollen Dinge hinterfragen", weiß Tobias Krejtschi, Illustrator des Bilderbuchs "Ein roter Schuh", das die Stiftung Buchkunst zu den 25 schönsten Büchern des Jahres 2013 wählte. Wobei "schön" in diesem Zusammenhang ein unglücklich gewähltes Wort ist. Es ist ein Buch über Krieg in der heutigen Zeit.

Die Hauptperson ist ein Kriegsfotograf, der eine innere Mauer aufgebaut hat gegen das Geschehen um sich herum. "Ein Schulbus ist beschossen worden. Die Kinder, die den Angriff überlebt haben, werden gerade abtransportiert. Seltsam, wie alltäglich sich diese Mitteilung anhört." Erst durch die Erinnerung an einen kleinen, geliebten Jungen zuhause öffnet sich sein Herz wieder für das Elend, das hinter seinen Fotos steht. 

Bilderbücher vermitteln Zugang zu angstbesetztem Thema

Der Illustrator vertritt die These, dass Bilderbücher auch für jugendliche Leser eine ernstzunehmende Literaturgattung sein können. Sie bieten eine Diskussionsgrundlage, gerade bei schwierigen Themen. "Das funktioniert schon bei Kindern ab der dritten, vierten Klasse. Aber nur mit Begleitung. Es ist wichtig, zu vermitteln, zu erklären. Kinder, aber auch Jugendliche, dürfen mit den aufkommenden Gefühlen nicht alleine gelassen werden."

Kriegsspuren in der eigenen Familie sichtbar machen

Ältere Kinder lesen häufig bereits Nachrichten, viele von ihnen auch im Internet. Hier ist es gut, wenn Eltern auf die Auswahl ein Auge haben. Kindernachrichtensendungen wie "Logo", die einfach und anschaulich erklären, können eine gute Gesprächsbasis sein.

Die Unterhaltung mit Groß- oder Urgroßeltern bringt Kindern nahe, welche Spuren ein Krieg in einer Familie oder an einem Ort hinterlassen kann. Großeltern, Eltern und Kinder können sich auf die gemeinsame Suche machen: Denkmäler und Gedenkstätten aufsuchen oder Bilder ansehen von Häusern, die zerstört und wiederaufgebaut wurden. Und man kann zusammen herausfinden, was Ottfried Preußler einmal schön zusammengefasst hat: "Mit Mut und Entschlossenheit lässt sich manches gegen Gewalt und Willkür bewirken auf dieser Welt - übrigens auch im Frieden."

Buchtipps zum Thema Kinder und Krieg

Dies ist nur eine kleine Auswahl von kindgerechten Büchern zum Thema Krieg. Ausnahmslos alle brauchen die Begleitung durch einen umsichtigen Erwachsenen, um das Kind nicht mit den Bildern und Geschichten allein zu lassen. 

  • David McKee: "Sechs Männer" (ab fünf Jahren)

  • Angelika Kaufmann: "Das fremde Kind" (ab fünf Jahren)

  • Claude Dubois: "Akim rennt" (ab sechs Jahren)

  • Kirsten Boie: "Bestimmt wird alles gut (ab sechs Jahren)

  • Tomi Ungerer: "Autobiographie eines Teddybären" (ab sieben Jahren)

  • Johanna Kang: "Die große Angst unter den Sternen" (ab acht Jahren)

  • Karin Gruß und Tobias Krejtschi: "Ein roter Schuh" (ab neun Jahren)

  • Roberto Innocenti: "Rosa Weiss" (ab neun Jahren)

  • Mirijam Elias: "Geheimversteck Hotel Atlantic" (ab zehn Jahren)

  • Judith Kerr: "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" (ab zwölf Jahren)

  • Uri Orlev: "Lauf, Junge, lauf" (ab zwölf Jahren)

  • "Das Tagebuch der Anne Frank" (ab 13 Jahren)

Sie finden uns auch auf Facebook - jetzt Fan unserer "Eltern-Welt" werden und mitdiskutieren!

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige
Ähnliche Themen im Web

Shopping
Shopping
Trendige Sofas und Couches für jeden Geschmack
reduzierte Angebote entdecken bei ROLLER.de
Shopping
Sichern Sie sich 20,- € Rabatt ab 60,- € Einkaufswert
nur für kurze Zeit bei TOM TAILOR
KlingelBabistabonprix.deESPRITStreet OneCECILMADELEINEdouglas.demyToys
Meistgesuchte Themen

Anzeige
shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017