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Kinderfotos bei Facebook – die Risiken müssen Eltern kennen

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Privatsphäre im Netz  

Kinderfotos bei Facebook – welche Risiken Eltern kennen müssen

02.03.2017, 16:13 Uhr | Olivia Konieczny/msc, dpa-tmn

Kinderfotos bei Facebook – die Risiken müssen Eltern kennen. Risiken & Nebenwirkungen: Wenn Eltern Kinderfotos im Netz posten (Quelle: dpa/tmn/Rainer Holz/Westend61)

Risiken & Nebenwirkungen: Wenn Eltern Kinderfotos im Netz posten (Quelle: Rainer Holz/Westend61/dpa/tmn)

Kaum auf der Welt, schon bei Facebook: Viele Eltern posten fleißig Fotos ihrer Kinder in sozialen Medien – und lassen kein Detail aus der familiären Privatsphäre aus. Drei Experten erklären, warum solche Bilder Risiken bergen und was Eltern beachten müssen.

 "Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! - Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!" Mit diesem Appell erregte die Polizei der Stadt Hagen vor einem Jahr viel Aufmerksamkeit.

Aktuell sorgt die Facebookseite "Little Miss & Mister" für viel Aufregung. Die Seite stellt zahlreiche Kinderfotos zur Schau, die sie aus öffentlichen Nutzerprofilen sammelt. Damit wollen die Betreiber der Seite Eltern auf die Gefahren öffentlicher Bilder aufmerksam machen. Wer und was genau hinter der Seite steckt, bleibt aber unklar.

Drei Experten antworten auf Fragen zum Thema, die sich viele besorgte Eltern im Umgang mit Kinderfotos im Netz stellen:

Dürfen Eltern Fotos ihrer Kinder öffentlich posten?

Wenn sie das Sorgerecht haben, dann ja. "Eltern sind die Sachverwalter der Rechte ihrer Kinder, entsprechend dürfen sie auch Fotos von ihnen im Internet veröffentlichen", sagt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht aus Mainz. Beide Erziehungsberechtigten müssen sich einig sein. Hat nur ein Elternteil das Sorgerecht, darf dieses alleine bestimmen.

Ab wann dürfen Kinder mitentscheiden?

In der Regel geht man davon aus, dass Kinder etwa ab dem 14. Lebensjahr die notwendige Einsichtsfähigkeit besitzen, um über die Veröffentlichung von Fotos mitzubestimmen. "Unter 14 Jahren können die Eltern im Grundsatz alleine entscheiden", sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht aus Stuttgart. Danach sind bis zum 18. Lebensjahr beide zuständig - die Eltern und das Kind. "Sobald ein Kind 14 ist, muss es ausdrücklich gefragt werden", sagt Ulbricht. Dann könne es auch das Löschen von bereits im Netz publizierten Bildern verlangen.

Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Eltern?

"Spätestens wenn sie volljährig sind, können Kinder gegen ihre Eltern und die Veröffentlichung der Fotos vorgehen", sagt Karsten Gulden. Basis sei das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. "Das Kind kann eine Unterlassung verlangen und notfalls gerichtlich erzwingen, die Bilder zu entfernen", erläutert der Jurist. Schadenersatzansprüche ließen sich aber nur schwer durchsetzen.

Welche Bilder von Kindern sind problematisch?

Dass Nacktfotos von Pädophilen genutzt werden können, ist vielen Eltern bewusst. Doch auch vermeintlich harmlose Bilder bergen Risiken - zum Beispiel, wenn der Name des Kindes darunter steht. "Es gibt bereits Suchmaschinen, bei denen man ein Foto hochladen kann, und dann wird das komplette Netz danach abgescannt", sagt Gulden. Jedes Foto könne zweckentfremdet werden oder auf einer Pädophilen-Seite landen. Der Jurist rät, nur Fotos zu posten, auf denen das Kind von hinten zu sehen ist oder man das Gesicht nicht erkennt.

Welche negativen Folgen drohen den Kindern noch?

"Ist ein Foto erst einmal veröffentlicht, haben Sie keine Kontrolle mehr darüber", sagt Ulbricht. Die Bilder ließen sich leicht von Dritten herunterladen und weiterverwenden. "Im Teenageralter sind Jugendlichen viele Kinderfotos unangenehm, vor allem wenn Mitschüler sie sehen." So manches Kind werde deswegen gehänselt oder gemobbt.

"Kinder können sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, wenn ihre Eltern Fotos von ihnen online teilen", sagt Philipp Masur vom Lehrstuhl für Medienpsychologie an der Universität Hohenheim. "Das ist eine Art Vertrauensbruch." Anderen etwas über seine Kinder mitzuteilen, sei zwar nicht neu. Online könne das jedoch viel größeren Schaden anrichten.

Helfen restriktive Privatsphäreeinstellungen?

Sie sind besser als nichts. "Wenn jemand unbedingt Kinderfotos veröffentlichen will, dann zumindest zugangsbeschränkt", empfiehlt Ulbricht. Die Gefahr, dass jemand Kopien macht, besteht aber immer: Wird ein Foto dann neu hochgeladen, bleibt es online, auch wenn das Ursprungsbild gelöscht wird.

Fotos sehr sorgfältig auswählen, um Missbrauch zu verhindern

Überlegen Sie also ganz genau, was Sie wo im Netz veröffentlichen. Privatsphäre ist ein hohes Gut. Besonders Kinder, die noch nicht selbst entscheiden können, was von ihnen online gezeigt wird, spüren oft erst nach Jahren die Folgen von veröffentlichten Kinderfotos. Sie können nie wissen, was irgendwann mal wieder hochkommt. Umso sorgfältiger sollten Sie auswählen, welche privaten Bilder Sie online zeigen. Das Netz vergisst nie.

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