Sie sind hier: Home > Leben > Familie > Erziehung >

Kinderhilfe: "Missbrauch" sollte "sexuelle Gewalt" heißen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schluss mit "Missbrauch"  

Kinderschützer fordern Umdenken

13.07.2017, 16:46 Uhr | AFP, dpa-AFX

Kinderhilfe: "Missbrauch" sollte "sexuelle Gewalt" heißen. Gewalt gegen Kinder sollte nicht verharmlost werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild/Choreograph)

Gewalt gegen Kinder sollte nicht verharmlost werden. (Quelle: Symbolbild/Choreograph/Thinkstock by Getty-Images)

Kriminalitätsstatistiken und Studien der vergangenen Jahre zeigen: Gewalt in der Erziehung ist gesellschaftlich immer weniger akzeptiert. Trotzdem erfahren viele Kinder noch immer Misshandlungen, physisch und psychisch. Als Konsequenz fordert die Deutsche Kinderhilfe eine Anpassung von Begriffen im Strafgesetzbuch – "sexueller Missbrauch" soll als "sexuelle Gewalt gegen Kinder" bezeichnet werden.

Sprache sollte Kinderqualen nicht verharmlosen

Zu mehr Ehrlichkeit beim Kinder- und Jugendschutz gehöre auch eine Anpassung der noch immer verharmlosenden Sprache, erklärte Rainer Becker, Vorstandschef der Deutschen Kinderhilfe, am Donnerstag in Berlin.

Statt als Kindesmisshandlung oder sexueller Missbrauch sollten die entsprechenden Taten im Strafgesetzbuch als schwere Gewalt gegen Kinder oder sexuelle Gewalt gegen Kinder bezeichnet werden. Außerdem müssten die angedrohten Strafen verschärft werden. Es dürfe nicht sein, dass für einen Einbruch eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft, bei Kindesmissbrauch aber nur ein halbes Jahr angedroht werde.

Fast jeder siebte Deutsche wurde Opfer sexuellen Missbrauchs

Fast jeder siebte (13,9 Prozent) Deutsche ist eigenen Angaben zufolge Opfer sexuellen Missbrauchs geworden, knapp ein Drittel (30,8 Prozent) der Bundesbürger gibt an, in der Kindheit körperliche oder emotionale Gewalt erfahren zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage unter etwa 2500 Bundesbürgern zwischen 14 und 94 Jahren, die Forscher der Universität Ulm im vergangenen März vorstellten.

In der Nachkriegszeit waren Schläge in der Kindererziehung oft noch die Regel, seitdem wächst die Zahl derer, die körperliche Strafen ablehnen. Für die Mehrheit sind "ein Klaps auf den Po" oder eine Ohrfeige mittlerweile tabu, sagte der Ulmer Experte für Kindeswohlgefährdung Jörg M. Fegert im vergangenen Jahr. Einer Studie zufolge fanden 2016 hingegen 44,6 Prozent einen "Klaps auf den Po" akzeptabel (2005: 76,2 Prozent); eine leichte Ohrfeige bewerteten 17 Prozent als in Ordnung (2005: 53,7 Prozent). Eine Tracht Prügel mit Blutergüssen oder das Schlagen mit einem Stock sahen im vergangenen Jahr nur noch 0,1 beziehungsweise 0,4 Prozent als vertretbar an (2005: jeweils 1,9 Prozent).

Wer am stärksten von körperlicher Gewalt betroffen ist

Heranwachsende aus armen Familien sind am stärksten von körperlicher Gewalt betroffen. Das zeigt eine Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung aus dem Jahr 2013. Sozial besser und durchschnittlich gestellte Kinder erfahren den Angaben zufolge deutlich seltener Gewalt. Am häufigsten finden Misshandlungen innerhalb der Familie statt.

Neben der Familie spielt das Internet eine große Rolle. Die Psychologin Julia von Weiler von der Organisation "Innocence in Danger" sprach Anfang des Jahres von 700.000 Erwachsenen in Deutschland, die sexuelle Online-Kontakte zu Kindern hatten. Sie forderte, schon den Versuch des sogenannten Cybergrooming – also das Ansprechen Minderjähriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte – unter Strafe zu stellen.

Missbrauch kann im Erwachsenenalter zu Depressionen führen

Menschen, die Missbrauch oder Vernachlässigung erlitten, haben ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen sowie ein höheres Suizidrisiko. Deutlich häufiger als Menschen ohne Gewalterfahrungen leiden sie an Übergewicht, Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Schmerzen, sagte Markus Huber-Lang, Chirurg am Zentrum für Traumaforschung der Uni Ulm im März 2017.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017