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Regierung setzt auf Familienhebammen zum Kinderschutz

19.03.2012, 11:51 Uhr | dpa

Regierung setzt auf Familienhebammen zum Kinderschutz. Familienhebamme Stefanie Eilers betreut die junge Mutter und den kleinen Damian. (Quelle: dpa)

Familienhebamme Stefanie Eilers betreut die junge Mutter und den kleinen Damian. (Quelle: dpa)

Beim nächsten Baby will Laura nicht mehr während der Schwangerschaft rauchen. Ihr Sohn Damian machte nach der Geburt einen Nikotin-Entzug durch. "Das war heftig", erzählt die 22-Jährige, während im Hintergrund der Fernseher läuft. Jetzt qualmt Laura nur noch vor der Wohnungstür. Familienhebamme Stefanie Eilers betreut die junge Frau seit sechs Wochen in Langenhagen bei Hannover.

Mutter benötigt Unterstützung

Die Geburtsklinik hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass eine Mutter Unterstützung benötigt. Ihre eigene Mutter verschwand, als Laura acht war, die Schule hat sie geschmissen, lange litt sie unter Depressionen. Jetzt will Laura für Damian die Wende schaffen.

Familienhebammen sind eine Säule im neuen Kinderschutzgesetz

Bisher sind nach Schätzungen maximal 800 Familienhebammen bundesweit im Einsatz, bald könnten es weit mehr sein. 177 Millionen Euro stellt das Bundesfamilienministerium bis einschließlich 2015 für diese frühe Hilfe zur Verfügung. Familienhebammen sind eine Säule im neuen Kinderschutzgesetz. Sie stärken die Kompetenz der Eltern und sollen Kindesmissbrauch und Vernachlässigung verhindern. "Wir sind aber keine Kontrollinstanz", betont Angela Nieting vom Deutschen Hebammenverband, der 1500 ausgebildete Familienhebammen zählt. Das Angebot ist freiwillig, die Hebamme unterliegt der Schweigepflicht.

Familienhebamme hilft bei elementaren Fragen

"Ich sehe mich nicht als verlängerter Arm des Jugendamts", sagt Stefanie Eilers. Bei ihrem ersten Besuch saßen Laura und das Neugeborene in einer eiskalten Wohnung - Laura war nicht klar, dass sie vom Vermieter verlangen kann, die Heizung zu reparieren. Wie bereitet man ein Fläschchen zu? Was ist zu tun, wenn der Hartz-IV-Satz nicht reicht? Die Familienhebamme hilft in elementaren Fragen. Mit Laura hat sie Ziele für das Jahr formuliert: eine gute Bindung zu ihrem Sohn aufbauen, Kontakt zu dessen Vater herstellen, die eigene Psyche stabilisieren, den Schulabschluss nachholen.

Hebammen genießen Vertrauen der Mütter

Wer selbst mit Schlägen oder Vernachlässigung aufwuchs, hat oft Mühe, eine Beziehung zum eigenen Baby aufzubauen. Das Problem sieht die Hebamme bei Laura nicht. "Du machst das toll", lobt sie. Als Geburtshelferinnen haben Hebammen seit Jahrhunderten einen Vertrauensvorschuss. Gerade in Familien, die schon Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht haben, wird Behördenmitarbeitern vielfach gar nicht erst die Tür geöffnet. Familienhebammen bekommen dagegen bei ihren regelmäßigen Besuchen bis zum ersten Geburtstag des Kindes einen unverfälschten Einblick in den Alltag. Sie beobachten die Mütter beim Wickeln und Baden, haben die Kleinen oft auf dem Arm.

Studien über Familienhebammen

Der Erfolg der Familienhebammen ist wissenschaftlich dokumentiert. Studien aus den USA zeigen, dass die intensive Betreuung im ersten Lebensjahr positive Langzeiteffekte hat. Die betreuten Kinder waren auch nach 20 Jahren gesundheitlich stabiler, weniger kriminell und gingen einfühlsamer mit ihren eigenen Kindern um. "Schon in den 80er Jahren wussten wir in Deutschland, dass es ein sinnvoller Weg ist", sagt die Rektorin der Universität Leipzig, Beate Schücking. "Aber es hat kaum jemanden richtig interessiert." Die ersten deutschen Familienhebammen wurden vor mehr als 30 Jahren in Bremen eingesetzt.

Unsicherheit der Mütter hängt nicht von sozialem Status ab

Schücking hat als Professorin in Osnabrück Forschungsprojekte über Familienhebammen geleitet. Die Medizinerin betont: "Unsicherheit ist nicht an Einkommen gebunden." Auch finanziell gut gestellte Frauen können mit einem Baby überfordert sein, zum Beispiel wenn sie Partnerprobleme haben oder chronisch krank sind.

Mutter-Kind-Beziehung stärken

Laura hofft, dass sie Damian eine glücklichere Kindheit ermöglichen kann, als sie selbst hatte. "Er ist das Beste, was mir bisher passiert ist", sagt sie. Nach der Geburt hat sie sich spontan für einen Zweitnamen entschieden: Felix, der Glückliche.

 

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